Entscheidung am 24. März: Die "Südumfahrung Hagsfeld" verhindern

0 haben unterschrieben. Nächstes Ziel: 2.500.

Stefan Rein
Stefan Rein hat diese Petition unterschrieben.

Im Grünzug zwischen den Karlsruher Stadtteilen Rintheim und Hagsfeld soll eine neue Hauptverkehrsstraße entstehen. Für die neue Straßenverbindung von der A5 zur Waldstadt werden naturnahe Flächen und Kulturlandschaften geopfert und Anwohner der drei Stadtteile Hagsfeld, Rintheim und Waldstadt mit neuem Verkehr belastet.

Die Sache ist heiß: Am 24. März 2020 entscheidet der Gemeinderat über die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens. Er wird damit den entscheidenden Beschluss zum Bau der Straße fällen. Verhindern wir gemeinsam in letzter Sekunde eine weitere Fehlentscheidung der Stadtpolitik, nachdem schon 2007 mit der Fertigstellung der Autobahn-Ausfahrt Karlsruhe-Nord der Autoverkehr nach Hagsfeld getragen wurde. Dasselbe Schicksal droht nun den Stadtteilen Rintheim und Waldstadt.

Die sogenannte Hagsfelder Südumfahrung soll je nach Variante 55-70 Mio. Euro kosten. Mit diesem abgespeckten, 1 km langen Teilstück der ehem. geplanten Nordtangente würde ein weiterer direkter Zubringer von der Autobahn zum überregionalen Straßennetz Richtung Westen und Norden der Stadt - und auch durch die Oststadt in die Stadtmitte - entstehen.

Als Begründung für den Neubau dient die Hoffnung auf eine Entlastung Hagsfelds und das Jahrzehnte währende Versprechen der Stadtpolitik auf eine Umgehungsstraße. Es ist hinlänglich bekannt, dass den Hagsfeldern damit ein Floh ins Ohr gesetzt wurde: Das Straßenprojekt bringt laut aktuellem Verkehrsgutachten der Stadt Karlsruhe eine Entlastung von nur 25-30%, in Zahlen eine Reduzierung um "bis zu 3.300" Fahrzeuge täglich.

Demgegenüber wäre der Verlust des Naherholungsgebiets und einer mikroklimatisch wichtigen Ausgleichsfläche zwischen den beiden Stadtteilen zu beklagen und statt Äcker, Wiesen und Gehölz würde die verkehrsreichste Straßenverbindung des Nordostens nah an der Rintheimer Bebauung entlang führen. Auf nur zwei Fahrstreifen wird mit 23.000 Fahrzeugen täglich mehr Verkehr als auf dem vierspurigen Ostring erwartet. Der Stau ist vorprogrammiert. Die für dieses hohe Verkehrsaufkommen notwendigen, großzügig dimensionierten Kreuzungen führen zu einem zusätzlichen Flächenverbrauch an der Elfmorgenbruchstraße und an der Haid-und-Neu-Straße. Die hier bestehenden, unterschiedlichen sozialen Grundstücks-Nutzungen werden gefährdet, u.a. der seit 47 Jahren bestehende Freie Kindergarten.

Weiterhin: Die Stadtverwaltung nennt 38 größtenteils streng geschützte Tierarten, die vom Straßenbau unmittelbar betroffen sind. Die "Troglösung" wäre in der vorgestellten Planung, ohne Grünbrücken oder weitere Maßnahmen, eine für die schützenswerten Tiere unüberwindbare Schneise und würde dieses stadtnahe Grün weitgehend zerstören. Auch die zweite Variante mit einer 430 m langen Brücke zerschneidet das Gebiet und verteilt Lärm und Abgase umso weiter. Besonders betroffen sind das Biotop an der Alte Bach und die beliebten Spazierwege am Hinterwiesenweg entlang der Bahnstrecke.

Das zweite Ziel der Befürworter, die bessere Anbindung des Technologieparks an das überregionale Straßennetz, ist nicht weniger fragwürdig. Auch hier zeichnet die Kosten/Nutzen-Rechnung ein eindeutiges Bild: Von der Autobahn-Ausfahrt Durlach ist der Technologiepark auch heute schon in fünf Minuten zu erreichen - und das auf durchgängig vierspurig ausgebauter Straße.

Auch wenn die Stadtverwaltung versucht, die Anziehungskraft kleinzureden: Niemand weiß, welcher Verkehr durch die neue Straße zusätzlich entsteht. Schon laut Verkehrsprognose würde es sich um die am stärksten befahrene Straße im Nordosten von Karlsruhe handeln. Nach der Autobahn-Anschlussstelle Karlsruhe-Nord wäre dies die zweite Teilstrecke der eigentlich verworfenen Nordtangente, inklusive der Möglichkeit zum späteren Weiterbau bis zur Theodor-Heuss-Allee.

Die UnterzeichnerInnen dieser Petition lehnen den Bau der Hagsfelder Südumfahrung ab. Sie eint der Einsatz für eine lebenswerte, klimaverträgliche und nachhaltige Stadtgemeinschaft. Wir brauchen ein nachhaltiges Mobilitätskonzept, zum Schutz von Mensch und Natur.

Liebe Mitglieder des Gemeinderats Karlsruhe,

mit dem geplanten Neubau werden nicht nur Klima und Natur geschädigt. Auch die Lebensqualität von noch mehr Menschen in Karlsruhe wird von Lärm und Abgasen beeinträchtigt. Eine unwesentliche Teil-Entlastung der innerörtlichen Anwohner von
Hagsfeld wird durch die Neubelastung anderer Anwohner in den Stadtteilen erkauft. Ja, den Hagsfelder Bürgern wurde einst ein Versprechen gegeben. Doch seither hat sich vieles verändert und ein neues Umweltbewusstsein verlangt nach neuen Prioritäten.

Wir bitten Sie: Verzichten Sie auf die Weiterplanung dieser Straße und auf den Einsatz vieler Millionen Euro für deren Bau. Suchen Sie stattdessen kreativ nach weiteren Wegen, den Ortskern von Hagsfeld vom Straßenverkehr zu entlasten. Verzichten Sie darauf, die Interessen von Hagsfelder und Rintheimer Bürger gegeneinander auszuspielen - auf Kosten von Natur und Klima. Und vor allem: Nehmen Sie Ihr selbstgestecktes Ziel einer klimaneutralen Stadt ernst und treiben Sie die Verkehrswende voran.

Wir bitten Sie:

  • Wenden Sie sich gegen den Bau der "Südumfahrung Hagsfeld"
  • Setzen Sie sich für den Schutz des Biotops entlang der Alte Bach ein
  • Erhalten Sie den Grünzug zwischen Rintheim und Hagsfeld

Stefan Rein (Hagsfeld)
Sabine Backhaus (Hagsfeld)
Andrea Wiebelitz (Hagsfeld)
Eicke Schröder (Rintheim)
Johannes Wetzel (Rintheim)

mit Unterstützung des NABU Karlsruhe, Vorsitzender Artur Bossert

29.01.2020
[Bild: Blick vom Hinterwiesen Richtung Westen, Fotomontage mit
geplanter Brücke, E. Schröder]

Hinweis: Zahlen und Fakten stammen von der Stadt Karlsruhe. Bekannt gegeben auf den Informationsveranstaltungen mit OB Mentrup in Hagsfeld am 25.07.2019 und Rintheim am 23.01.2020.