Pflege in Not. Sie müssen handeln. Jetzt!

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Pflege in Not. Sie müssen handeln. Jetzt!

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Stefan Heyde hat diese Petition an Gesundheitsminister Hermann Gröhe gestartet.

Sehr geehrter Herr Gröhe,

es herrscht Fachkräftemangel in der Pflege. Nichts neues, Sie haben es bestimmt schon mal gehört als Bundesgesundheitsminister. Doch nur die Wenigsten die nicht in der Pflege arbeiten, egal ob Alten- oder Krankenpflege, verstehen wirklich, was das bedeutet.

Nur die chronisch Kranken, Angehörigen oder eben die Menschen, die in der Pflege arbeiten, bekommen dieses Problem hautnah jeden Tag mit. Die anderen Menschen denken sich, dass es sie nicht betrifft oder zu einem Zeitpunkt trifft, an dem alles geregelt sein wird. Da haben Sie aber leider falsch gedacht. Denn es geht im Gesundheitswesen nicht nur um ein „paar Fachkräfte“, die fehlen. Nein, es sind weit mehr. Laut einer Meldung auf Heute.de fehlen in den nächsten 15 Jahren rund 320.000 Pflegeplätze aufgrund der steigenden Zahl an Pflegebedürftigen von 2,6 auf 3,5 Millionen wächst. Dadurch würden auch rund 235.000 Stellen für Pflegekräfte offen stehen. 235.000 Pflegende, vor allem in der Kranken- und Altenpflege!

Und mit jedem Tag den Sie und wir alle warten werden es mehr. Die Fachkräfte, die wir aktuell noch haben, gehen entweder bald in Rente oder hören auf, weil sie ausgebrannt sind. Die restlichen Fachkräfte wandern in andere Länder aus, wie z.B. in die Schweiz, Niederlande oder die skandinavischen Länder, weil dort für sie die Bedingungen besser sind.

An Auszubildenden fehlt es eigentlich nicht. Wenn man die Theorie nimmt. Praktisch arbeiten nur wenige nach der Ausbildung weiterhin in der Pflege. Bei der Durchschnittsgröße einer Pflegeklasse von 25 Auszubildenden arbeiten nach der Ausbildung ca. 15 Stück weiter in der Pflege, nach weiteren 5 Jahren Berufserfahrung verlassen wiederrum 10 examinierte Pflegekräfte den Beruf für immer, weil die Rahmenbedingungen für sie so schlecht sind. Wir bilden zwar genug Fachkräfte aus – können diese aber nicht halten. Und das nicht ohne Grund.

In diesem Gesundheitssystem läuft einiges schief. Das aber nicht seit heute oder gestern, sondern schon seit Jahrzehnten und die Politik schaut tatenlos zu wie die Pflegeberufe immer weiter ausbluten. Die Politik macht es mit ihren Reformen und „Flickwerk“ an Reformen nur schlimmer.
Eigentlich traurig, die Medizin macht seit Jahren immer größere Fortschritte, die Pflege wird dagegen systematisch vernachlässigt und wird immer schlechter. Dies liegt nicht an den Pflegenden, sondern am System. Jetzt werden Sie sich fragen warum das so ist.

Wie bereits erwähnt, fehlen immer mehr Fachkräfte. Oft muss eine examinierte Fachkraft tagsüber bis zu 30 Patienten/Bewohner alleine versorgen. Mit der Unterstützung von Praktikanten und ungelernten Hilfskräften im Bereich der Altenpflege, aber diese ersetzen keine vollwertige Fachkraft. Oft ist es auch so, dass die Fachkraft in der Altenpflege „Fachaufsicht“ über mehrere Wohnbereiche hat. Ich kenne Fälle in denen eine Fachkraft im Pflegeheim bis zu 65 Bewohner zu beaufsichtigen hatte. Nachts ist eine examinierte Fachkraft oft alleine für bis zu 80 Patienten/Bewohner (nach neusten Studien von Bienstein sogar für noch mehr Bewohner) zuständig. Wir reden hier natürlich nicht von mobilen und gesunden Menschen.

Diese Patienten/Bewohner sind meistens Vollpflegefälle, die alle zwei Stunden umgelagert werden müssen, weil sie dies nicht mehr alleine können. Je nach Fachrichtung und Einrichtung muss die Pflegekraft Infusionen fertig machen, Tabletten stellen, nach den Patienten/Bewohnern sehen und zur Klingel gehen.

Besonders im geriatrischen Bereich ist nachts besonders viel los. Demente Menschen sind häufig nachtaktiv und laufen herum. Dann muss die Pflegekraft aufpassen, dass diese Patienten/Bewohner nicht weglaufen oder andere Dinge tun, durch die sie zu Schaden kommen könnten. Sie erinnern sich – diese Pflegekraft ist alleine. Sie muss alle ihre Aufgaben erledigen und sich zeitgleich noch um die aktuellen Belange ihrer Schützlinge kümmern, im Bereich der Altenpflege, jedoch bleibt sie bis zu einer Größe von ca. 50 Bewohnern lt. den gesetzlichen Vorschriften alleine. Ihrer Ansicht nach ist dies eine ausreichende Betreuung!

