Campingplatz Prerow - Dauercamper kämpfen für den Erhalt der Areale I, H und G

Campingplatz Prerow - Dauercamper kämpfen für den Erhalt der Areale I, H und G

Startdatum
13. Oktober 2022
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Warum ist diese Petition wichtig?

Gestartet von Peer Globisch

Ein kleines Dorf wird zerstört

Mit Entsetzen und ohne Vorankündigung haben 75 Dauercamper des Areals I auf dem Campingplatz Regenbogencamp in Prerow am 27.09.2022, nur zwei Wochen vor Ende der Saison 2021/2022, das Kündigungsschreiben für ihre Stellplätze erhalten. Als Erklärung wird angegeben, dass der neue Grundstückseigentümer, die landeseigene „Stiftung für Umwelt und Naturschutz Mecklenburg-Vorpommern“, aus dem Kaufvertrag mit dem Bund verpflichtet sei, das Areal I bereits zum 31.12.2022 leer zu räumen, und der Betreiber, die Regenbogen-AG, dies umzusetzen habe.

Der NDR berichtete dazu am 04. 10.: 

https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Prerow-und-Trassenheide-Dauercamper-muessen-weichen,dauercamper124.html

Für die meisten Dauercamper ist dies völlig unverständlich und unerträglich, da der Zeltplatz seit Jahrzehnten von Dauercampern genutzt wird und hier eine fast dorfähnliche soziale Gemeinschaft, ja ein „zweites Zuhause“ entstanden ist, welches geprägt ist von freundschaftlichem Miteinander, gegenseitiger Unterstützung, gemeinsamen Lebensgewohnheiten und Freizeitgestaltung. Viele der Camper sind mit ihren Familien bereits seit den 60er Jahren auf dem Campingplatz, zu DDR-Zeiten nur im Sommer, seit den 90er Jahren als Dauercamper. Für viele ist der Campingplatz im Sommer der Lebensmittelpunkt. Viele Rentner verbringen hier die Hälfte des Jahres in fast familiärer Gemeinschaft, einige sogar ihren „Lebensabend“. Gerade diese trifft das unbesonnene Vorgehen des Bundes und des Landes hier hart, auch weil für sie ein Umzug auf einen anderen Zeltplatz nicht mehr in Frage kommt.

Mit dieser Petition möchten die Unterzeichner die Parteien des Grundstückskaufvertrages, die Bundesrepublik Deutschland und die „Stiftung für Umwelt und Naturschutz Mecklenburg-Vorpommern“, bitten, einvernehmlich auf eine Umsetzung des Vertrages hinsichtlich der Schließung der Areale G bis I zu verzichten.

Begründung:

Als Eigentümer des Grundstückes hat der Bund die Fläche des Campingplatzes über 30 Jahre erst an die Regenbogen GmbH & Co. KG, später Regenbogen AG, verpachtet. Die Durchsetzung der naturschutzrechtlichen Belange oblag dem Land Mecklenburg-Vorpommern. Die am 12.09.1990 von der letzten Regierung der DDR geschaffene Nationalparkverordnung wurde vom Land übernommen. Diese ermöglicht nach § 7 Abs. 6 „die Bewirtschaftung der Campingplätze im bisherigen Umfang, soweit die Belastung, insbesondere durch Abprodukte, den Schutzzweck nicht beeinträchtigt“. https://www.landesrecht-mv.de/bsmv/document/jlr-VorpBoddenNatPVMVpP1

Das Umweltministerium, als oberste Naturschutzbehörde des Landes, hat 1993 die Größe des Campingplatzes auf max. 1200 Stellplätze bestimmt und freizuhaltende Biotopflächen festgelegt. Das in die Kernzone des Nationalparks hineinragende Areal K mit dem Sanitärgebäude war bereits zuvor geschlossen worden. Man ging also seitdem davon aus, dass das Fortbetreiben des Campingplatzes in dieser Größe im Einklang mit der Nationalparkverordnung erfolgt.

