Kinder brauchen Kinder: Öffnung der Kindertagesstätten und Grundschulen

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Um die geistige und soziale Entwicklung von jungen Kindern altersgemäß zu unterstützen, müssen Bildungs- und Betreuungsangebote für alle Krippen-, Kindergarten- und Grundschulkinder umgehend in einem verantwortungsvollen Rahmen zugänglich gemacht werden. Darüber hinaus müssen die derzeitigen Kontaktbeschränkungen für Kinder angepasst werden, um ihnen einzelne Kontakte zu Gleichaltrigen unter Aufsicht Erwachsener zu ermöglichen. 

Kinder brauchen Kinder. Für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung ist der Kontakt zu Gleichaltrigen und Personen außerhalb der Kernfamilie essentiell. Soziales Lernen, schulisches Lernen und Anregungen durch pädagogische Fachkräfte entfallen aufgrund der geltenden Beschränkungen und können in den Kernfamilien wegen der aktuellen Ausnahmesituation nicht adäquat ausgeglichen werden. Bei allen bisher in den Bundesländern diskutierten Lösungen soll nur einem kleinen Teil der Kinder im Alter von 0 bis 10 Jahren der Zugang zu Bildungseinrichtungen ermöglicht werden. Ein von den Eltern unabhängiges Sozialleben ist für Kinder in diesem Alter kaum möglich. Aktuell bedeutet das für einen Großteil von ihnen soziale Isolation über einen nicht absehbaren Zeitraum hinweg, da schon die Begleitung zweier nicht verwandter Kinder durch Erwachsene in der Öffentlichkeit nicht eindeutig geregelt ist.

Für die Kinder brechen nicht nur ihre gewohnten Alltagsstrukturen weg, sondern auch Kontakte zu wichtigen Bezugspersonen wie Großeltern, Erzieher:innen und Freund:innen sowie nahezu alle Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten, z. B. Spielplätze, zoologische Gärten, Parkanlagen, Sportvereine und Schwimmbäder. Als Folge eines Mangels an äußeren Anreizen droht den Kindern soziale Deprivation, also die Gefährdung ihrer Entwicklung und ihrer seelischen Gesundheit [1]. Besonders hart treffen diese Regelungen Kinder mit Entwicklungsauffälligkeiten, Neurodiversität (z. B. ADHS, Autismus), Kinder aus belasteten Familiensystemen und solche, für die der Kindergarten ein wichtiger Ort für den Spracherwerb von Deutsch als Zweitsprache ist [2].

Nicht nur die Kinder selbst, auch ihre Familien sind durch die derzeit nahezu fehlenden Betreuungsangebote stark belastet. Dies betrifft insbesondere Alleinerziehende und Mütter, die häufig den Großteil der Care-Arbeit leisten [3], [4]. Fehlende professionelle Kinderbetreuung in Kombination mit Kontaktbeschränkungen verstärken den finanziellen und psychischen Druck auf Familien erheblich [1]. Mittel- und langfristig kann das fehlende Betreuungsangebot in vielen Familien zu starken finanziellen Einbußen bis hin zum Arbeitsplatzverlust führen und existentielle Folgen haben [5].

Dagegen ist bislang noch wenig untersucht, inwieweit Kinder eine wesentliche Rolle als Überträger:innen spielen. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass Kinder bis zu 10 Jahren sich seltener infizieren und diejenigen Kinder, die erkranken, mit großer Mehrheit sehr milde Verläufe haben, sodass diese nur sehr selten überhaupt stationär behandelt werden müssen [6]. Untersuchungen in Island, dem Land mit der weltweit größten Anzahl an durchgeführten Tests pro Einwohner, weisen darauf hin, dass Kinder auch weniger infektiös sind, das Virus also in weitaus geringerem Maße als Erwachsene weitergeben. Diesen Umstand führt auch das dänische Gesundheitsministerium als Grundlage seiner Entscheidung zur Öffnung von Kindergärten und Schulen an [7]. Die vermutete geringere Infektiosität von Kindern in Bezug auf Covid-19 steht im Kontrast zu den starken Einschränkungen, die diese Bevölkerungsgruppe derzeit erfahren muss [6], [8]. Zudem deuten neueste Modellierungen darauf hin, dass Schulschließungen im Gegensatz zu anderen Maßnahmen vergleichsweise wenig effektiv zur Eindämmung der Pandemie sind [9].

Ein für die breite Bevölkerung verfügbarer Impfstoff ist nach Expertenmeinung nicht vor Mitte nächsten Jahres zu erwarten. Auch die Suche nach einem verträglichen und wirksamen Medikament gegen Covid-19 gestaltet sich mühsam [10]. Daraus ergibt sich die zwingende Notwendigkeit, jetzt tragfähige und zeitnah umsetzbare Konzepte zu entwickeln, die trotz fortschreitender Pandemie eine Betreuung und Bildung sowie ausreichende soziale Kontakte für Kinder jeden Alters gewährleisten.

Wir fordern deshalb ein transparentes Vorgehen auf Bundes- und Länderebene bei der schrittweisen Öffnung des gesamten Betreuungs- und Bildungsangebots für alle Kinder im Alter von 0 bis 10 Jahren. Spätestens ab dem 18.05.2020 muss die Umsetzung beginnen, mit dem Ziel, allen Kindern wieder die Möglichkeit zu geben, Krippen, Kindergärten, Tagespflegestellen und Grundschulen sowie dazugehörige Horteinrichtungen zu besuchen. 

