Für eine neue Gepflogenheit: Trinkgeld für Kurierfahrer!

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Der Spiegel-Artikel "Ivan, der Weihnachtsmann" (51/2017, S. 56 - 60) hat mich schmerzlich darauf aufmerksam gemacht, dass ich, als Vielnutzer des Online-Versandhandels, zwar freundlich dankend die Pakete aller Kurierdienste in Empfang nehme, der Kurier sich aber berechtigterweise viel mehr über ein kleines Trinkgeld freuen würde.

Um uns die Arbeit des durchschnittlichen Kuriers, der über ein Subunternehmen für die großen Logistik-Konzerne arbeitet, noch einmal vor Augen zu halten: 70 Stunden oder mehr pro Woche, Bezahlung nach Leistung ohne Überstundenregelung, Sechs-Tage-Woche, Treppensteigen, sperrige und schwere Lasten, ... Stundenlohn: fünf Euro pro Stunde bzw. 1.500 € brutto. Aber: um diesen Lohn zu erreichen, geht der Kurier an die körperliche und geistige Beslastungsgrenze, von den katastrophalen Auswirkungen auf das Privatleben ganz zu schweigen! Und es gibt genügend schwarze Schafe unter den Subunternehmen, bei denen zu noch schlechteren Bedingungen geaarbeitet wird, wie z. B. illegalen Lohnzahlungspraktiken unter Umgehung der sozialen Absicherungspflichten. Ganz unten stehen die "Obdachlosen": Kuriere, die in ihrem Lieferwagen "wohnen".

Auf die Frage an mich selbst, warum ich nie ein Trinkgeld gebe, fand ich nur die Antwort: "Weil wir dem Postboten auch kein tägliches Trinkgeld geben." Also hat sich nach meinem Empfinden der reine Paketzusteller im Zuge des Internethandels schrittweise zum klassischen, verbeamteten Briefträger hinzugesellt und aus Bequemlichkeit habe ich für den Kurier das Trinkgeldverhalten unverändert übernommen.

Wenn ich den Spiegel-Artikel lese, mich bei Freunden/Bekannten umhöre und über die Poststelle in einigen Unternehmen informiere, bin ich mir leider sicher, dass ich zur Mehrheit gehöre.

Nun könnten wir die Kuriere darauf hoffen und warten lassen, dass der Gesetzgeber wirksam gegen solche ausbeuterischen Geschäftspraktiken vorgeht oder sich die Machtpositionen so verschieben, dass die Kuriere selber bessere Konditionen durchsetzen können.

Kurz- bis mittelfristig sehe ich aber weder das Eine noch das Andere am gesellschaftlich-politischen Horizont, weshalb ich an uns - die Empfänger der jährlich 3,3 Milliarden Pakete - appelliere: lassen wir es zu einem neuen Standard werden, jedem Kurier pro Lieferung ein Trinkgeld zu geben!

Ich bin der Überzeugung, dass sich fast alle Empfänger einen Betrag von 20 Cent leisten können - für den Regelfall halte ich ein Trinkgeld zwischen 50 Cent und einem Euro für möglich und angemessen. Für die Poststelle im Unternehmen schlage ich vor, eine Trinkgeldkasse aufzustellen, in die das Unternehmen und/oder die Angestellten spenden.

Bei 120 Stopps pro Tag würden sich realistische Zusatzeinnahmen zwischen 25 und 50 Euro pro vollem Arbeitstag ergeben. Ein Betrag, der sich wirksam der Ausbeutung der Kurierfahrer und einer zunehmenden Schieflage in unserer Gesellschaft - Armut trotz Arbeit - entgegenstellen würde!



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