Sofortige Öffnung der Schulen, der KiTas und der Kindertagespflege in BaWü

Sofortige Öffnung der Schulen, der KiTas und der Kindertagespflege in BaWü

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Kultusministerin Eisenmann trägt die Bildung in Baden-Württemberg zu Grabe!

Sofortige Öffnung der Schulen, der Kindertagesstätten und der Kindertagespflege für alle Kinder!

Sicherheitsmaßnahmen für Risikogruppen statt Grundrechtseingriff bei den jüngsten Mitgliedern unserer Gesellschaft!

Eine Petition von Katrin Fuchs, Annika Klotz und Verena Röhm aus Singen (Hohentwiel).

Alle Kinder sind systemrelevant! Auch wenn Solidarität, Schutz und Fürsorge für Risikogruppen wichtig und richtig sind, so verdienen auch die jüngsten Mitglieder unserer Gesellschaft Solidarität, Schutz und Fürsorge. Die Einschränkungen des Rechts auf Bildung und die soziale Isolation aufgrund von Schul- und KiTa-Schließungen sowie die daraus resultierenden finanziellen Verluste der Sorgeberechtigten stehen in keinem Verhältnis zu den Lockerungen und Ausnahmeregelungen für andere Personengruppen und für Teile des Wirtschaftslebens.

Aktuelle Erkenntnisse über die Rolle von Kindern und Jugendlichen bei der Verbreitung der Covid-19 Pandemie sind laut Aussage der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI), der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) und dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) ausreichend, um die KiTa- und Schulschließungen ab sofort unter Einhaltung konkreter Hygieneregeln zu beenden.[1]

1.     Das Recht auf Bildung darf in Deutschland nicht länger ausgesetzt werden! Artikel 28 der UN-Kinderrechtskonvention postuliert, dass Kinder ein Recht auf Bildung haben. Durch die Schließung der Schulen wird dieses Recht seit nunmehr fast 10 Wochen insbesondere für junge Schülerinnen und Schüler, die besonders auf die Unterstützung und Anleitung durch Lehrkräfte angewiesen sind, massiv eingeschränkt. Lernen geschieht in Gruppen, im sozialen Miteinander, in der Auseinandersetzung über einen Lerngegenstand mit anderen Kindern und den Pädagog*innen.

Wir fordern:

·       Da das Schulsystem in Baden-Württemberg weder technisch noch inhaltlich darauf vorbereitet ist, einen online-gestützten Fernunterricht anzubieten, muss insbesondere für Schülerinnen und Schüler der Grundschulen, aber auch für Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen, mit sofortiger Wirkung der Präsenzunterricht wieder eingeführt werden. Die Beaufsichtigung der Schulaufgaben durch die Sorgeberechtigten ersetzt keine pädagogische Anleitung.

·       Der Präsenzunterricht muss für alle Kinder an jedem Schultag stattfinden. Da sich jüngere Kinder nur eingeschränkt an die Hygieneregeln halten können, muss Baden-Württemberg dem sächsischen Modell[2] (ab 18.05.2020) bei der Öffnung der Grundschulen folgen. Die Klassen werden in ihrer regulären Klassenstärke unterrichtet, sind in ihrer Zusammensetzung fest und bleiben streng voneinander getrennt. Wenn sich ein Infektionsfall ereignet, muss so nur die betroffene Klasse in Quarantäne geschickt werden, während die übrigen Kinder weiter beschult werden können. Infektionsketten lassen sich auf diese Art und Weise vergleichsweise schnell nachvollziehen. Die Schulbesuchspflicht wird dabei eingeschränkt, so dass Sorgeberechtigte entscheiden können, ob ihre Kinder in der Schule oder zu Hause lernen.

·       Seit dem 11.05.2020 sind auch in einigen Schweizer Kantonen die Kindergärten, die Primarschulen sowie die Sekundarstufe I regulär geöffnet (bspw. in den Grenzkantonen Schaffhausen[3] und Thurgau[4]). Auch Dänemark sah sich bereits am 15.04.2020 im Stande, alle KiTa- und Schulkinder bis Klasse 5 in den Regelbetrieb zurückzuholen.[5] Trotz Öffnung der KiTas und Schulen gehen die Fallzahlen in Dänemark zurück.[6] Diese Beispiele beweisen, dass es möglich ist unter Berücksichtigung von Hygieneregeln zu einem Regelbetrieb zurückzukehren.

