Petition update

Bundesweites Wildtierverbot im Zirkus: Offener Brief an Julia Klöckner zum Verordnungsentwurf

Holger Friedrich
Germany

Nov 21, 2020 — 

Sehr geehrte Frau Klöckner,

mit großem Interesse und mehr noch mit großer Irritation, habe ich Ihren Verordnungsentwurf zum Wildtierverbot im Zirkus gelesen.

Auf Ihrer Pressekonferenz am 19.11. kündigten Sie an, dass Ihre Verordnung zu einer maßgeblichen Verbesserung des Tierwohls in Zirkusbetrieben führen wird und wurden auch nicht müde zu betonen, wie wichtig Ihnen der Tierschutz ist. Auch war es Ihnen wichtig zu bemerken, dass alle bisherigen Anstrengungen für einen besseren Tierschutz im Zirkus stets gescheitert sind. Das dies immer am Veto der CDU/CSU lag, haben Sie aber vorsichtshalber nicht erwähnt.

Nachfolgend möchte ich nun kurz und auszugsweise auf Ihren Verordnungsentwurf eingehen:

Als positiv ist zu bewerten, dass nach Inkrafttreten der Verordnung das Nachrücken neuer Giraffen, Elefanten, Nashörner, Flusspferde, Primaten und Großbären unterbunden wird.

Doch leider endet dann auch schon Ihr großes Engagement für den Tierschutz. Weitere Punkte in Ihrem Verordnungsentwurf wie regelmäßige Fütterung, Reinigung der Käfige, ausreichend Licht in den Ställen, Versorgung kranker Tiere usw., stellen eine Selbstverständlichkeit dar und bedürfen daher hier keiner weiteren Erläuterung.

Das von Ihnen angekündigte Verbot bestimmter Wildtierarten erweist sich lt. Ihrer Verordnung leider als nicht zutreffend:

§2 Verbot des Zurschaustellens bestimmter Tiere an wechselnden Orten

(1) Das Zurschaustellen von Giraffen, Elefanten, Nashörnern, Flusspferden sowie Primaten und Großbären an wechselnden Orten ist verboten.

(2) Absatz 1 findet für Tiere, die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Verordnung an wechselnden Orten gehalten und zur Schau gestellt werden, nur Anwendung, wenn keine Möglichkeiten bestehen, die mit der Haltung an und der Beförderung zu wechselnden Orten verbundenen erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden bei diesen Tieren auf ein vertretbares Maß zu vermindern.

Selbstverständlich werden die Zirkusbetriebe Sondergenehmigungen beantragen und versichern, dass den Tieren kein unnötiges Leid zugefügt wird und diese dann weiterhin zur Schau stellen.

§3 Anforderungen an die Haltung von Tieren an wechselnden Orten

(3) Tiere dürfen nicht ohne tierärztliche Indikation vorzeitig vom Muttertier getrennt werden.

Grundsätzlich natürlich der richtige Ansatz. In der Praxis wird das insbesondere bei Großkatzen nicht funktionieren. Das Geschäftsmodell Großkatzendressur wäre damit tot. Und genau dieser Umstand ist Ihnen auch bekannt, Frau Klöckner. Die Dompteure werden Mittel und Wege finden, die frühzeitige Trennung der Jungtiere von ihrer Mutter zu legitimieren.

§6 Anforderungen an das Training von Tieren

(3) Das Training darf nicht durch Zufügung von Schmerzen oder Leiden erfolgen.

Das würde in der Praxis bedeuten, dass der Einsatz von z.B. Elefantenhaken und Peitschen verboten wäre. Und wie Sie genau wissen, wird auch das nicht funktionieren.

In den nächsten Tagen werden Sie zahlreiche Stellungnahmen und Ergebnisse wissenschaftlicher Studien von Tierschutzorganisationen und Instituten erhalten aus denen klar hervorgeht, dass der von Ihrem Ministerium erstellte Verordnungsentwurf in keiner Weise tragfähig ist.

Auf Ihrer Pressekonferenz betonten Sie, wie wichtig Ihnen der Tierschutz ist. Daher handeln Sie bitte im Interesse des Tierschutzes, nicht im Interesse der Zirkuslobby. Genau das ist es, was wir als Bürgerinnen und Bürger von Ihnen erwarten.

Mit freundlichen Grüßen

Holger Friedrich

 


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