Hartz IV Sanktionen abschaffen - Unterstützung statt Unterdrückung

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Hartz IV = Folter und Diktatur!

Ich war ein Kind des Mittelstands und hatte nahezu alles. Liebe, Freundschaft, Spaß und die Welt war schön. Als mein Vater aus gesundheitsbedingten Gründen arbeitslos und zum Pflegefall wurde, bezogen wir Sozialhilfe. Ich war Anfang 15, als ich alles Materielle und alle Kontakte verlor. Ich wurde gemobbt weil ich ein Streber, Stotterer und arm war. Seit über 20 Jahren habe ich wegen der gesundheitsbedingten Arbeitslosigkeit meines Vaters und der daraus resultierenden Armut, die auf mich übertragen wurde, gar nichts. Nichts Materielles und keine Sozialkontakte (außer eine Zeit lang einen Verein mit Leuten über 50+, die mich wegen Armut aber auch geächtet haben und ein paar Bekannte). Eine Chance im dualen Ausbildungssystem habe ich nie bekommen. Es gab keinen PC, nur Billigbewerbungsmappen und Bewerbungen waren nur drin, wenn andere so kulant waren mich dort schreiben zu lassen und das Arbeitsamt mal nicht an dem Zusenden von Stellenanzeigen gespart hat. Es gelang mir nur über staatliche Schulen an eine schulische Ausbildung zu gelangen. Bei meiner allerersten Chance mit 25 wurde mir vom Jobcenter der Zuschuss zur KdU verwehrt. Keine Erstausstattung, kein gar nichts. Nur etwas Bafög, das gerade mal für die Fixkosten wie Miete drauf ging. Ich habe schrecklich gelitten, aber die Ausbildung war mein Lebenstraum - mein Lebenssinn. Ich musste 1 Jahr lang klagen. Ich hätte niemals gedacht, solch schreckliches Leid für eine Berufsausbildung durchstehen zu können, ist sie doch für andere aus dem Mittelstand, die noch bei den Eltern leben, eine Selbstverständlichkeit. Ich wurde zum Workerholiker, der sein ganzes Leid versucht hat wegzulernen, immer mehr gelernt hat, um nicht mehr beim Jobcenter zu landen, um seinen Lebenssinn endlich verfolgen und ein normales Leben führen zu können. Da ich privat nichts hatte, ging ich darin richtig auf und lernte Tag und Nacht, außer beim Schlafen - sogar an Feiertagen, am Wochende usw. Und wofür? Das Jobcenter holt mich immer wieder ein, egal ich ob ich gerade abhängig bin oder nicht. Alle Gedanken drehen sich immer nur ums Jobcenter. Es ist die Angst, die mich seit dem Versagen des Zuschuss zur KdU und der Erstausstattung durch das Jobcenter nicht mehr in Ruhe ließ. Irgendwann kommt wieder der Absturz. Es ist so, als müsste ich mein Leben immer wieder ganz von Vorne beginnen. Privat besitze ich nichts, denn ich konnte mir noch nichts aufbauen und genug verdienen um etwas zu besitzen, mit dem ich mich privat beschäftigen könnte. Das war ja das Fachliche. Mein Beruf ist das Einzige, worüber ich meine Persönlichkeit, Identität, Selbstwert und meine Selbstbestimmung leben kann. Aber ich darf es beim Jobcenter nicht. Was oder wer bin ich denn, wenn ich jede Arbeit zu jeder Bedingung annehmen muss und mein Wille überhaupt nichts zählt? Ich fühle mich wie ein Sklave, der nicht über sein Menschsein entscheiden darf. Und wenn ich all meinen Mut zusammennehme um ganz schwach und doch dann stolz darauf zu sagen "Das will ich nicht, sondern das!", dann bekomme ich zum Dank dafür auch noch eine Sanktion, die an meine physische Existenz geht. Das ist Deutschland! Und das ist unzumutbar!

