Wer unterrichtet morgen unsere Kinder?

Wer unterrichtet morgen unsere Kinder?

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Tobias Rank hat diese Petition an Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft – Frau Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen gestartet.

                         Wer unterrichtet morgen unsere Kinder?

                             Beste Ausbildung für beste Bildung:

Lehrkräfte aller Schulformen an der RWTH Aachen ausbilden.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

trotz zahlreicher Argumente für eine Erweiterung der Lehrerausbildung an der RWTH ist noch nichts passiert: Und das, obwohl es zu Beginn des letzten Jahres im Rahmen eines Runden Tisches, zu dem zweimal im Düsseldorfer Landtag eingeladen wurde, entsprechende Zusagen des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft (MKW) gab, im Jahr 2020 einen verbindlichen Zeitplan für die Wiedereinführung des Lehramtsstudienganges Grundschule und ggf. Sonderpädagogik vorzulegen bzw. zu prüfen. Abgeordnete aus der Region machen sich fraktionsübergreifend für dieses Thema stark. Elternverbände haben wegen der dramatischen Situation an den Grundschulen Alarm geschlagen. Experten befürworten die Wiedereinführung der Grundschulausbildung an der RWTH. Der VBE hat zudem mehrfach in den letzten Jahren auf die sich verschärfende Situation hingewiesen. Stand heute gibt es jedoch weder einen verbindlichen Zeitplan, geschweige denn ernsthafte Bemühungen endlich wieder Lehrkräfte aller Schulformen an der RWTH auszubilden. Nach Art. 8 der Landesverfassung des Landes NRW hat jedes Kind Anspruch auf Erziehung und Bildung. Während das Bildungsministerium und die Schulministerin die Notwendigkeit der Wiedereinführung der Grundschullehrerausbildung an der RWTH schon länger fordern, fehlt vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft noch die Zusagen, die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, obwohl die RWTH signalisiert hat, die Erweiterung der Studiengänge zu ermöglichen. Wir fordern daher eine verbindliche Zusage des Wissenschaftsministeriums, schnellstmöglich die notwendigen finanziellen Mittel zur Einrichtung aller Lehramtsstudiengänge an der RWTH Aachen bereitzustellen!

Begründung (kurz):

  • Die Region braucht den „Klebeeffekt“: Studierende bleiben oft an ihrem Ausbildungsort. Somit würden Aachen und die gesamte Region durch mehr ausgebildete Lehrkräfte und dadurch von einer besseren Bildung vor Ort profitieren.
  • Trotz aller Maßnahmen und Ideen seitens der Landesregierung: Seit Jahren können Stellen nicht besetzt werden: Es gibt faktisch keine Lehrkräfte, die sich in der Region Aachen bewerben. An den Grundschulen kann nur eine von vier Stellen besetzt werden. Weniger als 10% der Stellen können von ausgebildeten Lehrkräften besetzt werden.[1]
  • Schon jetzt leidet die StädteRegion unter dem Lehrkräftemangel: Zu große Klassen, Unterrichtsausfall und Personalmangel.
  • Die Lage wird sich verschlechtern: Die Anzahl der zukünftigen Pensionierungen in der Region ist höher als im Landesdurchschnitt. Hinzu kommt: In den nächsten Jahren werden 2000 Kinder mehr als bisher schulpflichtig. Diese Kinder benötigen sowohl in der Grundschule als auch in der Sekundarstufe ausgebildetes Personal.[2]
  • Aktuell hat die Städteregion die größten Probleme bei der Lehrkräfteversorgung in der Primarstufe. Perspektivisch wird aber eine ähnlich herausfordernde Situation in der Sekundarstufe I erwartet. Schon jetzt sind die Einstellungschancen für angehende Lehrkräfte in der Sekundarstufe I hervorragend, was im Umkehrschluss bedeutet, dass nicht ausreichend Lehrkräfte zur Verfügung stehen.[3]
  • Sowohl das Gebiet der StädteRegion Aachen als auch das räumlich größere Gebiet des Zweckverbandes Region Aachen unterfallen dem Strukturwandel. Gerade deshalb muss für die in der Region Aachen bereits lebenden Familien ein gutes Bildungsangebot zur Verfügung gestellt und weiter ausgebaut werden, als auch  neue Familien, die die Wissenschaftsregion Aachen in Zukunft bereichern werden, setzen eine gute (Grund-) Schulausbildung für ihre Kinder begriffsnotwendig voraus.

