Faire Unterstützung von ReiseleiterInnen und FremdenführerInnen in der Corona-Krise

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Sehr geehrte politische EntscheidungsträgerInnen! Liebe österreichische Öffentlichkeit!

Wir wenden uns an Sie, um auf die Situation von uns ReiseleiterInnen und FremdenführerInnen in der aktuellen Krise aufmerksam zu machen und auf die Probleme hinzuweisen, die sich aus der Art der Berechnung für die Hilfeleistungen aus dem Härtefallfonds für Ein-Personen-Unternehmen ergeben, die starken saisonalen Schwankungen unterworfen sind. Zudem besteht das dringende Problem, dass der Fonds nur auf drei Monate (drei Anträge) beschränkt ist, wir aber weitaus länger betroffen sein werden.
 
Grundsätzlich ist es leider so, dass die Krise uns im Tourismus besonders hart und nachhaltig trifft. Wir waren die Ersten, die betroffen waren von den frühen Reisebeschränkungen in Bezug auf Italien. Aller Voraussicht nach werden wir auch die Letzten sein, die ihre Tätigkeit wieder regulär aufnehmen können. Erschwerend kommt hinzu, dass die Pandemie uns zu einem Zeitpunkt trifft, der denkbar ungünstig ist: Das Frühlingsgeschäft bringt uns die ersten Einnahmen des Jahres, nachdem wir im Winter in der Regel von den Rücklagen aus der letzten Saison leben. Das bedeutet einen kompletten Verdienstausfall ohne Perspektive auf eine baldige Besserung der prekären Situation.
 
Nun gibt es zwar einen Härtefallfonds der Österreichischen Regierung, der uns „kleinen“ Einzelunternehmern helfen soll. Doch besteht das Problem bei der gewählten Berechnungsweise für die Förderung, dass UnternehmerInnen mit ausgeprägten saisonalen Schwankungen besonders stark benachteiligt werden. Diesen Umstand möchten wir anhand von zwei konkreten Fallbeispielen verdeutlichen (siehe Grafik über dem Text):
 
Unternehmer A und B kommen jeweils auf ein Jahresnettoeinkommen von 18.000 Euro. Unternehmer A ist in einer Branche tätig, die nur geringen jährlichen Schwankungen unterworfen ist, und verdient somit monatlich im Schnitt 1.500 Euro. Das Einkommen von Unternehmer B schwankt hingegen stark, er verdient zwischen Oktober und März nichts, dafür aber zwischen April und September 3.000 Euro monatlich. Er bildet in diesen Monaten Rücklagen, von denen er auch im Winter lebt. Die Höhe der Einkommen beider Unternehmer ist daher in Summe gleich, aber die Verteilung unterscheidet sich.
 
Beide Unternehmer erhalten nun 1.200 Euro aus dem Unterstützungsfonds, da der Betrag auf Basis des  Jahresdurchschnitts errechnet wird (80% von 1.500 Euro). Bei Unternehmer A sind das - wie vom Gesetzgeber vorgesehen – 80% des entgangenen Einkommens. Auch Unternehmer B erhält 1.200 Euro. Er hätte aber im selben Zeitraum 3.000 Euro monatlich verdient. Somit entspricht der ausbezahlte Betrag aus dem Unterstützungsfonds nur 40% seines entgangenen Einkommens. Unternehmer B wird durch diese Berechnungsmethode ungleich behandelt und hat einen höheren Einkommensausfall, alleine deshalb weil seine umsatzstarken Monate in die Krisenzeit fallen. Annahme es bleibt bei drei Corona-Monaten: Das fiktive Gesamtjahreseinkommen von Unternehmer A beträgt inklusive der Zahlungen aus dem Fonds am Ende des Jahres 17.100 Euro, das von Unternehmer B hingegen nur 12.600 Euro.

Wir ersuchen daher um andere Berechnungsmodelle, die Ein-Personen-Unternehmen mit saisonalen Schwankungen mitberücksichtigen. Beispiele von zwei alternativen Varianten, die unserem Anliegen gerecht werden würden: Entweder werden als Basis für die Berechnungen die jeweiligen Monate für einen direkten Vergleich herangezogen - April 2020 (Null Einnahmen) im Vergleich zu April 2019 (3.000 Euro Nettoeinkünfte) - ODER der Nachweis über entgangene Einkünfte, wie dies teilweise auch in Deutschland geschieht. Das ist in unserer Branche relativ einfach nachweisbar anhand von Corona-bedingten Stornos. In jedem Fall aber sollte der Mindestsatz einer Hilfe bei vollständigem Einkommensverlust auf der Höhe der Mindestsicherung liegen.

Überdies bitten wir eindringlich um Perspektiven für eine weitere Unterstützung nach dem Auslaufen des Härtefallfonds Mitte Juni 2020, da wir realistisch davon ausgehen müssen, noch weitaus länger von dieser Situation betroffen zu sein. Leider sind die Hilfen in der aktuellen Form für unser spezifische Situation jedenfalls unzureichend, sowohl was die Höhe als auch die Dauer betrifft. 
 
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!
 
Mit freundlichen Grüßen,  

Michael Hoffman, MA.
Regina Glowania, BA.
Chris Karl, MA., Obfrau Verein Reiseleiter Austria
Richard Strauss
Mag. Patrik Hierner
Tanja Schachinger, BA. BA.
Dipl. Ing. Diana Rudolph
Mag. Susanne Kowarc
Christa Englinger
Patrizia Kindl
Unterzeichner der Petition