·       Wo eine Regelbetrieb unter Berücksichtigung von Hygieneregeln aufgrund von Personalmangel oder räumlichen Einschränkungen nicht möglich ist, müssen die Schulträger in Baden-Württemberg die Erlaubnis erhalten, angepasst an die räumlichen und personellen Gegebenheiten vor Ort, kreative Konzepte für die Beschulung aller Kinder an jedem Schultag zu entwickeln, die sich nicht ausschließlich auf die Fächer Deutsch und Mathematik beschränken. Der Kreativität dürfen dabei keine Grenzen gesetzt werden. So sollte der vorübergehende Einsatz von Referendarinnen und Referendaren geprüft werden oder die Durchführung von Projektunterricht/Projektwochen durch pädagogisch qualifiziertes Personal von Vereinen oder Museen.

·       Wünschenswert wäre der Mut, in dieser Krise unorthodoxe Lehr- und Lernerfahrungen zuzulassen. Wann, wenn nicht jetzt, wäre der richtige Zeitpunkt, um die Arbeitsblätter beiseite zu legen und stattdessen beispielsweise den Zyklus der Nahrungsmittelproduktion hautnah zu erleben – vom Anbau und dem Gedeihen der Erdbeeren auf dem Feld, über den Einfluss des Klimas auf das Wachstum der Pflanzen, bis hin zur Zubereitung der Marmelade, zur Preisgestaltung und zum Verkauf?[7]

2.     Der Rechtsanspruch auf frühkindliche Förderung in einer Tageseinrichtung oder Kindertagespflege nach SGB VIII §24 darf nicht länger ausgesetzt werden! „Die Kindertagesbetreuung ist ein Teil der öffentlichen Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur. Die Schließung der Kindertageseinrichtungen und der Kindertagespflege hat erhebliche Auswirkungen für die Entwicklung, Bildung und Erziehung aller Kinder, das Leben von Familien, die Berufstätigkeit von Müttern und Vätern sowie für die Volkswirtschaft insgesamt.“[8] KiTas sind Orte der frühkindlichen Bildung. Alle Kinder – unabhängig davon, ob ihre Sorgeberechtigten einer systemrelevanten Arbeit nachgehen oder nicht – haben einen Anspruch auf Bildung. Auch unter Kindswohlaspekten ist eine sofortige Öffnung der Einrichtungen für alle Kinder zwingend notwendig.[9]

Wir fordern:

·       Wie für die Schulen auch fordern wir die sofortige Öffnung der KiTas in Baden-Württemberg für alle Kinder im regulären Betreuungsumfang, basierend auf dem sächsischen Modell. Gleiches gilt für die Ganztagesbetreuung im Hort bzw. in der Grundschule und für die Ferienbetreuung in den Pfingst- und Sommerferien.

·       Auch für die KiTas gilt, dass bei personellen oder räumlichen Einschränkungen kreative Konzepte entwickelt werden müssen. Hier ist insbesondere die Verlegung der KiTa nach draußen – auf den Spielplatz, in den Wald, auf den Fußballplatz – zu nennen.

·       Für Familien, welche die KiTa-Betreuung nicht in Anspruch nehmen wollen oder können, beispielsweise weil die Kinder oder ihre Angehörigen einer Risikogruppe angehören, müssen privat-organisierte „Care-Share“ Modelle in festen Kleingruppen in Baden-Württemberg legalisiert werden, damit berufstätige Sorgeberechtigte zumindest teilweise ihrer Arbeit nachgehen können.