Als Betroffenen geht es einem vor allem darum, in der Gesellschaft und vom Staat wie ein Mensch mit eigener Persönlichkeit (Willen, Identität, Selbstwert und in Selbstbestimmung) behandelt zu werden. Das ist leider nicht der Fall. Die Gesellschaft hetzt schlimmer gegen ALG II- und Grundsicherungsempfänger als PEGIDA gegen Flüchtlinge. Das muss aufhören. Man fühlt sich überhaupt nicht mehr wie ein Mensch. Man besitzt in der Regel nichts oder kaum etwas, um sich selbst zu beschäftigen, kann wegen der Armut nichts mit Freunden unternehmen oder neue Leute kennen lernen, weil jede Aktivität mit anderen Geld kostet. Die anderen verzichten nicht lange darauf und sie haben auch noch andere Freunde, mit denen sie dann bevorzugt etwas unternehmen. Die Bindung zu einem wird schwächer, zu anderen aufgrund der Unternehmungen stärker. Irgendwann sind sie ganz weg. Soziale Isolation. Hinzu kommt die gesellschaftliche Hetze. Niemand will etwas mit faulen, bildungsfernen Hartzern zu tun haben, dabei müssten sie es eigentlich besser wissen. Die Persönlichkeit (Wille, Identität, Selbstwert und Selbstbestimmung) ist nicht vom Arbeitsleben losgelöst. Man hat Interessen und verbringt den Großteil - den wichtigsten Teil des Tages - in einer bestimmten Arbeit. Dort geht es um das Ausleben seiner Persönlichkeit, seiner Identität, um den Selbstwert und mit der Selbsbestimmung, sich den Beruf frei auswählen zu können. Es gibt Berufe, die einem Spaß machen und solche, in denen man leidet und innerlich zugrunde geht. Das Ausleben seines Menschseins interessiert dem Jobcenter aber nicht. Man kann nirgends mehr man selbst sein, bzw. so, wie man ist. Es gibt Erwartungen wie man sich zu verhalten hat. Bei Abbruch oder sozialwidrigem Verhalten gibt es Sanktionen. Würde man wegen seiner Persönlichkeit gekündigt werden, wahrscheinlich auch. Irgendwann verliert man sich deswegen vielleicht sogar selbst. Hinzu kommen ja die vielen Schikanen des Jobcenters. Es geht einem als Betroffenen vor allem darum, von der Gesellschaft und vom Staat wieder als normalen Menschen akzeptiert zu werden, um die Abschaffung von Hartz IV, um Freiheit/Selbstbestimmung, darum, überhaupt etwas wert zu sein. Und das geht nur mit Solidarität und Verständnis in der Gesellschaft. Mit Hartz IV haben Betroffene sehr viel schlimmere Probleme als nur die Arbeitslosigkeit. Das will aber niemand sehen weil es ihn selbst nicht betrifft. Leider. Nicht einmal das Mobbing war früher so schlimm wie Hartz IV, denn das Leid konnte nicht so tief ins Privatleben, ins gesamte Menschsein eindringen. Man konnte es immer irgendwie abspalten und damit verdrängen. Immerhin gab es das Privatleben als geschützten Raum, in dem alles sicher war. Bei Hartz IV ist das nicht möglich. Man muss ständig Angst vor Sanktionen haben und damit, nichts zu essen zu haben und sogar die Wohnung verlieren zu können. Diese Angst schränkt einen gewaltig ein und nimmt jegliche Hoffnung. Man versucht nur noch diesem Leid zu entfliehen. Da es aber immer heißt, dass nur auf den 2. Arbeitsmarkt vermittelt wird, wird es zu einem zunehmenden Kraftakt, der immer mehr Motivation verzehrt. Irgendwann ist sie ganz weg. Sie bleibt nur bis man kaum mehr Hoffnung sieht. Das Jobcenter unterstützt nicht bei der Arbeitsplatzsuche - es diktiert und schreibt unter Androhung von Sanktionen vor, welche Arbeit man zu machen hat und wo man sich bewerben soll. Es gibt aber immer noch so etwas wie Berufsfreiheit, Vertragsfreiheit, Selbstbestimmung und die freie Entfaltung der Persönlichkeit. Neben dem Materiellen ist vor allem das Immeraterielle wichtig, nämlich der Spaß an der Arbeit selbst und das Umfeld. Damit verwirklicht man sich und lebt sein Menschsein aus. Außerdem scheitert es bei den meisten aufgrund fehlender Unterstützung. In meinem Fall ist eher die Sprache das Problem. Unsicherheit und Angst führen zum Stottern, ansonsten bin ich stotterfrei.

Würde das Jobcenter unterstützen anstatt zu unterdrücken und zu diktieren, wäre ich dort nicht nur schneller weg, ich hätte auch endlich wieder Hoffnung für die Zukunft, würde alles im Leben wieder positiver sehen und könnte endlich wieder abschalten und Privates und Berufliches voneinander trennen. Gefühle werden einfach zu stark unterschätzt. Und ich bin mir sicher, dass es vielen so geht.