Das Mahnmal der ermordeten Sinti & Roma bleibt!

Das Mahnmal der ermordeten Sinti & Roma bleibt!

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#dasdenkmalbleibt

Latscho Diewes liebe Sinti, Roma, und alle anderen Unterstützer.

Die Deutsche Bahn AG hat zugunsten ihres neuen Streckennetzes das Vorhaben ins Auge gefasst, das Mahnmal der ermordeten Sinti und Roma in Berlin-Tiergarten zu entfernen oder zu versetzen bzw. direkt darunter einen S-Bahn-Tunnel zu bauen oder die Gleise direkt neben das Mahnmal zu verlegen.

Dies finden wir, die Initiative Sinti-Roma-Pride in Anbetracht der Mitverantwortlichkeit der Deutschen Reichsbahn am Tod von Millionen Menschen einfach ignorant, pietätlos und absolut inakzeptabel.

Wir möchten mit dieser Petition darauf aufmerksam machen, dass dieses Vorhaben für die Gemeinschaft der Sinti und Roma, allen Angehörigen von Holocaust-Opfern und allen anderen Menschen mit verantwortungsbewusstsein der deutschen Geschichte gegenüber untragbar ist.

Bitte unterzeichnet und teilt daher zahlreich die Petition, damit diese Sache medial ins Bewusstsein der Verantwortlichen rückt und diese umdenken und einen anderen Weg finden, wie sie das S-Bahnnetz ausbauen.

Weiter unten findet ihr unseren offenen Brief adressiert an die Deutsche Bahn AG, dem Deutschen Bundestag und dem Land Berlin.

#dasdenkmalbleibt

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Sehr geehrte Damen und Herren der Deutschen Bahn AG, des Deutschen Bundestages und des Landes Berlin,

Mit Traurigkeit und Entsetzen haben wir am 22.05.2020 den TAZ-Artikel ‚Gedenken bleibt auf der Strecke (Roma-Mahnmal in Gefahr)‘ gelesen.
Auszug:


„Das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas im Tiergarten ist bedroht: Weil in einigen Jahren unter dieser Stelle in der Nähe des Reichstagsgebäudes der neue S-Bahn-Tunnel zwischen Hauptbahnhof und Potsdamer Platz gebaut werden soll, soll die Anlage nach den aktuellen Plänen der Deutschen Bahn AG temporär entfernt oder in Teilen gesperrt werden. Beim Zentralrat Deutscher Sinti und Roma stößt das auf Empörung und Widerstand...


…Die Lösung, die schließlich vom Bundestag, dem Land Berlin und der Deutschen Bahn AG vereinbart wurde, sieht vor, dass sich der Tunnel nach der Spree-Unterquerung in zwei Arme spaltet, die westlich und östlich am Parlamentsgebäude vorbeiführen. Südlich davon laufen sie wieder zusammen. Ab hier wird das Tunnelbauwerk in offener Bauweise fortgeführt – und hier steht seit 2012 das Mahnmal für die Sinti und Roma.“ (Link zum Artikel: https://taz.de/Roma-Mahnmal-in-Gefahr/!5684351/ )


Sehr geehrte Deutsche Bahn, Deutscher Bundestag und Land Berlin,
wir stellen Ihnen ernsthaft die Frage, ob das Holocaust-Mahnmal der Sinti und Roma für Sie wirklich so unbedeutend ist, dass Sie jetzt, nachdem Sinti und Roma jahrelang um dieses Mahnmal gekämpft haben, eine S-Bahn-Strecke genau durch diesen so wichtigen Ort des Gedenkens, Mahnens und der Trauer führen wollen und dafür scheinbar sogar die Entfernung des Mahnmals in Kauf nehmen.

Falls dem so ist, ist es ein Schlag ins Gesicht für alle Sinti, Roma und alle anderen Menschen, die im Holocaust Opfer waren, Familienangehörige verloren haben und deren Trauma sich bis in die Nachkriegsgenerationen weitervererbt hat.