·       Außerdem müssen Sorgeberechtigte eine Verdienstausfallentschädigung für die gesamte Dauer der behördlich angeordneten Schließung in Anspruch nehmen können (auch tageweise oder halbtags). Die Entschädigungshöhe muss mindestens 80% des ausgefallenen Nettoverdienstes ohne monatliche Deckelung betragen. Daher fordern wir, dass das Infektionsschutzgesetz entsprechend angepasst wird (wobei festzuhalten ist, dass Home Office keine zumutbare Betreuungsmöglichkeit darstellt). Wir fordern die baden-württembergische Landesregierung auf, sich mit Vehemenz beim Bund für eine solche Anpassung des Infektionsschutzgesetztes einzusetzen.

3.     Aus der Krise für die Krise lernen – Digitalisierung der Schulen

Die Digitalisierung der Schulen in Baden-Württemberg muss zügig vorangetrieben werden. Wir schließen uns daher den Forderungen des Grundschulverbandes Baden-Württemberg (et.al.) an, eine 100%ige Grund‐Digitalisierung unserer Schulen bis zu den Sommerferien 2021 zu erreichen.[10] 

Diese Forderungen beinhalten, unter Berücksichtigung des Status quo der Einzelschule, die prioritäre Einrichtung einer grundlegenden digitalen schulischen Infrastruktur. Dazu gehören:

  • verbindliche Vereinbarungen mit den Schulträgern über Qualität und Geschwindigkeit einer Internetversorgung aller Schulen,
  • alltagstaugliche belastbare LAN- und WLAN-Struktur im Haus,
  • pädagogische Server.

„Digitale Mindeststandards müssen im Zusammenspiel mit den Schulakteuren für sämtliche Schularten (bzgl. Technik, Pädagogik, Didaktik, Aus‐ und Weiterbildung, etc.) entstehen und die jeweiligen Besonderheiten der schulischen Phasen Primarstufe, Sek I und Sek II sowie berufliche Aus‐ und Fortbildung adäquat berücksichtigen. 

Wir fordern mit Blick auf die Dringlichkeit, dass in der Vergangenheit in Schulversuchen bereits erprobte Techniken und Konzepte zügig in der Fläche umgesetzt werden. In einer möglichst kurzen zusätzlichen Erprobungsphase sind ggf. verschiedene Schularten, diverse Nutzungszeiten, sowie unterschiedliche Voraussetzungen von Lehrenden und Lernenden etc. zu berücksichtigen. Wir erwarten einen zeitnahen und umfassenden Roll‐out digitaler State‐of‐the‐art Ausstattung an allen baden‐württembergischen Schulen. Mehrjährige Schulversuche gefährden für dieses Vorhaben das Umsetzungstempo.“[11]

Bild von Innviertlerin auf Pixabay


[1]https://www.krankenhaushygiene.de/informationen/774
[2]https://www.jmwiarda.de/2020/05/14/die-kinder-d%C3%BCrfen-in-der-krise-nicht-unter-die-r%C3%A4der-kommen/?fbclid=IwAR1Kye7BQ_X7f7Pq9QzM4s8SsCPBkr38k-eY00xdFfw0HfYszuMBeqdc0p4; https://www.coronavirus.sachsen.de/eltern-lehrkraefte-erzieher-schueler-4144.html
[3]https://sh.ch/CMS/get/file/fdad6789-0cd6-4049-b7fa-1bfec5881886
[4]https://av.tg.ch/public/upload/assets/95793/DEK-Entscheid_4_Umsetzung_COVID-19-Verordnung_2_Teil_Volksschule_und_Privatschulen_vom_30.04.2020.pdf
[5]https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/lockerung-corona-daenemark-oeffnet-kitas-schulen-100.html
[6]https://upstat.de/corona-statistik-d%C3%A4nemark.html
[7]In Anlehnung an einen Vorschlag des Kinderarztes und Autors Herbert Renz Polster: https://www.kinder-verstehen.de/mein werk/blog/corona-zurueck-in-die-kita-oder-nicht/
[8]https://www.nifbe.de/images/nifbe/Aktuelles_Global/2020/stellungnahme_fachkr%C3%A4ftezoom__BSt.pdf
[9]https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/corona-krise-kindeswohl-100.html
[10]https://gsv-bw.de/wp-content/uploads/2020/04/Digitalisierungsinitiative_2020_6.pdf
[11]Ibid.



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