Wölfe in Deutschland müssen streng geschützt bleiben

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Nachdem sich Landwirtschafts- und Umweltministerium nicht einig werden, erklärte unsere Bundeskanzlerin, Frau Dr. Angela Merkel, das Thema Wölfe nun zur Chefsache. Die Befürchtungen sind groß, dass der strenge Schutz der Wölfe in Deutschland, entgegen aller bestehenden Gesetze, aufgeweicht wird.

In der Umweltministerkonferenz vom 08. - 10. Mai 2019 wurde mit dem Bund u.a. vereinbart, "dass zeitnah Vorschläge für mögliche Anpassungen des bundesrechtlichen Rahmens vorgelegt werden".

Die Wolfspopulation in Deutschland ist noch weit von einem günstigen Erhaltungszustand entfernt.
Vorhandene Ängste müssen den Menschen genommen und nicht geschürt/ verbreitet werden. Deshalb braucht es faire, ehrliche Aufklärung und keine Schauerszenarien.
Frau Dr. Merkel sowie alle Politiker und auch wir Wolfsbefürworter müssen unserer artenschutzrechtlichen Verantwortung nachkommen und dürfen nicht zulassen, dass am strengen Schutz der Wölfe etwas verändert wird, nur um einer Lobby-Minderheit gefällig zu sein.

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Mein persönlicher Brief an Frau Dr. Merkel:

EINSCHREIBEN
Bundeskanzleramt
Bundeskanzlerin
Frau Dr. Angela Merkel
Willy-Brandt-Straße 1
10557 Berlin
cc. Bundesumweltministerin, Frau Svenja Schulze

Sehr geehrte Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel,
nachdem sich Umwelt und Landwirtschaftsministerium nicht einig werden, haben Sie das Thema Wölfe zur Chefsache gemacht. In Medien und sozialen Netzwerken wird dieses Thema nun ausgiebig breit getreten und es gibt teilweise wilde Spekulationen. So wird zum Beispiel behauptet, dass Sie, nachdem Sie Angst vor Hunden haben, dem Landwirtschaftsministerium ein "Abschiedsgeschenk" machen wollen, indem Sie die präventive Jagd auf Wölfe genehmigen wollen. Dass man mehr Angst vor Hunden als vor Wölfen haben kann, zeigen die jährlichen Verletzungen von Menschen durch Hunde, was allerdings allein in der verantwortungslosen Anschaffung, Erziehung und Haltung durch die Hundehalter liegt. Wo hingegen seit mehr als 50 Jahren in Europa kein Mensch von einem gesunden Wolf angegriffen wurde, was durch zahlreiche Forschungen und Studien belegt ist.
Von div. Politkern, Jagd- und Bauernverbänden wird gerne das Beispiel Frankreich genannt, das eine bestimmte Anzahl Wölfe (derzeit 40 Tiere pro Jahr) zum Abschuss freigibt. Wenn man die Risszahlen in Frankreich betrachtet, sieht man sehr gut, dass trotz dieser präventiven Abschüsse, mehr Nutztiere gerissen werden als in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Dies bestätigt die Studien, dass Abschüsse von Wölfen eher das Gegenteil bewirken können, nämlich dass mehr Nutztiere gerissen werden, weil dadurch in bestehende Rudelstrukturen eingegriffen wird. Einzig durch die nun vielerorts eingesetzten Herdenschutzmaßnahmen konnte im letzten Jahr erreicht werden, dass es in Frankreich weniger Nutztierrisse gibt.
Auch das Beispiel Schweden wird gerne heran gezogen. Dabei wird oftmals die Quotenjagd mit der Schutzjagd durcheinander gewürfelt oder verwechselt.
- Quotenjagd (Einhaltung der Obergrenze)
- Schutzjagd (wenn andere Maßnahmen zum Schutz von Nutztieren nicht zum Erfolg führen, Freihaltung des Rentierwirtschaftsgebietes, Schutzjagd wird nicht von Jägern durchgeführt, sondern von Personal der Landesverwaltungen vom Hubschrauber aus).
Lt. schwed. Wolfsmanagementplan sind 300 Wolfsindividuen die kleinste überlebensfähige Population. Dieser Wert hat nichts zu tun mit dem „günstigen Erhaltungszustand“ gem. der FFH-Richtlinie, der bei 1.000 erwachsenen Tieren gesehen wird. Es wurde von der EU lediglich deshalb hingenommen, weil Schweden aus Rücksicht auf den Volksstamm der Samen, keine Wölfe im Rentierweidegebiet duldet. Die Quotenjagd findet seit 2010, jährlich vom 02.01. bis 15.02. durch Jäger statt. 2012, 2013 und 2014 wurde sie durch Gerichtsbeschlüsse untersagt. Im Winter 2019 sah man von einer Jagd ab, weil der Wolfsbestand nur noch ca. 300 Wölfe umfasst. Bei all diesen jagdlichen Maßnahmen wurde festgestellt, dass die Reduzierung des Wolfsbestands nur vorübergehend greift, da freie Reviere über kurz oder lang wieder besetzt werden. Auch die Wolfsakzeptanz wurde nicht erhöht, die jagdlichen Maßnahmen haben lediglich zur Folge, dass die illegale Jagd auf Wölfe stark zugenommen hat. Die Jagdpraxis ist in Schweden selbst und europaweit sehr umstritten. Die EU-Kommission hat Schweden mit einer Klage wegen Nichteinhaltung der europäischen Naturschutzvorschriften gedroht und 2019 erneut dazu angehalten die Nachstellungen zu beenden.
Eine weitere gern behauptete Aussage ist, dass sich Wölfe ungebremst vermehren. Diese Aussage ist schlichtweg falsch. In Wolfsfamilien pflanzt sich nur das "Alpha-Weibchen", die Wolfsmutter, fort. Dadurch wird die unkontrollierte Vermehrung gebremst und sichergestellt, dass nicht mehr Wölfe in einem Revier leben, als sich dort ernähren können. Diese ökologische Geburtenkontrolle versagt nur dann, wenn Wölfe bejagt und Familienstrukturen zerstört werden.
Ein Wurf besteht zumeist aus 2 - 6 Welpen und selbst in beutereichen Revieren muss mit einer Sterblichkeitsrate von 20 - 30 % gerechnet werden. Wölfe werden im Alter von 1 bis 2 Jahren geschlechtsreif und verlassen in der Regel dann ihre Familien um sich eigene Reviere zu suchen. Auch hier gibt es eine hohe Mortalität, u.a. durch Verkehrsunfälle. Laut den Daten von DBBW wurden im ersten Quartal 2019 48 Wölfe tot aufgefunden, davon 43 durch Verkehrsunfälle getötete, 1 illegal erschossener, 3 auf natürliche Art verstorbene und 1 mit unklarer Ursache.
All diese Fakten werden von Politikern, Jagd- und Bauernverbänden leider außer Acht gelassen.

