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Messe „Jagd & Hund“: Parteien und Jagdverbände äußern sich zur Trophäenjagd

Dr. Christian Felix
Germany

Feb 19, 2019 — 

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,

die Fraktionsvorsitzenden des Dortmunder Stadtrats erhielten am 21. Januar ein Schreiben von elf Natur- und Tierschutzorganisationen mit dem dringenden Appell, Anbietern von tier- und artenschutzwidrigen Jagdreisen den Zugang zur Messe „Jagd & Hund“ zu verwehren [1]. Zu den Unterzeichnern des Briefes gehört auch der Deutsche Naturschutzring, der Dachverband aller deutschen Natur- und Artenschutzorganisationen.

Die Fraktion DIE LINKE äußerte sich als erstes und will in der nächsten Sitzung des Aufsichtsrats der Westfalenhallen AG im März das Anliegen der Artenschutzverbände „selbstverständlich“, wie es heißt, zur Sprache bringen.

Die GRÜNEN kündigten in einer Pressemitteilung an, das Thema ebenfalls in der kommenden Aufsichtsratssitzung anzusprechen, damit auf der Messe künftig keine Anbieter von tier- und artenschutzwidrigen Jagdreisen mehr zugelassen werden [2], was in der Dortmunder Online-Presse für Schlagzeilen sorgte [3].

Der Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion Norbert Schilff [4] erklärte dagegen für seine Partei:

Die Messe Jagd & Hund ist eine sehr erfolgreiche Messe mit über 800 Ausstellern aus dem In- und Ausland. Zu den Ausstellern gehören weit über 100 Anbieter von Jagdreisen. Erst einmal ist das Anbieten von Jagdreisen nicht illegal. Zudem sind wir davon überzeugt, dass die Jägerinnen und Jäger, die die deutsche Jagdprüfung absolviert haben, sich auch an Tierschutzgesetze und Artenschutzabkommen (z. B. Biodiversitätskonvention, Bonner Konvention, Berner Konvention) halten. Ebenfalls ist davon auszugehen, dass die Jagdreisenden sich auch an die jeweils geltenden Regelungen, auch im Ausland, halten und z. B. entsprechende Lizenzen vorweisen können, um nicht dem Vorwurf der Wilderei ausgesetzt zu sein.

[…] Die Jagd auf bedrohte oder international geschützte Tierarten deckt sich selbstverständlich auch nicht mit unserem Verständnis von Naturschutz. Wir gehen aber erst einmal davon aus, dass Anbieter von Jagdreisen, die nicht mit dem Nachhaltigkeitsprinzip der Jagd und somit mit dem Tier- und Artenschutz nicht in Einklang stehen, auch nicht auf der Messe vertreten sein werden.

In der Stellungnahme der SPD fallen Naivität, Unkenntnis und Widersprüchlichkeit auf.

Den Mitgliedern der größten Fraktion im Dortmunder Stadtrat sei eine Besichtigung der Messehallen empfohlen. Wer etwas Geld mitbringt, kann hier alles haben, was das Jägerherz zum Abschuss begehrt, vom Elefanten bis zum Eisbären. Selfies mit totem Tier im Hochglanzdruck werben für den Spaßurlaub Großwildjagd. Safarianbieter offerieren Staffelpreise für die Tötung „abschussreifer“ Flusspferde („2 Hippos: 4.950 €, 3 Hippos: 8.950 €, 5 Hippos: 12.950 €“). Die Jagd auf international geschützte und besonders bedrohte Tierarten – in Halle 7 ist es das Motto.

Solche Art von Jagden decke sich „selbstverständlich“ nicht mit dem SPD-Verständnis von Naturschutz, meint Herr Schilff. Deswegen geht er davon aus, dass es diese Angebote in seiner Stadt auch gar nicht gibt. Offenbar fehlen schon für die Vergabe der Messestände Regelungen, die sich an ethischen Grundsätze orientieren, und erst recht Kontrollen, die deren Einhaltung garantieren. Und die Politik gibt sich ahnungslos und unwissend.

Das Wegschauen der SPD lässt sich durch das Aufzählen numerischer Superlative der „Jagd & Hund“ („sehr erfolgreiche Messe mit über 800 Ausstellern“, „weit über 100 Anbieter von Jagdreisen“) nicht kaschieren. Die schiere Masse allein stellt kein Qualitätsmerkmal dar und ist auch kein Garant für die Einhaltung des Tierschutzes nach deutschem Recht, sie macht das Grauen nur größer und das Versagen der Verantwortlichen noch monströser.