Da vor allem Erwachsene als potentielle Virenüberträger berücksichtigt werden müssen, sollte eine Wiedereröffnung der Kinderbetreuung bevorzugt nach dem dänischen Vorbild erfolgen, das hohe Ansprüche an die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregelungen vor allem an Erwachsene und ältere Kinder stellt, ohne die Bedürfnisse der kleineren Kinder nach Nähe aus den Augen zu verlieren [11], [12]. Für die KiTa bedeutet das u. a. Aufenthalt bevorzugt draußen; feste Kleingruppen mit je ein:er Pädagog:in; innerhalb der Kleingruppen und auch zu:r Bezugspädagog:in normaler körperlicher Kontakt und Nähe; räumlicher Abstand zwischen den Gruppen; regelmäßiges Händewaschen mit Hilfestellung für kleine Kinder; zwischen Erwachsenen (Pädagog:innen und Eltern) striktes Umsetzen der Abstandsregeln; Bringen und Holen der Kinder an der Grundstücksgrenze. Platz- und Personalmangel dürfen keine generellen Hinderungsgründe für die schnelle Wiederaufnahme des Betreuungs- und Bildungsangebotes darstellen. Hier sind die Entscheidungsträger:innen in Politik und Verwaltung gefragt, praktikable Lösungen zu finden und im jeweils möglichen Rahmen umzusetzen. 

Wir fordern, dass die Konzepte zur Wiedereröffnung des Bildungsangebotes in enger Zusammenarbeit mit einem Expert:innenrat entwickelt werden, der die Belange von Kindern, Eltern, Wirtschaft und Gesellschaft in Einklang bringen kann. Dieser Expert:innenrat muss repräsentativ besetzt werden. Insbesondere sollten ihm Vertreter:innen aus den Bereichen Bildungsforschung und Entwicklungspsychologie, Kinder- und Jugendpsychotherapie, Pädagog:innen, Elternvertretung, Migrant:innenverbänden und Verbände für Menschen mit Behinderung angehören.

Darüber hinaus fordern wir eine sofortige Anpassung der Kontaktbeschränkungen für Kinder. Einzelne private Kontakte zu Gleichaltrigen unter Aufsicht Erwachsener müssen explizit erlaubt werden. Spielplätze, Parks und große Wiesen müssen unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln wieder geöffnet werden, um Bewegung und Naturerfahrung für alle Kinder zu ermöglichen. 

Zur Überbrückung muss die Bundesregierung für betroffene Familien eine außerordentliche Elternzeit einschließlich Elterngeldzahlungen bereitstellen. Höhe und Bedingungen dieser Elterngeldbezüge können sich an den bereits bestehenden und etablierten Regularien des herkömmlichen Elterngeldes orientieren. Dies betrifft insbesondere auch den Kündigungsschutz. Die Dauer des außerordentlichen Elterngeldbezuges muss zeitlich gekoppelt werden an die Dauer der durch die Pandemie bedingten Schließung beziehungsweise des eingeschränkten Betriebes von Kinderbetreuungseinrichtungen. Antragsberechtigt sollen alle Eltern sein, die durch die genannten Maßnahmen einen nicht anderweitig kompensierten Verdienstausfall erleiden. Für Eltern, die aufgrund erheblicher gesundheitlicher Risikofaktoren innerhalb der Familie eine Betreuung in Gemeinschaftseinrichtungen derzeit nicht verantworten können, muss die Möglichkeit weiterer Heimbetreuung/Homeschooling gegeben sein. 

Initiatorinnen:

Sabine Kohwagner, Lektorin
Alexandra, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin
Anne, Mikrobiologin
Barbara Theiß, IT-Projektleiterin
Birthe, Staatswissenschaftlerin
Carina, Biologin, Medical Writer
Carola Schneider, Leiterin Kommunikation und Innovation
Elisabeth Englram, Ärztin
Franziska Nixdorf, Mitarbeiterin Treasury
Heike, Vermessungsingenieurin
Inga, Bürofachkraft
Inga, Energieingenieurin
Jen, Mechanikerin
Julia, Physikerin
Julia, Sozialpädagogin
Karin, Buchhalterin
Sarah Schiersch, Risikocontrollerin
Silvia, Bauingenieurin
Stefanie Bealek, Humanwissenschaftlerin
Stephanie Schläfer, Sozialpädagogin
Vera, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin

Foto: Pompur Photography

Unterstützt von:
Familylab
Diana Faust
Deutscher Kitaverband
Prof. Dr. Peter Dabrock
Prof. Dr. Matthias Keller

[1] https://sync.academiccloud.de/index.php/s/MBO8UMvnCSwNOZe

[2] https://www.foermig.uni-hamburg.de/pdf-dokumente/spracherwerb.pdf

[3] http://www.oecd.org/berlin/publikationen/the-pursuit-of-gender-equality.htm

[4] https://de.statista.com/themen/5182/alleinerziehende-in-deutschland/

[5]https://www.theatlantic.com/international/archive/2020/03/feminism-womens-rights-coronavirus-covid19/608302/

[6]https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/infektiologe-ueber-kinder-als-verteiler-der-coronaviren-16728001.html

[7] https://www.sst.dk/da/Nyheder/2020/Er-det-forsvarligt-at-skoler-og-dagtilbud-aabner_

[8]https://www.waz.de/leben/coronavirus-mehr-kranke-nach-schuloeffnung-nicht-zwingend-id228929375.html

[9]https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S235246422030095X

[10]https://www.zusammengegencorona.de/informieren/covid-19-bekaempfen-arzneimittel-impfstoffe-und-immunitaet/

[11] https://www.sst.dk/da/Udgivelser/2020/Genaabning-af-dagtilbud

[12] https://www.sst.dk/da/Udgivelser/2020/Genaabning-af-skoler



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