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel, wie Sie wissen, sind Wölfe durch das Bundesnaturschutzgesetz, die FFH-Richtlinie, die Berner Konvention und das Washingtoner Artenschutzabkommen strengstens geschützt. Darin sind präventive Bejagung ebenso verboten, wie wolfsfreie Gebiete. Ausnahmeregelungen gibt es bereits heute, so dass Wölfe entnommen werden können, wenn Gefahr für Menschen besteht oder wenn diese wiederholt wolfssichere Herdenschutzmaßnahmen überwinden. Zudem wurde in vielen weltweiten Studien bereits nachgewiesen, dass Abschießen einzelner Tiere oder ganzer Rudel niemals Herdenschutzmaßnahmen ersetzen kann. Wie die EU bereits mehrfach bestätigte (zuletzt im September in einem Schreiben an den bautzener Landrat Michael Harig und öffentlich im Oktober 2018), bleibt der strenge Schutz der Wölfe unantastbar. Im Februar 2019 forderten die EU Kommissare für Landwirtschaft (Phil Hogan) und Umwelt (Karmenu Vella) die Agrar- und Umweltminister aller europäischen Staaten eindringlich zur intensiven Förderung des Herdenschutzes auf. Die Förderung der Anschaffung von wolfsabweisenden Zäunen und Herdenschutzhunden, sowie Arbeitskosten für den Erhalt ist zu 100 % über ELER möglich.
Basierend auf den Daten des DBBW (Monitoringjahr 2017/2018 lebten in Deutschland 2018 inkl. Jährlinge, die sich evtl. noch im Rudel befinden, ca. 450 erwachsene Wölfe, damit sind wir von einem günstigen Erhaltungszustand noch sehr weit entfernt oder wie es Herrn Junkers Referatsleiterin in ihrem Schreiben an Herrn Harig ausdrückte, "der Wolf befindet sich in Deutschland in einem ungünstigen-schlechten Zustand".
Es besteht absolut keine Notwendigkeit, am strengen Schutz der Wölfe etwas zu verändern.

Die Europawahl steht vor der Tür, ebenso finden 2019 in den östlichen Bundesländern Land- und Kreistagswahlen statt. Aus diesem Grund schürt die AFD mit populistischen Parolen die Angst vor Wölfen bei der Bevölkerung und fordert die Jagd auf Wölfe. Leider hängen sich einige CDU- und auch SPD-Minister an dieses Verhalten dran, in dem Irrglauben, der AFD so die Wähler abzujagen. Dass dies ein gewaltiger Irrtum ist, hat die letzte Bundestagswahl mehr als klar und deutlich bewiesen. Bei Befragungen zur Bundestagswahl, gaben ca. 50 % der AFD-Wähler genau diesen Grund an, warum sie die CDU oder SPD nicht mehr gewählt haben.

