Mohrenapotheke Friedberg - der rassistische Name muss geändert werden!

Mohrenapotheke Friedberg - der rassistische Name muss geändert werden!

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Warum der Begriff „Mohr“ rassistisch ist.

Wir sehen sie immer noch, die Süßspeise in der Bäckerei um die Ecke, im Eiscafé, die Apotheke in unserer Heimatstadt. Der „Mohr“ ist breit aufgestellt. 

In der Diskussion darüber, dass es nicht okay ist, Süßspeisen oder Apotheken danach zu benennen, trifft man auch 2020 immer noch auf verdutzte Gesichter. Es heißt, es sei Tradition und ohnehin wäre die Figur um den schwarzen kleinen Mohren mit roten dicken Lippen und exotischer Tracht ja süß und ein Sympathieträger - gar Maskottchen. 

Wir können die Abwehrhaltung „Ich hab das eben so gelernt“ oder „Es heißt nunmal so seit hunderten von Jahren!“ nicht länger gelten lassen. Sprache und Macht gehen Hand in Hand. So hält auch die immer noch währende Nutzung des „Mohr“-Begriffs unserer Gesellschaft einen Spiegel vor das Gesicht. 

Um auf den Begriff des „Mohren“ zurückzukommen:
Vielleicht sollte man sich vorerst der Wortherkunft widmen. Der Begriff des „Mohren“ wurde im Laufe der Geschichte für verschiedene Bevölkerungsgruppen genutzt, eben für die „Anderen“. Etymologisch gesehen ist es zurückzuführen auf das griechische „moros“ (töricht, dumm) und das lateinische „maurus“ (schwarz, dunkel). Einzug ins Althochdeutsche fand es schließlich mit „mor“. 

Eine negative Konnotation des Wortes gab es jedoch seit jeher, denn es sollte Torheit und Andersheit markieren. Alte Redewendungen wie „So wie sich ein Mohr nicht weiß waschen lässt, so lässt sich auch mancher Tor nicht klug machen.“ bestätigen dies. 

Und nicht nur sprachlich stellt es ein Problem dar, oftmals sehen wir den schwarzen Menschen mithilfe von übertrieben dargestellten physiognomischen Kennzeichen zu einer Figur stilisiert, die sich durch ihre dicken, rot betonten, Lippen, übergroßen weißen Augen mit schwarzen Pupillen und deutlich ‚andersartiger’ Kleidung, zu einem „Maskottchen“ dargestellt. Die Erklärung und Problematik der Darstellung als Maskottchen erübrigt sich an dieser Stelle.

Zum Erhalt dieser Denkweisen haben natürlich auch westliche Filme und Literatur beigetragen. Und die weitere Nutzung von „Mohrenkopf“ oder „Mohrenapotheke“ führen diese Tradition fort und bestätigen das latente Bewusstsein von Alterität.

So werden „People of Color“ immer noch als Exoten, als das Andere, als Fremde/r dargestellt. Sind PoC immer noch so fremd in Deutschland? Ist das das Deutschland, von dem alle sprechen, bunt und vielfältig?
Wie soll das gehen, wenn immer noch sprachliche Erben des Kolonialismus unsere Sprache und Gesellschaft spalten? Spiegelt Sprache nicht auch unsere Wirklichkeit wider?

Und nein, es reicht nicht, dass man sogar einen Freund/ eine Freundin hat, der „ja auch schwarz ist“. Wir sind die Beschwichtigungen, Beschönigungen und Relativierungen leid, die in den Debatten um rassistische Sprache einhergehen. Außerdem: Wenn ein Mensch findet, dass ein Wort, ein Logo, ein Witz, ein Film, ein Song etc. rassistisch ist, dann ist das so. Es muss aufhören, hier auf Erklärung und Rechtfertigung oder gar Auferleben von Traumata durch das wiederholte Erzählen, „damit ein Nichtbetroffener es besser versteht“, zu pochen. 

Es sollte nicht mehr um Verteidigung gehen - vielmehr sollte man zuhören lernen und anfangen zu recherchieren und seine heißgeliebte Tradition anfangen zu hinterfragen. 

Zudem sei erwähnt, dass wir unseren MitbürgerInnen, die das Wort bisher nutzten, keine Böswilligkeit oder rassistisches Gedankengut unterstellen. Doch wer jetzt noch darauf besteht, sich dieser Sprache zu bedienen ist schlichtweg ignorant und verantwortlich für das Leid und die Ausgrenzung eines großen Teils Deutschlands.