Das Dilemma der Mohammed-Karikaturen – ein Pflichtthema an deutschen Schulen

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Das Dilemma der Mohammed-Karikaturen – ein Pflichtthema an deutschen Schulen

In großer Sorge um die wechselseitige Achtung von Meinungs- und Religionsfreiheit fordern die Unterzeichnenden, die sogenannten Mohammed-Karikaturen an allen deutschen Schulen pluralitäts- und religionssensibel zu thematisieren. Methodisch bedeutet dies u.a., dass die Betrachtung der Karikaturen optional, der gewaltfreie Diskurs im Zeichen der Anerkennung hingegen obligatorisch ist.

Dabei fühlen sich die Unterzeichner der sensiblen und verantwortungsvollen Abwägung verschiedener Kulturgüter ebenso verpflichtet wie der kategorischen Ablehnung jeglicher Art der Einschüchterung, Bedrohung und Diffamierung von Lehrkräften.

Die Forderung beruht auf den folgenden Überzeugungen:

1. Meinungs- und Religionsfreiheit sind zwei Seiten einer Medaille. Wer die eine Seite missachtet, zerstört sogleich die Grundlage der anderen.

2. Kritik ist ein Grundrecht, Pietät eine Tugend. Schule steht vor der Aufgabe, ein Bewusstsein für beides zu schaffen.

3. Konflikte der multikulturellen Gesellschaft können nur im zivilen Diskurs überwunden werden, der auf gegenseitiger Achtung und Anerkennung basiert. Dies findet im Lichte des friedlichen Miteinanders als ein hohes Gut einer humanen Gesellschaft statt.

4. Einschüchterung, Drohung und Gewalt sind aufs Schärfste zu verurteilen und in keiner Weise zu dulden. Gewalt diskreditiert sich selbst.

5. In einem subjekt- und lebensweltorientierten Unterricht muss pluralitäts- und religionssensibel thematisiert werden, was in der Gesellschaft umstritten ist. Gleichzeitig dient der Unterricht als „safe space“ der sachlichen Auseinandersetzung, und nicht als Schauplatz ideologischer Konfrontation.

6. In einer weltoffenen, religiös und weltanschaulich pluralistischen Gesellschaft wird der gewaltfreie Diskurs von Toleranz, Achtung und Anerkennung der Diversität von Wertvorstellungen und Lebensentwürfen im Rahmen der für alle geltenden Rechtsordnung getragen. In diesem Rahmen darf es nicht den geringsten Platz für Selbstjustiz geben.

7. Um mögliche Überforderung der Lehrkräfte zu vermeiden, wäre die Thematisierung des Dilemmas der Karikaturen in einem interdisziplinären oder interreligiösen Lernumfeld empfehlenswert.

8. Gegenseitige Anerkennung basiert sowohl auf der Wahrnehmung persönlicher Empfindungen oder Überzeugungen, als auch auf den reziproken und gleichen Freiheitsrechten für alle.

Die genannten Punkte erheben nicht den Anspruch, allen politischen, theologischen und fachdidaktischen Ebenen des Themas gerecht zu werden. Vielmehr geht es darum, einen Rahmen für nachfolgende Debatten zu umreißen.

Initiiert von:
Tarek Badawia (Professor für Islamische Religionspädagogik/Religionslehre) und Markus Tiedemann (Professur für Didaktik der Philosophie und für Ethik)