Ende 2021 wurde der größte Teil der Fläche (43 Hektar) an die landeseigene „Stiftung Umwelt und Naturschutz MV“ (StUN) verkauft. Laut Behauptung der Stiftung ist im Kaufvertrag die Auflage zur Schließung von Arealen enthalten. Nach jahrzehntelanger Nutzung soll also auf einmal die Natur durch den Campingplatz so sehr beeinträchtigt sein, dass das Schließen von erheblichen Flächen des Campingplatzes erforderlich ist?

Es ist nicht erkennbar, dass hierbei eine sachgerechte und verhältnismäßige Abwägung der unterschiedlichen Interessen aller davon Betroffenen stattgefunden hat. Wir können uns auch nicht vorstellen, dass der Entscheidung zur Schließung eines großen Teils des Zeltplatzes tatsächlich gesicherte Erkenntnisse über die Auswirkung des Betreibens des Campingplatzes auf die Natur im Verlaufe der letzten 30 Jahre zugrunde gelegen hat.

Was ist naturnäher und ökologischer, als seinen Urlaub in der Natur mit Camping zu verbringen? Wo es nur rudimentäre, nur äußerst sparsam (nur 3min kann man duschen) nutzbare Sanitäreinrichtungen gibt, wo man schon deswegen auf Müllvermeidung achtet, weil man alles, was man braucht, sehr weit tragen muss und wo die meisten Camper mangels Stromanschluß Sonnenenergie nutzen? Dauercamper betreiben weder Whirlpools noch können sie ihre Ferienhausmiete „abduschen“; statt zu heizen, ziehen sie sich warm an, sie fahren weder Motorboot noch ruinieren sie die Umwelt auf einem Kreuzfahrtschiff. Was konkret gibt es daran auszusetzen? Sollen wir Menschen uns am besten in Luft auflösen oder Flugreisen in all inclusive Destinationen buchen? Ist dann dem Naturschutz besser Genüge getan?

In den bisher erschienenen Presseartikeln wird von einem „besseren Miteinander von Naturschutz und Tourismus“ geschrieben. Vor allem soll die Düne als besonders schützenswerter Lebensraum besser geschützt werden. Ferner soll die intensive Nutzung durch die Camper zu Beeinträchtigungen der in Anspruch genommenen Biotope geführt haben. Der Presse war zudem auch die Behauptung zu entnehmen, dass von den Dauercampern benutzte kunststoffhaltige Einfriedungen u.ä. als Mikroplastik in den Nationalpark geweht würden.

Diese Behauptungen sind zum großen Teil falsch und zeugen von der fehlenden Kenntnis über die Entwicklung der Natur im Bereich des Campingplatzes im Verlaufe der letzten 30 Jahre. Im Einzelnen:

1.         Die Nutzung als Campingplatz beeinträchtigt nicht die Natur. Seit Jahrzehnten wird der Zeltplatz von Dauercampern genutzt, die sich gerade um die Erhaltung der Natur bemühen. Der Campingplatz Prerow wurde in den 1950er Jahren durch die DDR bewußt dort geschaffen, um den Bürgern preiswerten Urlaub in der Natur zu ermöglichen. Seitdem wurde der Campingplatz von hunderttausenden Campingfreunden genutzt. Die Natur hat sich trotz der Nutzung als Campingplatz gut entwickelt. Die Küstendynamik wurde in keinster Weise negativ beeinträchtigt. Im Gegenteil: Eine neue Primärdüne ist gewachsen und der Strandbereich hat sich aufgrund der strömungsbedingten Anlagerungen um mehr als 150 m verbreitert. Auch hat sich zwischen der alten und der neu entstandenen Düne - gerade im Bereich der Areale G bis I - eine artenreiche Flora entwickelt. Es wurden also keine Biotope beeinträchtigt, sondern es entstanden neue Biotope trotz der Nutzung der Flächen als Campingplatz!

Besonders die Dauercamper leben im Einklang mit der Natur und schützen diese, denn dies ist die Grundlage für das Leben auf dem Campingplatz. Bei den „Gelegenheitscampern“ ist dies leider seltener der Fall.

Vor diesem Hintergrund ist es unbegreiflich, dass pauschal ohne jegliche Nachweise und unter völliger Ausblendung der Entwicklungen letzten 30 Jahre von einem negativen Einfluss des Campingplatzes auf die Entwicklung der Natur gesprochen wird.