Doch dadurch, dass sie alleine ist, kann sie dies aber nicht. Sie hat einfach nicht genug Zeit für eine angemessene Versorgung.

Und dadurch bleiben die Patienten/Bewohner auf der Strecke. Diese werden dann eben nicht alle zwei Stunden gelagert, weil dies nicht möglich ist. Somit entwickeln sie häufig, für den Laien „Drückgeschwüre“ (in der Fachsprache: Dekubitus), die nur schwer zu behandeln sind und bereits jetzt einen enormen Kostenfaktor im Gesundheitswesen bilden. Viele Patienten/Bewohner liegen stundenlang eingenässt in ihren Betten. Erst zum Frühdienst findet sich dann meist die Zeit diese „Fehler der Nacht“ wieder zu beheben. Nun frage ich sie Herr Gröhe: „Möchten Sie so Ihren Lebensabend verbringen? Sieht für Sie so der verdiente Lebensabend aus?“

Ich übertreibe nicht. Ich habe Geschichten von Pflegenden gesammelt, die genau diese Missstände beschreiben. In all ihrer Deutlichkeit, in ihrer Verzweiflung. Dies ist der grausame Alltag in Deutschland. In allen Krankenhäusern und Pflegeheimen. Der grausame Alltag für ganze Generationen von Senioren/innen, die ihr ganzes Leben hart für ihren Lebensabend gearbeitet haben, die selbst Eltern und Schwiegereltern sind, die Kinder und Enkelkinder haben.

Tagsüber ist es nicht besser. Oftmals sind es Schüler oder Praktikanten oder auch ungelernte Kräfte, die nicht genug Fachwissen haben, um die Patienten/Bewohner fachgerecht zu pflegen.

Richtig angeleitet wird schon lange nicht mehr, denn die Fachkräfte haben selbst genug um die Ohren. Da wird den Praktikanten oder Schülern meistens nichts erklärt, denn es fehlt einfach die Zeit.

Der Fachkräftemangel ist nicht das einzige Problem, aber der Grundstein für die weiteren Probleme. Durch den Fachkräftemangel herrscht ein gewaltiger Druck auf den Pflegekräften, die dadurch anfällig für Krankheiten werden. Damit beginnt der Teufelskreis: Durch Krankheitsausfälle gibt es noch weniger Personal und der Druck wird noch größer, dann brechen die verbliebenen Pflegekräfte durch die Überlastung ein und es geht so weiter. Aus diesem Teufelskreis kommt man in der Pflege nicht mehr heraus. In anderen Berufen würde man die ausgefallenen Mitarbeiter ersetzen. In der Pflege ist dies leider nicht möglich, denn es gibt nicht genug Menschen, die diesen Beruf unter diesen Bedingungen weiterhin ausüben wollen.


Im Endeffekt leiden vor allem die Patienten und Bewohner darunter.

Damit das endlich aufhört, haben Mitarbeiter der Berliner Charité 2015 zum Pflegestreik aufgerufen: „Menschen werden nicht unterversorgt, weil Pflegende streiken, sondern Pflegende streiken, weil Menschen unterversorgt werden.“

Und damit hatten sie Recht. Eigentlich müsste es in ganz Deutschland Schule machen, damit sich endlich etwas ändert.

Für die Medien und Politik ist dieses Problem quasi nicht existent. Es liegt wahrscheinlich daran, dass es den Streikenden nicht nur um mehr Geld geht, sondern um bessere Bedingungen und mehr Personal. Es ist wahrscheinlich nicht spektakulär genug. Natürlich ist es für uns wichtiger, dass die Bahn oder die Post streiken – denn davon sind wir unmittelbar betroffen. Dass es in der Pflege ein gewaltiges Problem gibt, wird der Durchschnittsmensch erst dann begreifen, wenn er selbst auf Pflege angewiesen ist und dann ist es zu spät.

Es muss sich endlich etwas ändern. So wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen. Es geht um Menschenleben. Es geht um die Würde des Menschen. Es geht um einen Beruf, in dem sich täglich die Berufsgruppe bis zum Burnout aufopfert. Es muss sich etwas ändern.

 

Darum fordere ich Sie im Namen der Pflegeberufe auf:

  • Gestalten Sie den Pflegeberuf attraktiver!

sorgen Sie dafür, dass die Auszubildenden nach dem Abschluss im Beruf bleiben.

passen Sie die Gehaltsstrukturen angemessen an.

passen Sie durch die zeitlichen Rahmenbedingungen an und ermöglichen Sie dadurch eine Vereinbarung von Beruf und Familie

  • schaffen Sie durch Gesetze endlich einen an die Zeit angepassten Stellenschlüssel.

Der derzeitige Schlüssel ist überholt und veraltet, die Anzahl der beschäftigten Pflegekräfte sollte auf dem tatsächlichen Pflegebedarf beruhen und eine ganzheitliche Pflege ermöglichen.

  • sorgen Sie dafür, dass die Krankenhäuser und Seniorenzentren bedarfsgerecht und solide finanziert werden und setzen Sie sich für eine „Rekommunalisierung“ von Krankenhäusern und Seniorenzentren ein damit dies ein Ende hat.

 

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