Für das Recht zu kochen, Besuche zu empfangen und die Zimmer abzuschließen!

Für das Recht zu kochen, Besuche zu empfangen und die Zimmer abzuschließen!

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Der AUFRUF dazu (dt): https://www.aktionbleiberecht.de/blog/wp-content/uploads/2022/04/2022-04-16_Aufruf-Kommunale-Aufnahme.pdf

Der AUFRUF dazu (engl): https://www.aktionbleiberecht.de/blog/wp-content/uploads/2022/04/No-one-flees-without-a-reason-Aufurf-English.pdf

Offener Brief an das Regierungspräsidium Freiburg & die Stadt Freiburg

Sehr geehrte Frau Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer,
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Martin Horn,

die Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) Freiburg ist kein guter Ort zum Ankommen. Die LEAs in ihrer jetzigen Form sind Ausdruck einer Asylpolitik, die auf Isolation und Abschreckung gepolt ist. Die dadurch entstehenden Missstände haben sich durch die aktuelle Fluchtbewegung aus der Ukraine verschärft. In der LEA gibt es kaum Privatsphäre, keine Möglichkeit zur Selbstversorgung und der Kontakt in die Stadtgesellschaft ist extrem erschwert. Das Regierungspräsidium (RP) besitzt eine Generalvollmacht zur Ausgestaltung der LEA. Aus diesem Grund wenden wir uns zusammen mit den Bewohner*innen in diesem Brief mit folgenden Forderungen an Sie:

1. Abschließbare Zimmer in der LEA
2. Sofortige Einrichtung von Besuchszeiten
3. Sofortige Einrichtung von Kochmöglichkeiten

Wir fordern die Stadt Freiburg auf, die vertragliche Möglichkeit einer Intervention (jour fixe) zu nutzen und sich dahingehend einzusetzen, dass in der LEA Freiburg Grundrechte und internationale Abkommen eingehalten werden und unsere Forderungen umgesetzt werden.

Abschließbare Zimmer
Die Zimmer in der LEA sind für die Geflüchteten nicht abschließbar. Neben den täglichen anlasslosen Zimmerkontrollen, die mittlerweile vom VGH Mannheim für rechtswidrig erklärt wurden, sorgt dies dafür, dass keine wirkliche Privatsphäre entstehen kann – und das obwohl Geflüchtete eigentlich dringend einen Ort der Ruhe bräuchten. Seit Jahren gibt es Kritik an diesem Missstand und seit 2018 verspricht das RP eine Einführung eines Schließsystems. Das ist nicht weiter hinnehmbar. Wir fordern Sie auf, umgehend Schritte zur Inbetriebnahme eines Schließsystems einzuleiten – auch Geflüchtete haben das Recht auf Privatsphäre.

Besuchszeiten
In der LEA herrscht ein faktisches Besuchsverbot. Neben der Verhinderung von sozialem Umgang erschwert dies die Arbeit zivilgesellschaftlicher Gruppen massiv. Dies begründet das RP mit der „Sicherheit“ der Bewohner*innen. Wie der VGH festgestellt hat, fallen Zimmer in LEAs unter das Grundrech auf Unverletzlichkeit der Wohnung (Art. 13 GG) – somit steht den Bewohner*innen auch das Recht zu, Besuch zu empfangen. Wir fordern Sie auf, umgehend Besuchszeiten einzurichten – die Isolation der Geflüchteten muss ein Ende haben.

Kochmöglichkeiten
Die Bewohner*innen haben kein Verständnis dafür, dass sie in der LEA Freiburg keine Möglichkeit einer selbstbestimmten Essenszubereitung haben. Tatsächlich gibt es keine Legitimation und kein Gesetz, dass Menschen ein selbstständiges Kochen verbietet – auch nicht in der LEA Freiburg. Das Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) sieht zwar eine Sachleistungsversorgung vor, von einem Kochverbot ist nicht die Rede. Das Kochverbot ist wohl einem strukturellen Problem der Einrichtung selbst geschuldet. Das ist nicht haltbar. Die Bedeutung der Nahrungszubereitung und Nahrungsaufnahme wird selbst in Familienberichten der Bundesregierungen als eine „prägende Aktivität“ und als „gesundheitlich sehr relevant“ eingestuft. (Drucksache 12/7560, S. 251-252).

Das RP legitimiert das Kochverbot mit Brandschutz-Vorgaben. Dieses Argument läuft ins Leere, denn mit den Vorgaben des Brandschutzes können keine Eingriffe in elementare Grundrechte begründet werden. Zudem ist bekannt, dass sich auf einzelnen Etagen bereits Küchen befinden, bzw. schnell eingebaut werden könnten.

