Antirassistische Aufarbeitung der deutschen Geschichte im öffentlichen Raum

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"Die Würde des Menschen ist unantastbar."

"Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt."

Die Kolonialgeschichte Deutschlands stellt eine lange und bis heute anhaltende Phase der deutschen Geschichte dar, in der die Würde der Menschen verletzt wurde.

Dass diese Vergangenheit in Deutschland nicht vollständig aufgearbeitet wurde, ist auch an vielen deutschen Straßennamen und an vielen deutschen Denkmälern zu sehen: Hier prangen die Namen deutscher Kolonialpolitiker, hochrangiger Militärs und Philosophen, die durch Ihre Schriften “Rassenideologien” begründet, verfestigt und durchgesetzt haben. Die Nachwirkungen dieses "Gedankenguts" sind bis heute zu spüren.

Denkmäler und Straßennamen sollten Persönlichkeiten ehren, die unserer Gesellschaft als Vorbild dienen.

Diese Straßennamen verfestigen den strukturellen Rassismus und dienen jenen Menschen als Vorbild, die unsere Demokratie und unser Verständnis, dass die Vielfalt dieses Landes die Stärke dieses Landes ist, als Bedrohung ansehen.

Sie rufen für jene Bürger, deren Vorfahren unter deutschen Gräueltaten gelitten haben tagtäglich ins Gedächtnis, dass die deutsche Gesellschaft es nicht für notwendig hält, ihre Fehler der Vergangenheit aufzuarbeiten und nachhaltig gegen Rassismus und Nationalsozialismus vorzugehen.

Es ist für uns selbstverständlich, dass die Menschen, deren Namen wir auf Denkmälern und Straßenschildern als Schulnamen und als Namensgeber öffentlicher Einrichtungen sehen, Vorbilder waren. Stattdessen sehen wir Namen wie "Thota", "Hindenburg", "Thule" und "Lüderitz". Auch rassistische Ausdrücke wie "Mohrenstraße" gehören zum Alltag vieler deutschen Bürger. 

Viele dieser Straßennamen wurden bereits im Rahmen von Bürgerbegehren kritisiert, begutachtet und nicht geändert. In den wissenschaftlichen Gutachten finden sich zu vielen Namen ranghoher Offiziere und Politiker sowie Kaisern, die die höchste Verantwortung für diese Verbrechen gegen die Menschenrechte hatten, Bemerkungen wie "latenter Antisemitismus", "latenter Kolonialismus" oder auch "keiner Kategorie zuzuordnen". Es ist durchaus nachzuvollziehen, wann und warum diese Namen für die jeweiligen Straßen ausgewählt wurden.

Das Grundgesetz besagt: "Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden."

Das "Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz",  besagt: Ziel des Gesetzes ist es, Diskriminierungen aus ethnischen Gründen, Gründen der Religion oder Weltanschauung, aufgrund einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern und zu beseitigen.

Es ist für uns offensichtlich, dass eine Diskriminierung und eine Benachteiligung durch diese Namen im öffentlichen Raum vorliegt.

Die Umbenennung darf nicht abhängig von den Stimmen der Betroffenen sein. Die Verantwortung gegen strukturellen Rassismus vorzugehen, muss im Interesse des Bundes und damit des Systems liegen, welcher Rassismus bis heute durch öffentliche Ehrungen wie Straßennamen aufrecht erhält.

Wir glauben, dass die deutschlandweite Aufarbeitung des Kolonialismus eine zentrale Aufgabe ist und damit der Bundesregierung obliegt.  Der deutsche Kolonialismus war und ist auch die Verantwortung der Machthabenden Instanzen. Daher erachten wir es auch als Verantwortung der Bundesregierung, strukturelle Veränderung durch Umbenennung herbeizuführen.

Darum fordern wir eine bundesweite Aufarbeitung und Umbenennung der Straßennamen, Namen offizieller Gebäude, Abriss von Denkmälern und eine gesetzliche Regelung, die auch in Zukunft verhindert, dass diese Persönlichkeiten als deutsche Vorbilder hervorgehoben werden.

Wir fordern die bundesweite Untersuchung und zeitnahe Umbenennung solcher Namen im öffentlichen Raum, um den Bürgern und Menschen, die in unserem Land leben den Respekt entgegenzubringen, der ihnen zusteht.

Wir fordern, dass die Würde der Menschen unantastbar bleibt und dies auch in unseren Städten sichtbar ist. 

 

Weiterführende Informationen:

Da es bereits zahlreiche Gutachten zu Straßen Namen wie "Hindenburgstraße", "Petersstraße", "Münchhausenweg" und  "Mohrenstraße" gibt, empfehlen wir diese zur Recherche.

Das Düsseldorfer Gutachten empfiehlt beispielsweise die Umbenennung folgender Straßen:


"Pfitznerstraße
Hans Erich Pfitzner (1869-1949), deutscher Komponist, Dirigent und Autor
 
Petersstraße
Dr. Carl Peters (1856-1918), deutscher Kolonialpolitiker und Afrikaforscher
 
Wissmannstraße
Hermann von Wissmann (1853-1905), deutscher Offizier, Kolonialbeamter und Afrikaforscher; Reichskommissar
 
Porschestraße
Ferdinand Porsche (1875-1951), deutscher, österreichischer und tschechoslowakischer Automobilkonstrukteur und Unternehmer
 
Münchhausenweg
Börries Freiherr von Münchhausen (1874-1945), deutscher Lyriker; Senator der Deutschen Akademie der Dichtung
 
Lüderitzstraße
Franz Adolf Eduard von Lüderitz (1834-1886), deutscher Kaufmann; Kolonialist
 
Woermannstraße
Adolph Woermann (1847-1911), deutscher Kaufmann und Großreeder; Kolonialist
 
Leutweinstraße
Theodor Leutwein (1849-1921), deutscher Kolonialpolitiker; Kommandeur der Kaiserlichen Schutztruppe und Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika
 
Schlieffenstraße
Alfred Graf von Schlieffen (1833-1913), preußischer Generalfeldmarschall
 
Wilhelm-Schmidtbonn-Straße
Wilhelm Schmidt(bonn) (1876-1952), deutscher Schriftsteller und Dramatiker
 
Heinz-Ingenstau-Straße
Heinz Ingenstau (1910-1971), deutscher Jurist; Stadtdirektor von Düsseldorf
 
Hans-Christoph-Seebohm-Straße
Hans-Christoph Seebohm (1903-1967), deutscher Politiker und Ingenieur"
(https://www.duesseldorf.de/aktuelles/news/detailansicht/newsdetail/pruefung-duesseldorfer-strassennamen.html 

Unter https://www.tearthisdown.com/de/ finden sie zahlreiche Spuren deutscher Kolonialgeschichte, die zusammengetragen wurden, um die überwältigende Anzahl der aufzuarbeitenden Namen zu verdeutlichen.

Dossier über Berliner kolonialistische Straßennamen:
http://www.africavenir.org/fileadmin/downloads/occasional_papers/Dossier_kolonialistische_strassennamen.pdf

 

Dokumentation des Migrationsbeirat München:

dokumentation_strassennamen_kl.pdf

 

Forschung und Gutachten im Raum Bremen und Hamburg:

http://www.fb10.uni-bremen.de/nwlk2017/abstracts/Wolter.pdf

Straßennamen in kolonialen Kontexten - Bremen.de www.kultur.bremen.de › media.php