Wir fordern mehr Nachhaltigkeit & Diversität für wissenschaftliche Konferenzen! (DE/EN...)

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Gemeinsam für mehr Nachhaltigkeit und Diversität im wissenschaftlichen Austausch

Die harten Einschnitte der Covid-19 Pandemie in unser Leben lassen sich schwer in Gänze bemessen. Trotzdem möchten wir hervorheben, dass das Virus auch die Form wissenschaftlicher Konferenzen im letzten Jahr verändert hat. Was können wir aus diesem Wandel für die Zukunft lernen?

Sicherlich wünschen sich die meisten Menschen ihr Leben vor der Pandemie zurück. Dennoch ist es vorstellbar, dass die politischen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie die Möglichkeit geschaffen haben, etablierte und nie hinterfragte Gewohnheiten neu zu bewerten.
So führte die reduzierte menschliche Mobilität und Aktivität zu einem weltweiten Rückgang der CO2-Emissionen [1, 2] und weniger Verschmutzung in vielen Gegenden der Welt [3-8].
Zudem wurde der wissenschaftliche Austausch diverser, da durch das virtuelle Format mehr Teilnehmer*innen und Beiträge an Konferenzen ermöglicht wurden, siehe z.B. [9].
Diese Fortschritte sind jedoch zaghaft und daher bleibt das Risiko eines starken Rebound-Effekts [10-13] und eines Rückfalls in alte Gewohnheiten, falls keine Anstrengungen unternommen werden, diese genannten positiven Entwicklungen aufrechtzuerhalten.
Aufgrund des großen Anteils der Pandemie an der Medienberichterstattung [14] ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Themen wie Klimawandel oder mangelnde Chancengleichheit aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt wurden; zu diesen Themen fehlt jedoch nach wie vor ein wesentlicher Beitrag durch globale politische Maßnahmen [15].
Währenddessen schrumpft unser Zeitfenster für einen solchen Wandel immer weiter [16,17].

Im Jahr 2021 fand zum ersten Mal in der Geschichte das „March Meeting“ der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft vollständig virtuell statt und unter diesen Umständen war unser Eindruck durchweg positiv.
Wir stimmen zu, dass eine virtuelle Konferenz niemals eine klassische Konferenz vor Ort in aller Fülle ersetzen kann; wie man von einem ersten Versuch erwarten konnte, traten kleinere technische und organisatorische Schwierigkeiten auf.
Nichtsdestotrotz hat das virtuelle „March Meeting“ das klare Zukunftspotential einer erfolgreichen wissenschaftlichen Konferenz jenseits der gängigen Praxis aufgezeigt.
Wir sind überzeugt, dass neue Ideen und Lösungen für die aktuellen Schwächen gefunden werden können, wenn man Online-Konferenzen nicht nur als kurzfristige Übergangslösung sondern auch als gleichwertige Alternative behandelt.
Ein sehr kreatives und progressives Beispiel ist der Einsatz von virtual reality auf der Neutrino2020 Konferenz.
Eine Änderung in des klassischen Konferenzmodells wird sogar noch drängender, wenn man die folgenden Punkte berücksichtigt:

  • Globale Erwärmung.  Internationale Konferenzen und Langstreckenflüge sind untrennbar miteinander verbunden und so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Wissenschaftler*innen ihr nachhaltiges CO2-Budget von 1,5 Tonnen pro Jahr während eines Rundflugs verbrauchen [18]. Im Gegensatz dazu reduziert eine Video-Konferenz die CO2-Emissionen um einen Faktor von mindestens 14 [19] und bis zu 3000 [20]. Selbst im schlechtesten Fall sind virtuelle Treffen ab einer Reisestrecke von 400km umweltfreundlicher als Treffen vor Ort [21]. Nachdem inzwischen alle Zweifel am menschengemachten Treibhauseffekt ausgeräumt sind [22]: Wie kann die wissenschaftliche Gemeinschaft einerseits zu Klimaschutzmaßnahmen aufrufen aber andererseits um den Erdball fliegen, nur um miteinander zu diskutieren? Dieser vermeidbare Widerspruch spielt Wissenschafts- und Klimaleugnern direkt in die Hände [23].
  • Gleichheit, Diversität, Inklusion. Reine Offline-Konferenzen können nicht dasselbe Maß an Diversität, Inklusion und Gleichheit garantieren wie Online-Konferenzen. Hierbei beziehen wir uns nicht nur auf monetäre Aspekte im Zusammenhang mit dem Wohlstand der einzelnen Institute sondern auch auf Work-Life-Balance und akademische Hierarchien.
  • Globale Gesundheitsrisiken und Biodiversität. Internationale Reisen und unser globalisiertes Leben haben das Risiko von neuen Zoonosen und die Verbreitung von Krankheiten im Allgemeinen erhöht [24-28]. Covid-19 ist nur das aktuellste Beispiel und es ist unvermeidbar, dass ähnliche Pandemien in Zukunft auftreten werden, falls wir unser Verhalten nicht grundsätzlich ändern.

