Differenzierte Lösungen für Bildung und Betreuung von Kita Kindern trotz Corona - jetzt!

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[English version below]

Als Mama von zwei Kita Kindern, die seit 4 Wochen im Homeoffice zwischen Arbeitsverpflichtung und Kinderbetreuung balanciert, war die Verkündung des weiteren Vorgehens in der Corona Krise am 15.4.20 ein herber Schlag. Zu den Kitas hieß es nur: Die bleiben erst mal zu. Den Kindern seien die Hygienevorschriften nicht zuzumuten. Und die Eltern müssten nun "leider weiter Verzicht üben, das sei notwendig".

So sehr ich verstehe und befürworte, Lockerungen nicht übereilt zu beschließen, so schockierend finde ich, dass hier so viele Faktoren keine Berücksichtigung finden: Dass eine Kita für die Kleinsten nicht nur Betreuungs-, sondern auch wichtige Bildungseinrichtung ist, die Eltern in der Doppelbelastung Homeoffice und Kinderbetreuung nicht kompensieren können. Dass für die Kleinsten nach so langer Zeit eine erneute Eingewöhnung nötig sein wird, die nicht so leicht abzudecken sein wird für die Kitas bei so vielen Kindern gleichzeitig. Geschweige denn für die Eltern, die dafür erneut Zeit einplanen müssen. Dass die Vorschüler den Schulkindern, die auf weiterführende Schulen wechseln sollen nach den Sommerferien, gleich gestellt sind und eine Vorbereitung auf eine Lernsituation mit 20-30 Kindern nicht allein am heimischen Esstisch erfolgen kann.

Auch für Kita Kinder müssen differenzierte Lösungen her:

  • Warum sollte es nicht möglich sein, einzelne Altersgruppen in festen Kleingruppen nach und nach wenigstens stundenweise und an verschiedenen Tagen der Woche zu betreuen? Rollierend, unterbrochen durch Desinfektionsphasen?
  • Wieso nicht auf ambulante therapeutische Einrichtungen (z. B. Logopädische Praxen) oder andere soziale Einrichtungen zurückgreifen, um die Kapazitäten für die Betreuung in Kleinstgruppen auszubauen? 

In diversen Stellungnahmen, Studien und Artikeln setzen sich führende Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik ebenfalls für eine differenzierte Betrachtung der Thematik ein (siehe nachfolgende Linkliste) und zeigen auf: Das kreative Lösungspotenzial ist sicher noch lange nicht erschöpft. Man muss sich nur mal Gedanken machen. Und zwar - jetzt.

Kommentar zur Ad‐Hoc‐Stellungnahme der Nationalen Akademie der  Wissenschaften Leopoldina „Coronavirus‐Pandemie – Die Krise nachhaltig überwinden“ vom 13 .04.2020: Unterzeichnet von 43 Wissenschaftlerinnen; Fazit: “Bei der Umsetzung wird man den tatsächlichen Bedarf der Familien ebenso wie die Möglichkeiten der einzelnen Einrichtung berücksichtigen müssen, was mit neuen Herausforderungen verbunden sein wird. Diese lassen sich aber nicht dadurch bewältigen, dass gerade die Jüngsten über einen langen Zeitraum von institutioneller Betreuung ausgeschlossen und damit gerade Familien mit sehr jungen Kindern besonders belastet werden.”

ZEIT Interview mit Mareike Kunter, Psychologin und Initiatorin des Kommentars zur Ad-Hoc-Stellungnahme der Leopoldina: “Auf Dauer sind solche Belastungen nicht auszuhalten”

Der Tagesspiegel Interview mit Prof. Dr. h.c. Jutta Allmendinger, Präsidentin des WZB: Kritik an Leopoldina-Empfehlung „Das Wohlergehen der Frauen wird nicht adressiert“

taz Interview mit Grünen-Chefin Annalena Baerbock: „Es ist nicht easy-peasy“Der Kita-Notbetrieb muss ausgeweitet werden, um Kinder nicht sozial zu isolieren, sagt Annalena Baerbock. Zudem fordert sie ein Corona-Elterngeld.

Kommentar von Jan-Martin Wiarda: Die Politik lässt die Kinder in der Krise allein. “Die Kitas bleiben zu, möglicherweise noch monatelang. Für die Art, wie die Regierungschefs die Einschränkungen für die Kleinsten und ihre Familien durchziehen, gibt es keine Rechtfertigung. Auch nicht wissenschaftlich.”

The parents are not all right: The author describes her personal struggle that is the struggle of so many families at the moment. Even in the most privileged households, the pandemic is exposing the farce of how society treats families.


FAZ Interview mit Infektiologe Johannes Hübner (Paywall): Kinder verbreiten die Viren wahrscheinlich eher seltener. “Sind Kinder wirklich die „Superverteiler“ der Coronaviren, wie bislang angenommen? Der Infektiologe Johannes Hübner über die Ausbreitungswege von Sars-CoV-2 und eine vorsichtige Öffnung von Kitas und Grundschulen."

-------------------    ENGLISH VERSION ---------------------

As the mum of two KITA children, who has been balancing between her work obligations and child care in her home office for 4 weeks, the announcement of the further course of action in the Corona crisis on 15.4.20 was a bitter pill to swallow. The only thing that was said about the KITAs was that they would remain closed for the time being. The children could not be expected to comply with the hygiene regulations. And the parents now had to "unfortunately continue to do without, that is necessary".


As much as I understand and am in favour of not rushing to relax the rules, I find it shocking that so many factors are not taken into account here: The fact that a KITA for the youngest children is not only a care facility but also an important educational institution, which parents cannot compensate for with the double burden of working from home and childcare. That after such a long time, the youngest children will have to get used to it again, which will not be so easy to cover for the KITAs with so many children at the same time. Not to mention for the parents, who will have to allow time for this again. The fact that the preschoolers are on an equal footing with the school children who are to move on to secondary schools after the summer holidays and that preparation for a learning situation with 20-30 children cannot take place at the dining table at home alone.

There must also be differentiated solutions for KITA children:

  • Why shouldn't it be possible to look after individual age groups in fixed small groups, at least by the hour and on different days of the week? Rolling, interrupted by disinfection phases? 
  • Why not fall back on rooms in therapeutic facilities (e.g. speech therapy practices) or other social institutions to expand the capacity for care in small groups? 

Leading experts in Science, Economy and Politics are also supporting these ideas and vote for a differentiated view on the topic (please see the literature links in the German text above) and highlight: The creative solution potential is certainly far from exhausted. One only has to think about it. And that is - now.