ABRISSKIRCHEN STOPPEN! WER KULTUR ZERSTÖRT, ZERSTÖRT AUCH MENSCHEN

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Von der Stadtentwicklung zu neuen Stadt-Löchern.
Die ev. Gemeinde Osterfeld (Oberhausen) breitet sich um 1900 in der Fläche aus - als umfangreiche städtische Infrastruktur. Mit der Arbeit von Generationen. Jetzt zerstört die Kirchen-Leitung dies in wenigen Jahren. Pastoren und Presbyter haben unterbewusst  immer noch den Weltkrieg im Kopf, sitzen im Sessel vor Kriegs-Zerstörungen und kommen nicht auf die Idee, daß die eigenen Zerstörungen aus ähnlicher Mentalität stammen.

Wer macht sich klar, was  der Vorfahre Bonifazius tat, als er mit der Axt den heiligsten Baum der „Heiden,“ also der Andersgläubigen, vernichtete. Einer der zynischen Zerstörern der Menschheit. Dies wurde durch die Jahrhunderte als „in Ordnung“ hingenommen - ein gigantisches Verbrechen! Man stelle sich vor:  in St. Peter in Rom oder in der Wittenberger Schloß-Kirche würde jemand mit einer Bombe  „abreißen.“

 Im Weltkrieg wurden immense Stadt-Bereich zerstört. Das hörte 1945 nicht auf, sondern lief mental und in etwas anderen Weisen weiter. Josef Lehmbrock: „Was der Krieg nicht zerstört hat, zerstört die sogenannte  Sanierung.“ Was ist der Kern dieser Mentalität?  In der Industrie-Epoche entstand die Ideologie des Verwertungs-Denkens, der Neoliberalismus verstärkte  sie. Die Manie des Verwertens um jeden Preis  geht seit einiger Zeit auch in Kirchen um. Wegwerf-Gesellschaft!

 Die Kunstgeschichte liefert ihnen dazu die Ideologie: Das 19, Jahrhundert sei nichts wert. Völlig unwissenschaftlich! Die Kunstgeschichte  kann mit weitesten Teilen des Bestandes nicht umgehen. Entsprechend debil folgt die Denkmalpflege. Viele Kirchen-Bauten haben heute keine hauptamtliche  personelle Besetzung. Dies gibt es jedoch seit Jahrhunderten. Erst seit kurzer Zeit kam man auf den verwegenen  Gedanken, die Existenz eines Kirchen-Gebäudes mit einer Personal-Position zu verbinden.

 Ich sah es als visionäre Aufgabe an, beide Konfessionen zu provozieren: sie aus diesem Gefängnis der Nützlichkeits-Ideologie heraus zu holen. Mein Aufruf: Stehen lassen! Meine Argumente: Man darf die Erinnerung, die sich an den konkreten Ort bindet,  nicht zunichte machen. Am Geschehen waren viele Menschen beteiligt. Mit Herzblut. Auch mit dem Scherflein der armen Witwe. Die Räume nahmen teil am Leben der Vorfahren.Hinweis: Es gibt auch Haltung. Italien hat Millionen Kirchen, die keinen Pfarrer haben, oft nie hatten. In Italien wird keine einzige Kirche abgerissen. - Deutsches Abreissen? „Kein Pfarrer – kein Bau!“ - gedankenlos.

 In Oberhausen gibt es an der Teutoburger Straße 2010 eine kleine Kirche und das Gemeinde-Haus. Wer diesen Ort zerstört, liefert ein erbärmliches Stück an pseudo-rationalem Vandalismus: Er reduziert den historisch aufgeladenen Ort zu einer betriebswirtschaftlich verkäuflichen Liegenschaft.  Und verliert damit auch eigene Würde. Kirchen-Leitung als Liegenschafts-Handel! Martin Luther attackierte die Mentalität, alles und jedes dem Geld auszuliefern.

Wir leben mit vielem, was nicht verwertbar  ist. Abreißen ist Respektlosigkeit gegenüber  den Vorgänger-Generationen.  Die Gemeinde ist kein Eigentümer, sondern Treuhänder der Generationen-Geschichte. Merkt sie nicht, daß sie mit der Zerstörung des Gedächtnisses auch Zukunft zerstört. Denn Bauten erzählen in Stein gesetzte  Geschichten für heute und morgen.Abriß ist Gewalttätigkeit. Mangel an Flexibilität. Phantasielosigkeit. Banales Verwertungs-Interesse. Aber Kirchen dürfen keine Firmen sein. Die DDR hätte  alle Kirchen abreißen können. Aber sie machte es nicht. Verkehrte Welt: Jetzt reißen kirchliche Leute selber Kirchen ab. Nach deren Kriterien gäbe es im Osten kaum mehr eine Kirche. Aber es gibt sie. Die DDR mochte sie nicht,  aber hat sie nicht abgerissen. Das tun in der BRD (nicht im Osten) jetzt Presbyter und Pastoren. Dies ist ein Aufruf: zum Umdenken und Weiter-Denken?

Dank an die Frau, die Widerstand leistet: Sie hat ihre Wohnung im Dachgeschoß bei Melanchthon, versprochen auf Dauer – jetzt droht der Bruch des Versprechens. Zynisch, Unchristlich. Inhuman. Das Mietrecht kann sie und damit das Haus sichern  – wenn es rechtlich  korrekt zugeht. Dies liegt nun vor Gericht. Die Kirchenleitung will die Bewohnerin  rausklagen – eine unsinnige Gewalt-Tat. Der Kirchen-Anwalt ist Presbyter. Aber man kann um die Kirche und um das Gemeindehaus, das den Namen des größten protestantischen Gelehrten, Philipp Melanchthon, trägt, drum herum bauen. Bestand mit Respekt  integrieren. Dies ist attraktiv. Weil es mehrschichtig ist. Etwas erzählen kann.So etwas gibt es tausend Male in der BRD. Respektvoll erhalten und interessant weiter entwickeln.

 Nach Denkmalgesetz NW muß die Stadt das Gebäude als „historischer Ort“ eintragen: Es ist das einzige Gebäude in der BRD, das in der Zeit der „Bekennenden Kirche“ (1934 ff.) gebaut wurde. Städtebaulich an wichtiger Stelle - auch dafür ist Verantwortung gefragt. Für die Gewährung des Baurechts ist der Rat der Stadt zuständig.Er mache dies bitte umsichtig und so, daß sich dieser Ort auch in Zukunft sehen lassen kann. Wozu gibt es eine Gestaltungs-Kommission? Abriß ist auch ökologischer Unsinn – dem entgegen zu treten sind, alle Parteien aufgerufen.

 Prof, Dr, habil Roland Günter, „Blaues Haus Eisenheim. Sokrates Universität.“ Wesselkampstraße 37, 46 117 Oberhausen. Konfessionslos. Dennoch führt er den Kampf um die Kultur-Güter der Konfessionen - seit vielen Jahren. Wissenschaftlich. Publizistisch. Als Bürgerinitiative. Als langjähriger Werkbund-Vorsitzender. Mit vielen Erfolgen. Oft besannen sich Kirchenleitungen und Politik und veränderten  mit Phantasie ihre Absichten. Wir provozieren dies auch hier.