Zudem wäre es kein guter Abschied aus der Politik, wenn Sie als Bundeskanzlerin auch dadurch in Erinnerung bleiben, dafür verantwortlich zu sein, dass in Deutschland kein günstiger Erhaltungszustand für Wölfe erreicht werden kann, und von diesem sind wir noch meilenweit entfernt. Artenschutz ist neben Klimaschutz DAS Thema unserer Zeit (und wird es auf nicht absehbare Zeit auch bleiben) und zum Artenschutz gehören auch große Beutegreifer wie Wolf, Luchs und Bär. Außer Acht lassen darf man zudem nicht, dass 80 % der deutschen Bevölkerung nach wie vor die Rückkehr der Wölfe begrüßt und entgegen vieler Unterstellungen, nicht nur die in Städten lebende, sondern auch die ländliche Bevölkerung. Eine Co-Existenz Menschen, Weidetiere und Wölfe ist sehr gut möglich, das beweisen zahlreiche Beispiele in unseren Nachbarländern und auch in Deutschland. In keinem anderen Land, wird ein solches Gezeter über die Wölfe veranstaltet wie in Deutschland. Ein "gefundenes Fressen" für viele Medien, die in teilweise völlig unsachlicher Art und Weise auflagenkräftige und vor allem ungeprüfte Berichte zum Besten geben. Gut erkannt hat das die New York Times, die im April 2019 zynisch titelte "Die großen bösen Wölfe von Deutschland" und führte weiter aus, "dass sich ein paar hundert Wölfe in Deutschland wieder niedergelassen haben, aber wenn man Politiker darüber sprechen hört, steht dem Land eine Invasion bevor. Der Wolf werde zu einem „Objekt des Schreckens“ stilisiert und die Diskussion stehe sinnbildlich für die „nationalen Kulturkämpfe." Ein Armutszeugnis für Deutschland.

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel, gegen Deutschland laufen bereits etliche EU-Klagen, zuletzt u.a. wegen zu hoher Luftverschmutzung und zu hoher Nitratwerte im Grundwasser, hierbei drohen Strafen in Millionenhöhe. Eine weitere Klage wegen Verletzung des Artenschutzes muss nicht sein.
Es gibt in Deutschland mit Herrn Ulrich Wotschikowsky und Frau Elli Radinger exzellente Wolfsexperten, die Vereine "Freundeskreis freilebender Wölfe", "Gesellschaft zum Schutz der Wölfe", die ebenfalls mit Rat und Tat jederzeit zur Seite stehen (auch Ihnen Frau Dr. Merkel), und ebenso bei der Unterstützung der Weidetierhalter vor Ort. Außerdem WikiWolves (eine Gemeinschaft von Freiwilligen), die ebenfalls Weidetierhalter beim Aufbau von Herdenschutzmaßnahmen tatkräftig unterstützt. In einigen unserer Nachbarländer gibt es Herdenschutz-Kompetenzzentren, ein solches ist in Deutschland längst überfällig.
Das Landwirtschaftsministerium hätte wesentlich wichtigere Aufgaben, als sich um den präventiven Abschuss der streng geschützten Wölfen zu kümmern. Massentierhaltung, Ausbringen von Pestiziden und Gülle in viel zu hohem Mengen, Tiertransporte, 100 %ige Erstattung von Anschaffung, Einrichtung und Erhalt von Herdenschutzmaßnahmen für alle Bundesländer festlegen, Herdenschutz-Kompetenzzentrum aufbauen, die EU-Agrarsubventionen gerechter verteilen, damit nicht immer wieder Betriebe die mit und für die Natur arbeiten aufgeben müssen, auch eine Weideprämie für Weidetierhalter wäre mehr als hilfreich, um nur einige zu nennen.

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel, entscheiden Sie im Sinne der bestehenden Gesetze und des Artenschutzes. Aufgabe der Politik insgesamt ist es, den Menschen vorhandene Ängste zu nehmen, nicht solche zu verbreiten. Deshalb braucht es faire und ehrliche Aufklärung, keine Schauerszenarien. Wir alle müssen unserer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden und dürfen nicht zulassen, dass eine streng geschützte Tierart bejagt wird, nur um einer Lobby-Minderheit gefällig zu sein.
Über eine Stellungnahme von Ihnen würde ich mich sehr freuen.
Mit freundlichen Grüßen

Andrea Geitner

Quellen:
Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf - http://www.dbb-wolf.de
Peter Peuker, Wolfsbeauftragter - http://www.amaroktv.de
Ulrich Wotschikowsky, Wolfsexperte - http://www.woelfeindeutschland.de
New York Times - http://www.nytimes.com