Aufnahme der deutschen Kolonialgeschichte & Anti-Rassismus-Training an sächsischen Schulen

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Deutschlands Rassismusproblem beginnt nicht erst bei Polizeigewalt, sondern in den Köpfen! Um rassistische Gesellschaftstrukturen in Deutschland aufzubrechen, ist rassismuskritische Bildungsarbeit unabdingbar. 

Mein Bruder und ich haben uns entschieden diese Petition zu starten, nachdem wir das Thema Alltagsrassismus an seiner Schule angesprochen haben und nun gemeinsam nach einem Weg suchen, dass Lehren der deutschen Kolonialgeschichte und Anti-Rassismus-Training für Lehrer*innen und Schüler*innen an sächsische Schulen zu bringen. 

Wir beide sind Kinder einer ehemaligen vietnamesischen Vertragsarbeiterin und nennen Dresden unsere Heimat. Uns Geschwister trennen 12 Jahre, doch einige Erfahrungen sind in unser beider Lebensläufe gleich. 

Wir leben in einer Gesellschaft, die rassistisch sozialisiert ist. Als mein Bruder mir seine persönlichen rassistischen Schulsituationen anvertraute, habe ich zunächst versucht, sie kleinzureden und nach Interpretationsmöglichkeiten gesucht, die das Problem schmälern. Vielleicht, um das Thema zu meiden, oder vielleicht auch, weil ich es nicht wahrhaben wollte. Ich wusste nicht besser mit der Situation umzugehen. 

Heute weiß ich, dass Rassismus nicht nur in aktiver Form existiert. Rassismus zeigt sich alltäglich in unbedacht benutzen Worten und gut gemeinten unsensiblen Handlungen. Um zu verdeutlichen, was damit gemeint ist, werde ich ein paar konkrete Beispiele nennen: 

Mein Bruder wurde konstant mit einem anderen asiatisch-deutschen Schüler aus der Parallelklasse verwechselt. 

Der zweite Vorname meines Bruders ist vietnamesisch. Ein Lehrer hat ihn konstant mit komischen Variationen des zweiten Vornamens angesprochen, obwohl dieser mehrfach darum gebeten wurde, ihn wie alle anderen mit Ben anzusprechen.

Eine Aufforderung: 
Ihm wird alleinig DaZ-Unterricht (Deutsch als Zweitsprache) empfohlen, obwohl Deutsch seine Muttersprache ist und er gute Noten im Fach Deutsch vorweist.

Meinem Bruder und einer weiteren vietdeutschen Mitschülerin wird bei der Rückgabe der Deutschklausur laut gesagt: "Bei euch beiden hätte ich nicht gedacht, dass ihr das Thema verstanden habt."

Für manche klingen diese Situationen vielleicht harmlos und sie werden als Einzelfälle abgespeichert. Doch diese Einzelfälle häufen sich für uns Deutsche mit Migrationshintergrund. Wir können uns nie sicher sein, ob diese Einzelfälle passieren, weil jemand uns einfach nicht mag, rassistisch ist oder unbewusst rassistisch handelt.

Diese kleinen Einzelfälle (Mikroagressionen) häufen sich wie kleine Mückenstiche und einer davon lässt sich ertragen, ab einer gewissen Menge wird es nervig und bei täglicher, ständiger Wiederholung ist es eine große psychische Belastung, die auch körperlich fühlbar wird. 

Eine solche Situation gibt meinem Bruder, wie vielen anderen Deutschen mit Migrationshintergrund auch das Gefühl, nicht hierher zu gehören. Das verletzt, denn Deutschland ist unsere Heimat. Es grenzt aus und suggeriert, dass wir anders sind und keinen Platz in Deutschland haben.

Rassistisches Denken ist Jahrhunderte alt und viele dieser Gedankengänge werden heute noch (unbewusst) reproduziert. 

Dies anzuerkennen und sich in Zukunft dem entgegenzusetzen ist etwas, was wir alle aktiv tun können für ein besseres Zusammenleben und eine bessere Zukunft aller. Denn "Es reicht nicht aus, 'kein Rassist' zu sein. Wir müssen Antirassisten sein!" (Bundespräsident Steinmeier) 

Mit dieser Petition fordern wir:

  • Das Lehren deutscher Kolonialgeschichte
  • Das Lehren deutscher Migrationsgeschichte
  • Anti-Rassismus-Training für Lehrer*innen und Schüler*innen 
  • Aufklärung über institutionellen und systematischen Rassismus gegen BIPOC*
  • Zugänglichkeit zu Antidiskriminierungsstellen in der Schule
  • Das Behandeln von Quellen von BIPOC* (z.B. Literatur) im Deutschunterricht, Geschichtsunterricht, usw.
  • Das Aufarbeiten und ggf. die Entfernung von eurozentrischen Perspektiven u.a. im Kunst- und Geschichtsunterricht
  • Eine kritische Auseinandersetzung mit deutschen/weißen Vordenker*innen unter der Berücksichtigung ihrer (rassistischen) Weltbilder

*BIPOC steht für Black, Indigenous und People of Color. Er dient als Begriff für Menschen, die Rassismuserfahrungen machen.

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Diese Petition ist Teil der deutschlandweiten Bewegung #blackhistoryindeutschland. Alle Unterschriften der regionalen Petitionen laufen auf einen Unterschriftenzähler. Auf dieser Webseite sind alle Petitionen der verschiedenen Bundesländer zu finden: blackhistoryindeutschland-change.org