Lieber Jens Spahn: Corona-Infos auch in Gebärdensprache für Gehörlose!

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Christine Jegminat
Christine Jegminat hat diese Petition unterschrieben.

Wir sind gehörlos und auch unser Leben ist durch die Corona-Pandemie in Gefahr! Die Pressekonferenzen und TV-Sendungen der Bundesregierung zum Corona-Virus sind aber ohne Gebärdensprache, obwohl die Bundesregierung nach der UN-Behindertenrechtskonvention gesetzlich dazu verpflichtet ist. Das ist skandalös!

Fehlen Informationen in Gebärdensprache, so bedeutet es, dass Gehörlose und auch Schwerhörige, die auf Gebärdensprache angewiesen sind, schlecht bis gar nicht informiert sind über die akute Bedrohungslage. Wir haben ein Recht auf Informationen, Schutz- und Vorbereitungsmaßnahmen, Herr Gesundheitsminister Jens Spahn, liebes Robert-Koch-Institut und andere Entscheider*innen deutschlandweit! 

Wir fordern die Einbindung der Gebärdensprache direkt im Fernsehen! In fast allen anderen Ländern wie Österreich, Italien, Irland, Spanien, Amerika, Kuwait und vielen mehr sieht man den*die Gebärdensprachdolmetscher*in direkt neben den Entscheidungsträger*innen stehen. Das brauchen und wollen wir auch in Deutschland!

Gebärdensprache ist die Muttersprache der Mehrheit der Gehörlosen. Nur sie ist in der Lage Gehörlose vollumfänglich und in Echtzeit genau die gleichen Informationen wie Hörenden zu übermitteln! 

Wir fordern: 

  • Regierungserklärungen und Pressekonferenzen der Bundesregierung, Landesregierungen der Bundesländer sowie des Robert-Koch-Instituts mit Live-Verdolmetschung in Deutsche Gebärdensprache mittels Präsenzdolmetscher*innen für Deutsch und Deutsche Gebärdensprache im Fernsehen
  • Gebärdensprachdolmetscher-Einblendungen in allen Informationssendungen zum Corona-Virus im Fernsehen sowie Internet (bspw. Zusatzsendungen.) 
  • Tagesaktuelle Informationen zu Corona mit Gebärdensprache
    Übersetzung von schriftlichen Inhalten in Form von Gebärdensprachvideos (bspw. den Podcast des NDR mit dem Virologen Prof. Dr. Drosten)
  • Übersetzung von Videoclips zu Corona in Gebärdensprache (v.a. bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.)
  • Unverzügliche Bereitstellung von Videotelefonie mit Notfall-Dolmetscher*innen für Deutsch und Deutsche Gebärdensprache bei Fragen zu Kindergartenschliessungen, etc. 
  • ​Eigene zentrale Corona-Hotline für Gehörlose als barrierefreier Zugang zum Versorgungssystem bei bei Verdacht auf eine Infektion mit einem dafür vorgesehenen Videochat mit Gebärdensprache.
  • Sofortige Umsetzung von gängigen Vorschriften, Gesetzen, Aktionsplänen und Konventionen zur Barrierefreiheit für gehörlose Bürger und Bürgerinnen (Behindertengleichstellungsgesetz, UN-Behindertenrechtskonvention, Infektionsschutzgesetz, Artikel 3 Grundgesetz)

Kurz gesagt: Wir fordern unverzüglich ein Budget für sofortige Herstellung der Barrierefreiheit für Gehörlose/gebärdensprachkompetente Menschen in Krisen- und Katastrophensituationen.

Dieses barrierefreie Vorgehen muss auch für die nächsten Krisen/Katastrophen auf allen Ebenen fixiert werden: Bundes-, Landes- und Kommunalebene!

Bitte helfen Sie uns mit Ihrer Unterschrift. Wir wollen und müssen uns und unser, auch hörendes, Umfeld - genau wie alle anderen - schützen und informieren können!

Vielen Dank! 
Katja Fischer, Sabine Heinecke und Julia Probst

In Kooperation mit:

Deutscher Gehörlosenbund e.V. mit seinen Landesverbänden

Prof. Dr. Christian Rathmann

Übersetzung in Deutsche Gebärdensprache: https://youtu.be/7LMQ36oMLPs

 



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Hintergrund: Schriftsprache ist wie eine Fremdsprache für Gehörlose. Die Wiedergabe der akustischen Infos in Schriftsprache wie über Untertitel ist für schriftkompetente Menschen geeignet, dazu zählen Schwerhörige und ein minimaler Bruchteil der Gehörlosen! Aber Untertitel geben auch nicht 100% der Informationen wieder, sie sind oft stark verkürzt und vereinfacht.

Die Mehrheit der Gehörlosen hat Deutsch in Wort und Schrift nicht als Erstsprache. Es gibt für sie schriftlich nicht die Möglichkeit an die gleichen Informationen zu kommen. Der Weg der selbstverständlichen Verwendung der Laut- und Schriftsprache auf dem Niveau von hörenden Menschen gelingt nur einem sehr minimalen Bruchteil der gehörlosen Menschen.

Hörende Menschen erlernen Sprache über das Gehör, wodurch sich bei ihnen ein natürlicher Spracherwerb der Muttersprache in Laut- und Schriftsprache entwickelt. Der Erwerb der Sprachfertigkeit und Kompetenz entwickelt durch das Leben in einer akustisch geprägten Welt, es wird selbstverständlich im Vorbeigehen “gelernt.” 

Bei gehörlosen Menschen jedoch ist dieser Weg des Spracherwerb nicht gegeben durch das fehlende/schlechte Gehör, so dass die Schriftsprache für die meisten Gehörlosen eine Fremdsprache bleibt, weswegen die Mehrheit der Gehörlosen nicht das gleiche Lese-und Textverständnis erreichen wie hörende Menschen. 

Linguistisch ist die Gebärdensprache eine eigenständige, visuell wahrnehmbare und natürliche Sprache, welche mit dem Behindertengleichstellungsgesetz 2002 als rechtlich eigenständige Sprache anerkannt wurde. Außerdem hat Deutschland 2009 die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert und sich damit zu Barrierefreiheit in allen Bereichen verpflichtet.

Das Fehlen von Corona-Informationen in Gebärdensprache ist ein untragbarer Zustand!

Aufgrund der gesetzlichen Lage fordern wir die Bundesregierung nachdrücklich auf die UN-Behindertenrechtskonvention zu befolgen, denn dort heißt es in Artikel 21: „Recht der freien Meinungsäußerung, Meinungsfreiheit und Zugang zu Informationen!“

Artikel 3 Grundgesetz: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“