 

Begründung (ausführlich):

In der StädteRegion herrscht eine problematische Situation in der Schullandschaft. Trotz jahrelanger Warnungen u. a. des VBE wurde der Lehrkräftemangel nicht ernst genommen. Mittlerweile ist er Realität und spürbar in den Grundschulen, den Förderschulen und der Sekundarstufe I angekommen: Er belastet Lehrkräfte und Kinder. Selbst die Anordnung von Mehrarbeit und Abordnungen verhindern nicht mehr, dass Klassen zusammengelegt und zahlreiche Fördermaßnahmen gestrichen werden. Die Erweiterung der Lehramtsstudiengänge auf alle Schulformen vor Ort böte eine effektive Möglichkeit dem Lehrkräftemangel entgegenzuwirken.  

  • Schon jetzt ist der Mangel besonders an Grundschullehrkräften und Förderschullehrkräften dramatisch: drei von vier Stellen können nicht besetzt werden. Es gab noch nie so viele offene Stellen in der StädteRegion und es gab noch nie so wenige ausgebildete Lehrkräfte in der StädteRegion. Rein rechnerisch steht für über 500 Schülerinnen und Schüler (also ca. 30 Klassen) in der Grundschule keine (!) originär ausgebildete Lehrkraft zur Verfügung (Tendenz steigend). Darüber hinaus gibt es Kommunen in der Städteregion, in denen keine einzige Stelle mehr neu besetzt werden kann.
  • Der Mangel an Förderschullehrkräften betrifft nicht nur den Primarbereich. Auch in der Sekundarstufe I ist der Bedarf enorm. So kann Inklusion als gesamtgesellschaftliche Aufgabe in der StädteRegion nicht gelingen.  
  • Die Lage wird sich noch verschlechtern: Während landesweit „nur“ 25% der Lehrkräfte im Primarbereich in den nächsten 12 Jahren in den Ruhestand gehen, ist in der StädteRegion Aachen jede dritte Stelle betroffen. D.h. ca. 33 % der derzeitigen Lehrkräfte verlassen den Schuldienst. Damit ist die StädteRegion Aachen nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft deutlich stärker vom Lehrkräftemangel betroffen als der Landesdurchschnitt.[4]
  • Die beginnende Vergrößerung der Klassen ist bereits Realität[5]. Und das, obwohl die Schulaufsicht die Klassengröße aus pädagogischen Gründen auf 24 Kinder beschränken wollte.
  • Es gibt Grundschulen, an denen weniger als die Hälfte des Kollegiums über eine originäre Lehramtsausbildung verfügt. Damit fehlt es den Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern an Unterstützung und den Schulen an Möglichkeiten zur Weiterentwicklung mit ausreichend ausgebildetem Personal.
  • Für Universitäten ist es wenig attraktiv Lehramtsstudiengänge einzurichten (es lassen sich nur schwer Drittmittel generieren, d. h. Kooperationen mit der freien Wirtschaft sind oft schwierig), daher ist hier die Landesregierung gefragt. Die notwendigen Mittel müssen bereitgestellt und der Weg für eine angemessene frühkindliche Bildung in der Städteregion ermöglicht werden.
  • Auch die Sekundarstufe I kämpft bereits jetzt mit einem dramatischen Lehrkräftemangel. Die steigenden Schülerzahlen im Primarbereich werden sich spätestens nach 4 Jahren auch in der Sekundarstufe I auswirken. Das darf nicht zur Überraschung werden.
  • In zehn Jahren stehen nur noch ein Drittel der benötigten MINT Fachlehrkräfte in der Sekundarstufe I zur Verfügung. Wer wäre besser geeignet diese auszubilden als die einzige Exzellenzuniversität in NRW mit ihrem hervorragenden naturwissenschaftlichen Ruf?[6]

