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#wirlassenunsnichtspalten - Keine Isolierung von "Risikogruppen"

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Katrin Langensiepen
Katrin Langensiepen hat diese Petition unterschrieben.

Wie Millionen andere gehöre ich zur sogenannten „Risikogruppe“. Als einzige Europaabgeordnete mit sichtbarer Behinderung ist für mich klar: Ich möchte nicht in eine „Risikogruppen“-Schublade gesteckt werden und monatelang vom Rest der Gesellschaft ausgegrenzt werden. 

Genau diese Angst, weggesperrt, stigmatisiert und von Arbeit und Sozialleben ausgeschlossen zu werden, teilen aktuell viele Menschen.

Äußerungen wie „Wer Angst hat, soll eben zuhause bleiben“ zeigen, dass in unserer Gesellschaft gerade etwas gewaltig schief läuft.
Auch wenn aktuell keine Zwangsisolierung von Risikogruppe droht, wie im Frühling in vielen Einrichtungen der Fall war und im Rahmen der Exitstrategie debattiert wurde, werden Risikogruppen momentan indirekt in die Isolation gezwungen.  

Wo für die "gesunde" Bevölkerung langsam in ein normales Leben übergeht, leben Bürgerinnen und Bürger einer Risikogruppe weiterhin mit erheblichen Einschränkungen und fühlen sich im Stich gelassen

Dieser Spaltung der Gesellschaft und Isolierung von Risikogruppen stellen wir uns entgegen.

Die sogenannte Risikogruppe ist groß und divers. Dazu gehören ältere Menschen, aber auch sehr viele Menschen mit Vorerkrankungen und Behinderung: die Nachbarin mit Herz-Stent, der Kollege im Rollstuhl, die Freundin mit Asthma oder der Verwandte mit Spenderorgan. Sie fürchten nun von Sozial- Arbeitsleben ausgeschlossen zu werden. 

Das müssen wir verhindern. Die letzten Monate haben uns die verheerenden Folgen von Isolierung gezeigt: psychische Belastungen, aber auch pure Existenzängste und finanzielle Engpässe

Damit Risikogruppen nicht in die Isolation gezwungen werden, muss die Politik weiter auf solidarisches, rücksichtsvolles Verhalten in der Öffentlichkeit pochen und auch konsequenter dafür werben. Szenen wie Massentreffen im Park oder Drängeln an der Supermarktkasse sind nicht nachvollziehbar.

Das gleiche gilt für den Arbeitsplatz. Was mache ich, wenn ich Erzieher*in mit Asthma bin? Laut Arbeitsrecht muss der Arbeitgeber Sicherheit am Arbeitsplatz garantieren. Risikogruppen müssen hier unterstützt werden, um gemeinsam mit ihren Arbeitgebern Überbrückungslösungen und neue Aufgabenschwerpunkte zu finden.

Außerdem müssen Einrichtung für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung besser mit Präventionsmaßnahmen, Material und Tests unterstützt werden. Bewohner*innen gehören zu einer der gefährdetsten Gruppen, haben aber genau wie andere das Recht auf Freiheit, Ausflüge und Besuch. Zwangsisolierungen darf hier nicht die Lösung sein. 

Um unser Gleichheitsprinzip zu wahren, müssen wir als Gesellschaft  zusammenhalten und das Virus gemeinsam bekämpfen. Dabei lassen wir uns nicht spalten!


Erstunterzeichner*innen

Sven Giegold (Grüner Europaabgeordneter)
Michael Kellner (Bundesgeschäftsführer Bündnis 90/Die Grünen)
Raul Krauthausen (Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit)
Katrin Langensiepen (Grüne Europaabgeordnete)
Julia Probst (Inklusionsaktivistin)
Corinna Rüffer (Grüne Bundestagsabgeordnete)