Kitas und Schulen sofort wieder öffnen! Ende der Corona-Geiselhaft für Kinder und Familien

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In den letzten Wochen waren wir Familien in der Öffentlichkeit kaum sichtbar. Wir waren viel zu sehr damit beschäftigt, unseren plötzlich veränderten Alltag mit Homeoffice, Kinderbetreuung, Homeschooling, Arbeit außer Haus fast ohne Unterstützung zu organisieren und durchzustehen.

Von der vielbeschworenen angeblichen Solidarität merken wir kaum etwas. Solidarität und Mitgefühl gibt es vielleicht für die Älteren und Kranken, ansatzweise z.B. für Obdachlose, für die nette Menschen Beutel mit Essen an Zäunen deponieren. Und in den Medien ist überwiegend die Rede von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise. Aber die Familien müssen einfach stillschweigend alles mitmachen.

Ich fordere: Kitas und Schulen sehr viel schneller wieder öffnen! Ende der Corona-Geiselhaft für Kinder und Familien!

Familien, die insgeheim darauf gehofft hatten, ab dem 20. April bald ins Alltagsleben zurückkehren zu können, sind bitter enttäuscht. Die Politik von Bundes- und Landesregierungen ist auf den älteren Teil der Bevölkerung (ihre Hauptwählerschaft) ausgerichtet. Doch allem demographischen Wandel und allen Coronamaßnahmen zum Trotz: Noch gibt es sie, die Familien mit Kindern. Auch wenn sie seit Wochen in der Öffentlichkeit fast unsichtbar sind. Und gemieden und beäugt werden, als wären sie giftig.

Kinder, Jugendliche und zumeist auch ihre Eltern gehören zu der Gruppe, die in der Regel am wenigsten vom Corona-Virus betroffen ist, aber am meisten Einschnitte hinnehmen müssen.

Nach fünf Wochen weiß ich als dreifache Mutter, dass diese Zeit des Stillstands den Kindern nicht gut tut. Geschwister können nicht immer nur miteinander spielen. So gern sie sich haben mögen – ihr Umgang miteinander verändert sich nicht zum Besseren, wenn sie keinen Kontakt zu anderen Kindern der jeweils eigenen Altersgruppe mehr haben und auch keine Ablenkungsmöglichkeiten außer Haus. Die jeweils älteren oder ältesten Kinder einer Familie können sich im Moment altersmäßig nur nach unten orientieren. Wollen wir das? Kleinkinder in Krippen, Spielgruppen oder bei Tagesmüttern spielen normalerweise zwar noch nicht viel mit-, sondern eher nebeneinander, aber sie lernen unheimlich viel durchs gegenseitige Beobachten. Geht im Moment nicht. Wollen wir das?

Einzelkinder dürften ein ganz anderes Problem haben, nämlich das der Langeweile, der Einsamkeit und der Fokussierung wahlweise auf Eltern oder Handy. Wollen wir das?

Und nun zu den „echten“ Problemen. Ja, vielleicht schon mal gehört/gelesen in den letzten Wochen. Aber nun ändert sich absehbar nichts – für die Kinder, deren Eltern aus zeitlichen, sprachlichen oder sozialen Gründen das Lernen nicht begleiten können. Die also schulisch noch mehr abgehängt werden. Für die Kinder, die sonst günstige oder kostenlose Mahlzeiten in Kitas und Schulen bekommen, und deren Eltern sich (bei ebenfalls geschlossenen Tafeln) kein ausreichendes Essen leisten können. Für die Kinder, die aus problematischen Familien kommen, die Gewalt erleben, für die Lehrer*innen und Erzieher*innen tatsächlich Vertrauenspersonen, Vorbilder, Rettungsanker sind, und die nun nicht mehr sichtbar sind.

Es soll ja die Notbetreuung auf Kinder aus schwierigen Familien ausdehnt werden. Aber wie will man diese denn alle finden? Etwa nur die, die schon vorher Jugendamtskontakt hatten? Was ist mit den Familien, in denen Konflikte sich erst jetzt potenzieren? Oder mit den Kindern, die hauptsächlich in den Kitas Deutsch sprechen lernen oder Bücher anschauen? Sie werden in ihrer Zweitsprachentwicklung um Monate zurückgeworfen.