Das wichtigste Argument ergibt sich aus den oben beschriebenen Mängeln: Durch den so genannten Klebeeffekt stände in relativ kurzer Zeit ausreichend ausgebildetes Personal für die Region zur Verfügung. So könnten ab 2025 erste Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter für spürbare Entlastung sorgen und bereits davor könnten Studierende, die ins Praxissemester gehen, die Schulen unterstützen. Die zahlreichen Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger hätten die Möglichkeit sich bei einem entsprechenden Angebot weiterzubilden und könnten ggf. sogar ihr Lehramtsstudium vor Ort nachholen. Denn zahlreiche Rückmeldungen an den VBE Region Aachen zeigen: Viele Seiteneinsteigerinnern und Seiteneinsteiger bringen die Bereitschaft mit, das Studium nachzuholen, wenn es entsprechende Angebote vor Ort gäbe. Von all diesen Vorteilen würde nebenbei nicht nur die Städteregion Aachen, sondern auch der besonders betroffene Nachbarkreis Heinsberg, aber auch der Kreis Düren und der Kreis Euskirchen profitieren.

Es ist unerklärlich, warum sich die prekäre Situation des Lehrkräftemangels weiter ausdehnen kann und immer noch nicht gehandelt wurde. Jetzt muss etwas passieren! Die Erweiterung der Lehrkräfteausbildung bringt positive Effekte weit über den schulischen Bereich hinaus mit sich:

Die Attraktivität des Hochschulstandortes würde gestärkt. Die derzeitige Situation ist keine Werbung für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die hier arbeiten wollen. Mit dem Wissen, dass ihre Kinder im Vergleich zum Landesdurchschnitt in größeren Klassen unterrichtet werden, weniger Unterricht bekommen und es an ausgebildetem Personal fehlt, lässt sich keine Werbung als familienfreundlicher Standort machen.

Die Stärkung der Lehrkräfteausbildung in der StädteRegion würde perspektivisch darüber hinaus die grenzüberschreitend arbeitenden Euregio-Profilschulen weiter stärken und sogar die Möglichkeit einer „Zukunftsschule Europa“ eröffnen.[7] Zugleich bietet sich gerade im Primarbereich eine Vernetzung mit der naturwissenschaftlichen Ausrichtung der RWTH an. Die so erfolgreiche „Kinder-Uni“, die von der RWTH angeboten wird, würde von Studierenden aller Schulformen profitieren und es wäre kein reines „Lippenbekenntnis“ für die Kinder und Jugendlichen mehr.  

Wie bereits erwähnt, ist ein Lehramtsstudiengang aus mehreren Gründen für die Universität nicht attraktiv. Die dargelegte Notwendigkeit der Studiengänge macht aber deutlich, dass das Land hier aktiv werden muss, auch finanziell!

Die notwendigen Mittel müssen bereitgestellt werden, damit die erste Phase der Lehrerausbildung für das Grundschullehramt, die Lehrämter der Sekundarstufe I und der Sonderpädagogik endlich auf den Weg gebracht werden kann. 

Wir fordern daher mit dieser Petition die Landesregierung und insbesondere das Ministerium für Kultur und Wissenschaft auf, ihre Zusagen einzuhalten und endlich die notwendigen Schritte zu unternehmen, damit in Aachen wieder Lehrkräfte aller Schulformen ausgebildet werden.

Im Namen des Vorstandes für den VBE Region Aachen

Matthias Kürten (Vorsitzender)

Weitere Informationen auf www.vbe-ac.de

 



[1] Vgl. Lehrerausbildung für Primarstufe, Sekundarstufe I und Sonderpädagogik in Aachen wieder ermöglichen (interfraktioneller Antrag für die Sitzung des Städteregionsausschusses am 28.11.19) kurz: LPSSA vom 28.11.19
[2] Vgl. ebd.
[3] https://www.lehrer-werden.nrw/chancen/sekundarstufe-I
[4] Vgl. ebd.
[5] Vgl. Stellungnahme der Schulaufsicht zum Schulentwicklungsplan 2019-2024 der Stadt Aachen, Vorlage für die Sitzung des Schulausschusses vom 15.04.2020 Vorlage: FB45/0731/WP17
[6] Vgl. https://www.telekom-stiftung.de/presse/studie-mangel-mint-lehrkraeften-nrw-waechst-dramatisch
[7] So genannte Universitätsschulen oder Laborschulen verfügen oft über ein eigenes Profil und erfreuen sich in den Städten, wo es diese gibt größter Beliebtheit. Sie helfen die Entwicklung von Schule und Unterricht nach vorne zu bringen und strahlen als Leuchtturmprojekte in die ganze Region, indem z. B. Lehrkräfte dort hospitieren können, Fortbildungen angeboten werden etc.

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