2.         Die aktuelle Schließung des Areals I und später der Areale H und G widersprechen dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit.  

 

a)         Wir verstehen den Unmut gegenüber umweltschädlichen An- und Umbauten sowie der Nutzung von nicht umweltgerechten Materialien. Doch dem könnte durch entsprechende Auflagen und deren aktiver Durchsetzung seitens des Betreibers ohne weiteres begegnet werden, ohne gleich das gewachsene soziale Miteinander der Camper zu zerstören. Es ist daher auch völlig unverständlich, warum sowohl seitens des Bundes als auch seitens der Stiftung eine solche weniger eingreifende Alternative überhaupt nicht erst in Erwägung gezogen wurde. Weder der Bund noch die Stiftung haben jemals gegenüber dem Betreiber klare Richtlinien/Vorgaben gemacht, welche Materialien die Dauercamper auf dem Zeltplatz verwenden dürfen und welche nicht. Eine solche klare Vorgabe fehlt bis heute und soll den verbleibenden Dauercampern auch erst in den nächsten Wochen und Monaten bekannt gegeben werden! Es wäre ein Leichtes und mehr als sinnvoll, die notwendigen Veränderungen gemeinsam mit den Campern zu besprechen und durchzusetzen, um dem Schutz der Natur gerecht zu werden. Solch eine einfache, umweltschonende und für die vielen betroffenen Dauer- und Kurzzeitcamper weniger belastende Maßnahme wurde offenbar von der Stiftung bisher nicht in Betracht gezogen.

Dieses Verhalten zeigt deutlich, dass eine der öffentlichen Hand grundsätzlich obliegende dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit entsprechende Abwägung zwischen Natur- und Umweltschutz auf der einen und den Interessen der Camper, des Zeltplatzbetreibers und der Gemeinde auf der anderen Seite nicht wirklich stattgefunden hat!

b)        Es wird von einem Schutz der Düne gesprochen, obwohl der Bereich, den die Camper nutzen, die Merkmale und den Zweck einer Düne (Küstenschutz) bereits seit Jahrzehnten verloren hat. Durch das Entstehen der neuen vorderen Düne (Primärdüne) hat sich die Natur dahinter, auch in der ehemaligen Düne, wesentlich verändert und entwickelt. Wo vorher nur Sand und Dünengras war, hat sich eine Vielfalt an Flora und Fauna gebildet. Auch dies muss bei der Abwägung berücksichtigt werden.

Zudem sind viele Dauercamper von der Kündigung betroffen, die ihre Wohnwagen überhaupt nicht im Bereich der „alten“ Düne zu stehen haben, sondern davor bzw. dahinter. Diese haben die „alte“ Düne auch nicht beeinträchtigt.

c)         In den 90er Jahren wurde der ehemals letzte Bereich (Areal K) geschlossen. Durch den Wegfall der Nutzung durch die Camper hat sich ein Kiefernwald entwickelt und von einer Düne kann nicht mehr gesprochen werden.

Auch ist die Existenz der baltischen Binse als besonders schützenwerte Pflanze nur durch die Existenz des Campingplatzes möglich, weil damit das Zuwachsen mit Bäumen, Sträuchern und Gräsern eingedämmt wird.

3.         Der Verzicht auf die Stellplatzmieten der Dauer- und Gelegenheitscamper bedeutet für die Region große finanzielle Einbußen für den Betreiber, die Gemeinden Born und Prerow. Dies widerspricht den Plänen des Landes, den Tourismus weiterzuentwickeln.

Aus diesen Gründen sehen die Unterzeichner dieser Petition in der Schließung des Areals I und der angekündigten Schließung der Areale G und H mit einer Reduzierung insgesamt 400 Stellplätze eine nicht sachlich begründete und völlig unverhältnismäßige Maßnahme, unter der sehr viele Menschen zu leiden haben. Wir bitten daher sowohl den Bund als auch die Stiftung um einen einvernehmlichen Verzicht auf die Umsetzung dieser Auflage aus dem Kaufvertrag und einer entsprechenden Rücknahme der Entscheidung über die Schließung der Areale G bis I.

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