Darüber hinaus ist der SPD nicht bekannt, dass die „Jägerinnen und Jäger“ für ihren Blutsport im Ausland gar keinen Jagdschein besitzen müssen und das Bestehen einer Jagdprüfung keine Voraussetzung ist für den Abschuss von Löwe, Zebra, Eisbär und Co. Die schwache Gesetzgebung im Bereich des Tier- und Naturschutzes macht in den Jagdländern sogar die Ausübung besonders grausamer Jagdmethoden möglich. Die SPD geht indes davon aus, dass alles mit dem „Tier- und Artenschutz“ „im Einklang“ stehe. Doch bereits die hergestellte Verbindung zwischen einem behaupteten „Nachhaltigkeitsprinzip der Jagd“ (Schilff) und dem Tierschutz ist juristisch unsinnig. Und was den Artenschutz betrifft, sollte man vielmehr davon ausgehen, dass die SPD nicht einen einzigen Abstract der zahlreichen Studien gelesen hat, die einen negativen Effekt der Trophäenjagd auf den Genpool der bejagten Art, auf den unmittelbaren Bestand der Tiere und auf ihr Sozialverhalten nachweisen.

Für eine Partei, die den Oberbürgermeister in Dortmund stellt, überrascht dieses Armutszeugnis dann doch.

Auch die CDU meldete sich Wort. Sie enthält sich selbst einer Stellungnahme, zitiert die Messehallenbetreiber und überlässt den Jagdverbänden eine Reaktion:

Wir haben lhr Schreiben unseren Mitgliedern im Aufsichtsrat der Westfalenhallen Dortmund GmbH zur Kenntnis gegeben. Uns liegt mittlerweile eine Stellungnahme der Messe Westfalenhalle Dortmund GmbH vor. Darin heißt es u. a.: „Als neutraler Messeveranstalter machen wir Recht und Gesetz zur Richtschnur des Handelns. Wir weisen daher unsere Aussteller in unseren Zulassungsbedingungen ausdrücklich darauf hin, dass ausschließlich legale Produkte auf unseren Messen ausgestellt werden dürfen. Das bedeutet, dass keine Exponate und Angebote gegen gültige Gesetze der Bundesrepublik Deutschland, der Europäischen Union oder des Washingtoner Artenschutzübereinkommens verstoßen dürfen. Außerdem müssen alle gültigen Bescheinigungen, z. B. CITES, am Messestand vorgewiesen werden können."
Wir erlauben uns, lhr Schreiben an den Landesjagdverband NRW und den CIC weiterzuleiten.

Erwartungsgemäß wüten die Jagdverbände DJV und CIC [5]. In ihrer Reaktion erzählen sie die bekannten Märchen von der „nachhaltigen“ Jagd, nennen unbelegte Zahlen der Elefantenpopulation in Namibia [6] und bezeichnen nicht etwa die 18.000 überwiegend weißen Auslandsjäger, die jedes 100.000 Wildtiere in Afrika töten, als neokolonialistisch, sondern die Kritik daran.

Fazit: GRÜNE und LINKE setzen sich für die Positionen der Natur- und Artenschutzverbände ein, SPD und CDU stellen sich an die Seite der Trophäenjäger.


Herzliche Grüße

Christian Felix

E-Mail: stopp.grosswildjagd@gmail.com


Quellen und Anmerkungen:


[1] https://futureforelephants.org/images/pdf/Letter_Stadt-Dortmund_2019.pdf

[2] https://futureforelephants.org/images/pdf/GRUENE-wollen-exotische-Tierarten-schuetzen_PM.pdf

[3] https://www.dortmund24.de/dortmund/trophaeenjagd-tierschuetzer-jagd-und-hund/

[4] https://www.spd-fraktion-dortmund.de/die-fraktion/mitglieder/schilff-norbert/

[5] https://www.jawina.de/djv-und-cic-verteidigen-nachhaltige-auslandsjagd/

[6] Anstelle der angeblich 22 000 in Namibia lebenden Elefanten gibt es vermutlich nur die Hälfte, wie örtliche NGOs befürchten – Namibia weigerte sich am Great Elephant Census teilzunehmen.


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