Decision Maker Response

Katina Schubert’s response

Oct 28, 2020 — Der deutsche Kolonialismus war ein Verbrechen. Dieses Unrechtsregime hat weltweit Gesellschaftsstrukturen, Religionen und Kulturen zerstört, von europäischen Interessen bestimmte politische Grenzziehungen hervorgebracht und dabei auch Deutschland selbst und unsere Gesellschaft tiefgreifend geprägt. Die kolonialen Nachwirkungen sind bis heute spürbar, in Deutschland in Form von anhaltendem, institutionellem und strukturellem Rassismus, mangelnder erinnerungspolitischer Aufarbeitung - auch des ersten von Deutschland verübten Genozids an den Herero und Nama - in der schulischen, kulturellen und politischen Bildung und unzureichender Restitution geraubter Kunst- und Kulturgüter. Den Initiatorinnen der Petition ist beizupflichten, dass rassistischen und diskriminierenden Denkmustern und Strukturen so früh wie möglich entgegengewirkt werden muss. Da liegt noch ein langer Weg vor uns.

Berlin will sich seiner Verantwortung als ehemalige koloniale Metropole stellen. Aus diesem Grund hat der LINKE Kultursenator Klaus Lederer ein stadtweites Kulturprojekt aufgelegt, bestehend aus Ausstellungen, Konferenzen und Kulturveranstaltungen, die sich dieser Vergangenheit widmen sollen. Dies ist ein erster wichtiger Schritt hin zu einer Aufarbeitung, viele weitere müssen noch folgen. Zu diesen Schritten gehört auch, den deutschen Kolonialismus verpflichtend an Berliner Schulen zu unterrichten – bisher ist er lediglich ein Wahlmodul in Klasse 7/8 bzw. im zweiten oder dritten Kurshalbjahr der Oberstufe, jeweils im Fach Geschichte. Angesichts der tiefgreifenden Prägung unserer Gesellschaft durch den Kolonialismus gehört dieser aber tatsächlich nicht nur ins Fach Geschichte, sondern er muss umfassender in der Schule vorkommen, ebenso wie außereuropäische Kultur, Literatur und Geschichte. Ich unterstütze die Intention der Petition daher ausdrücklich.