Glücklicherweise wurde das Thema internationaler Konferenzen bereits stark diskutiert [29-35]. Als Alternative befürworten wir jede Option, bei der eine uneingeschränkt gleichwertige virtuelle Teilnahme möglich ist, d.h. alle Tutorien, Vorträge, Ausstellungen etc. sind online verfügbar.
Da bestimmte Aspekte von Konferenzen nicht virtuell umgesetzt werden können, schlagen wir eine hybride Lösung vor, in der die virtuelle Teilnahme von auswärtigen Teilnehmer*innen durch signifikant ermäßigte Teilnahmegebühren gefördert wird.
Solche neuen Formen des wissenschaftlichen Austauschs zu entwickeln wird sicherlich eine Herausforderung sein, wir sind aber überzeugt, dass die Vorzüge unbestreitbar sind: Lasst uns Teil der Bewegung sein, um mehr Verantwortung zu übernehmen und nachhaltige wissenschaftliche Konferenzen zu etablieren. Ein Wandel ist unvermeidbar und wir müssen jetzt aktiv werden.

Sei mit deiner Unterschrift Teil der Bewegung für mehr Nachhaltigkeit und Diversität im wissenschaftlichen Austausch.

Unterzeichnet von
Thomas Mertz, Oren Neumann, Nishtha Prakash, Arthur Scammell, Fabian Schubert, and Karim Zantout

 

Referenzen

  1. P. Friedlingstein et al., Earth System Science Data, 12(4):3269–3340,2020.
  2. C. Le Quéré et al., Nat. Clim. Chang., 10:647–653,2020.
  3. M. Adil Aman et al., Remote Sensing Applications: Society and Environment, 20:100382,2020.
  4. F. Dentener et al, Philosophical Transactions of the Royal Society A: Mathematical, Physical and EngineeringSciences, 378(2183):20200188, 2020.
  5. R. Dobson and S. Semple, Occupational and Environmental Medicine, 77(11):798–800, 2020.
  6. Z. S. Venter et al., Proceedings of the National Academy of Sciences, 117(32):18984–18990, 2020.
  7. A. P. Yunus et al., Science of The Total Environment, 731:139012, 2020.
  8. M. Mousazadeh et al., Environment, Developmentand Sustainability, 2021.
  9. D. Castelvecchi, Nature, 580(7805):574, 2020.
  10. M. Barreiro-Gen et al., Sustainability, 12(12), 2020.
  11. Environmental and Resource Economics, 76(4):447–517, 2020.
  12. B. Zheng et al., Science Advances, 6(49), 2020.
  13. IEA. Global Energy Review: CO2 Emissions in 2020, 2021.
  14. K. Krawczyk et al., medRxiv2020.12.24.20248813, 2020.
  15. S. Fuss, Oxford Research Encyclopedia of Climate Science, 2017.
  16. IPCC Special Report 2018.
  17. IEA. World Energy Outlook 2020, 2020.
  18. https://www.atmosfair.de/
  19. D. Ong et al., IEEE Online Conference onGreen Communications (GreenCom), pages 50–55, 2012.
  20. L. Burtscher et al., Nature Astronomy, 4(9):823–825, 2020.
  21. D. Ong et al., Computer Communications, 50:86–94,2014.
  22. R. J. Kramer et al., Geophysical Research Letters, 48(7):e2020GL091585, 2021.
  23. S. Z. Attari et al., Climatic Change, 138:325–338, 2016.
  24. H. Khalil et al., Scientific Reports, 6(1):31314, 2016.
  25. C. L. Faust et al., Ecology Letters, 21(4):471–483, 2018.
  26. S. Ahmed et al., Environment and Urbanization, 31(2):443–460, 2019.
  27. R. Gibb et al., Nature, 584(7821):398–402, 2020.
  28. S. Morand and C. Lajaunie, Frontiers in Veterinary Science, 8:661063, 2021.
  29. D. Spinellis and P. Louridas, PLOSONE, 8(6):1–8, 2013.
  30. J. Rosen, Nature, 546:565–567, 2017.
  31. Nature Microbiology, 4:1425–1425, 2019.
  32. M. Klöwer et al., Nature, 583:356–359, 2020.
  33. S. Sarabipour et al., Nature Human Behaviour, 5(3):296–300, 2021.
  34. J. N. Quinton, Nature Reviews Earth &Environment, 1(1):13–13, 2020.
  35. C. Woolston, Nature, 582:135–136, 2020.