Diese Ignoranz und Pietätlosigkeit finden wir in Anbetracht der unrühmlichen Rolle ihres Vorgänger-Unternehmens noch erschütternder. Schließlich ist es doch wohlbekannt, dass die Deutsche Reichsbahn die Deportationen von Juden, Sinti und Roma in KZs und damit den millionenfachen Massenmord an diesen durch das Schienennetz und der Verfügbarkeit von Eisenbahnzügen und die zahllosen reibungslos funktionierenden Beschäftigten der Deutschen Reichsbahn überhaupt erst möglich gemacht hat.


Wenn Sie wirklich zugunsten Ihres Profits als Bahnunternehmen mit dem Gedanken spielen, unser Mahnmal zu verändern oder zu beseitigen, weil es Ihnen im Weg steht, erinnern wir Sie daran, dass die Deutsche Reichsbahn maßgeblich an millionenfachem Mord an unschuldigen Männern, Frauen und Kindern beteiligt war.

 

Mag sein, dass die Deutsche Bahn AG sich heute davon distanziert, aber an dieser Tatsache ändert sich nichts. Auch nicht daran, dass die Deutsche Bahn AG die Einnahmen, die die Deutsche Reichsbahn durch die Deportationen von Juden, Sinti und Roma eingenommen hat, bis heute nicht an die Opfer zurückgezahlt hat. Hat Ihr Unternehmen außer einer Namensänderung denn sonst irgendeinen Beitrag geleistet, um für diese schwere Schuld Verantwortung zu übernehmen?


Wenn wir sehen, dass das Mahnmal an den ermordeten Sinti und Roma so unbedeutend ist, dass es überhaupt zur Debatte steht, dass dieses von Ihren Streckenplänen überhaupt berührt werden kann, scheinbar nicht.

Über 500.000 Roma und Sinti haben in den Konzentrations- und Arbeitslagern den Tod gefunden und ihre Angehörigen haben keine Gräber, an denen sie den Tod ihrer Menschen betrauern können. Können Sie das in Anbetracht der Vorgeschichte Ihres Unternehmens wirklich moralisch mit den heutigen Werten Ihres Unternehmens vereinbaren, uns einen der wenigen Trauerorte der deutschen Sinti- und Roma-Gemeinschaft zu nehmen?


Sinti und Roma  wurden in der NS-Zeit von der Deutschen Reichsbahn als Fahrgäste dritter Klasse in die KZ zwangsdeportiert. Opfer dritter Klasse sind wir deshalb nicht! Die Würde des Menschen gilt auch für uns. Eine Entfernung des Denkmals für eine neue Bahnstrecke entwürdigt das Gedenken an die Opfer des Holocausts. Wir wünschen übrigens auch keine Bahn unterm Denkmal!


Ohne die Opfergruppen gegeneinander aufzuwiegen möchten wir noch in den Raum werfen, dass dieses Vorhaben bei dem Mahnmal an den ermordeten Juden sicherlich nicht in Erwägung gezogen wurde, was uns zeigt, wie klein und unbedeutend das Mahnmal an den ermordeten Sinti und Roma für Sie wohl sein muss.


Deshalb fordern wir die Deutsche Bahn AG und das Land Berlin auf, unser Holocaustdenkmal für die über 500.000 ermordeten Roma und Sinti zu erhalten. Anstatt das Andenken an unseren Toten zu beschädigen, sollte in Anbetracht Ihrer Unternehmensvorgeschichte eher ein Beschluss gefasst werden, dass dieses Denkmal nie entfernt werden darf. Zu Ehren unserer Toten und jedem Angehörigen der Minderheit gegenüber und dies nicht nur uns als Sinti und Roma, sondern auch als deutsche Staatsbürger. Dazu stehen Sie alle mit Ihrer Vergangenheit in der Pflicht.


Falls Sie diese hochsensiblen Befindlichkeiten und die damit einhergehende Verantwortung uns und allen anderen Bahngästen gegenüber zu Gunsten des Streckenausbaus dennoch von sich weisen, sollten Sie sich darüber im Klaren sein, welches Signal Sie den Menschen auch international damit geben. Aus der eigenen unternehmerischen Vergangenheit gelernt zu haben, scheint dafür wohl nicht das entsprechende Zeichen zu sein.

Freundliche Grüße

Initiative Sinti-Roma-Pride

Verena Lehmann, Benjamin Harter, Julie Georg, Vojtech Gina, Esther Reinhardt-Bendel

#dasdenkmalbleibt