Und Stichwort Digitalisierung: Nein, die löst nicht alles. Und auch nicht vieles. Wollen wir wirklich, dass Kinder und Jugendliche noch mehr Zeit online verbringen? Wo wir doch sonst über Mediennutzungsverträge diskutieren? Wie soll ein*e Erstklässler*in sinnvoll schreiben lernen, wenn nicht auf Papier?

Wenn die Kitas und Schulen wieder öffnen, dann lasst meinetwegen die Spielplätze, Schwimmbäder, Sportvereine , Musikschulen etc. geschlossen. Wenn ihr die Schulen und Kitas geschlossen halten wollt, dann öffnet wenigstens die Spielplätze, Schwimmbäder, Sportvereine und Musikschulen!

Diese lange Schließzeit macht Kinder unglücklich: Sie vermissen ihre Freunde, Freiräume ohne ihre Eltern, das Kita-Spielzeug, Kletterburgen, riesenhafte Sandkästen, das Lernen in der Schule (wer hätte das vor Kurzem gedacht?) und vieles mehr. Sie hemmt sie in ihrer Entwicklung.

Gebt uns Familien eine kurzfristige Perspektive, wann wir wieder ins Leben zurückkehren dürfen! Lasst uns nicht bis z.T. nach den Sommerferien schmoren!

Auch wir Eltern leiden unter der Belastung, im Homeoffice zu arbeiten und nebenher Kinder betreuen zu müssen. Oder aufgrund der Kinderbetreuung gar nicht arbeiten zu können. Oder, wenn wir berechtigt sind, darunter, die Kinder in Notbetreuungen zu schicken, in denen die Kinder keinen adäquaten Kita- oder Schulersatz finden. Die nicht annähernd die Dauer einer Schicht im Altenheim oder bei der Müllabfuhr abdecken. Wo nur teils vertraute Betreuungspersonen in diesen verunsichernden Zeiten auch nicht so recht wissen, wie sie mit den Kindern lernen oder ihnen Unsicherheiten nehmen können. Oder darunter, ältere Kinder zu Hause alleine abhängen zu lassen. Oder darunter, dass von uns verlangt wird, die Kinder zu betreuen, wir aber in Supermärkten gemaßregelt werden, weil wir sie zum Einkaufen mitnehmen.

Nein, es ist nicht schön, dass alte Menschen im Moment noch einsamer als sonst in Heimen hocken. Aber tun sie das nicht mehr, nur weil unsere Kinder auch zu Hause hocken müssen?

Lasst unsere Kinder wieder richtig lernen, spielen und leben. Die Großeltern noch ein Weilchen länger nur per Videochat zu sehen (und den Kontakt zu weiteren Risikogruppen zu meiden), lässt sich bestimmt besser aushalten!

Und hier noch der Verweis auf einige Artikel zum Thema:

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/corona-krise-und-familien-kinder-haben-ein-recht-auf-gegenwart-a-6864de34-e0fc-47d6-843d-beb3174654f9?sara_ecid=soci_upd_KsBF0AFjflf0DZCxpPYDCQgO1dEMph&fbclid=IwAR1Urk9Q_RhbQi-2PoniDevIrFG5lOZknCPoDbIyTqXaDmmMZY6Zt660zAg

https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/corona-beschluesse-zu-schulen-und-kitas-mehr-pipi-kacka-fragen-wagen-kommentar-a-731443e9-7374-4dac-8bf3-b78b592a3246

https://www.deutschlandfunkkultur.de/sozialethiker-kritisiert-lange-kitaschliessungen-kinder.1008.de.html?dram%3Aarticle_id=474595&fbclid=IwAR1w8KWBNZHlPYcyh1PfpJVtzW80EUGobc3gcOn8je5UzUQjCKMwkrW6Xi0