Nach geltenden Gesetzen sollen Einzelpersonen bis zu 18 Monaten und Familien mit Kindern bis zu 6 Monaten in der LEA Freiburg mit der Sachleistungsversorgung und damit dem Kochverbot leben. Das widerspricht einem Rechtsgutachten, das die Stadt Freiburg 2003 in Auftrag gegeben hat. Danach stellt eine Sachleistungsgewährung über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten eine unzulässige Diskriminierung im Sinne des Grundgesetzes dar (z.B. Gleichbehandlungsgrundsatz Art. 3 GG, persönliche Handlungsfreiheit Art. 2 GG). Auch laut UN-Sozialpakt hat das Recht auf Nahrung einen hohen Stellenwert. 2010 hat sich das Bundesverfassungsgericht darauf bezogen. Eine ausschließliche Ernährung
durch eine Cateringfirma widerspricht diesem Abkommen.

Wir fordern Sie daher auf, die selbstbestimmte Essenszubereitung in der LEA zu ermöglichen.

In Erwartung einer baldigen Antwort und mit freundlichen Grüßen

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Open Letter in english:

Open Letter to the Freiburg Regierungspräsidium (Regional Council) & the City of Freiburg

Dear President of the Regierungspräsidium Bärbel Schäfer,
Dear City Mayor Martin Horn,

The initial reception centre (LEA) in Freiburg is not a good place to arrive. The LEAs in their current form are an expression of an asylum policy that is geared towards isolation and deterrence. The resulting grievances have been exacerbated by the current movement of  efugees from Ukraine. In the LEA there is hardly any privacy, no possibility of self-sufficiency and contact with the city society is extremely difficult. The Regierungspräsidium Council (RP) has a general power of attorney to organise the LEA. For this reason, together with the residents, we are addressing you in this letter with  the following demands:

1. lockable rooms in the LEA
2. immediate establishment of visiting hours
3. immediate installation of cooking facilities

We call upon the city of Freiburg to use the contractual possibility of an intervention (jour fixe) and to ensure that fundamental rights and international agreements are respected in the Freiburg LEA and that our demands are implemented.

Lockable rooms
The rooms in the LEA are not lockable for the refugees. In addition to the daily unannounced room controls which have now been declared illegal by the VGH Mannheim, this ensures that no real privacy can develop - even though refugees urgently need a place of safety and calm. This ensures that no real privacy can develop - even though refugees urgently need a place of peace and quiet. There has been criticism of this deplorable state of affairs for years, and since 2018 the RP has promised to introduce a locking system. This is no longer acceptable. We urge you to take immediate steps to put a locking system into operation - refugees also have the right to privacy.

Visiting hours
In the LEA there is a de facto ban on visits. In addition to preventing social interaction, this massively impedes the work of civil society groups. The RP justifies this with the "safety" of the residents. As the VGH has stated, rooms in LEAs fall under the fundamental right to inviolability of the home (Art. 13 GG) - thus the residents also have the right to receive visitors. We urge you to immediately establish visiting hours - the isolation of the refugees must come to an end.

Cooking facilities
The residents have no understanding for the fact that they have no possibility to prepare their own meals in the LEA Freiburg. In fact, there is no legitimisation and no law that prohibits people from cooking for themselves - not even in the Freiburg LEA. The Asylum Seekers' Benefits Act (AsylbLG) provides for benefits in kind, but there is no mention of a ban on cooking. The cooking ban is probably due to a structural problem of the facility itself. The is not acceptable. The importance of preparing and eating food is classified as a "formative activity" and "very relevant to health" even in the family reports of the federal governments (Printed Paper 12/7560, pp. 251-252).

The RP legitimises the cooking ban with fire safety requirements. This argument is futile, because fire safety regulations cannot be used to justify encroachments on elementary fundamental rights. Moreover, it is known that kitchens are already installed on some floors, or could quickly be installed. According to current laws, individuals are to live in the Freiburg LEA for up to 18 months and families with children for up to 6 months with the provision in kind and thus the cooking ban. This contradicts a legal opinion commissioned by the city of Freiburg in 2003. According to this opinion, the provision of benefits in kind for a period of more than three months constitutes inadmissible discrimination in the sense of the Basic Law (e.g. principle of equal treatment Art. 3 GG, personal freedom of action Art. 2 GG). According to the UN Social Covenant, the right to food also has a high priority. In 2010, the Federal Constitutional Court referred to this. Exclusive feeding by a catering company contradicts this agreement.

We therefore call on you to allow self-determined food preparation in the LEA.

Expecting a reply soon and with kind regards

 

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