Rettet den Schwerpunkt – Verbesserung der Jurist*innen-Ausbildung

0 haben unterschrieben. Nächstes Ziel: 1.500.


Als Bundesverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften e.V. (BRF) sprechen wir uns für den Bedeutungserhalt des Schwerpunktes in seiner jetzigen Form aus. 

Im Wintersemester 2003/2004 wurden die Schwerpunktbereiche (SPB) als Teil der universitären Ausbildung von Jurist*innen eingeführt. Nach dem Bericht des Ausschusses der JuMiKo zur Koordinierung der Juristenausbildung (KOA) aus dem Herbst 2016 soll die Note der SPB-Prüfung in Zukunft nur noch zu 20 % statt 30 % in die Gesamtnote des ersten Examens einfließen. Damit ginge eine Reduktion des Studienumfangs im SPB von bisher 16 – 20 Semesterwochenstunden (SWS) auf 10 – 14 SWS einher. Der Schwerpunkt soll also grundsätzlich an Bedeutung verlieren. Der KOA-Bericht ist aktuell entscheidender Dreh- und Angelpunkt der politischen Diskussion und wurde bereits durch die JuMiKo am 17. November 2016 zur Kenntnis genommen. Für eine solche Reduktion müsste § 5d Abs. 2 des Deutschen Richtergesetzes (DRiG) auf Bundesebene geändert werden.

Das Jurastudium besteht nach § 5a DRiG aus dem Pflichtfachteil und einem SPB-Teil. Der Pflichtstoff bietet kaum, bis keinen Spielraum für eine individuelle Schwerpunktsetzung. Viele Studierende oder auch Studieninteressierte schreckt diese starre Form des Studiums ab und könnte ein Grund für die hohen Abbruchquoten darstellen. Ein Lichtblick ist dabei häufig der SPB. Jede juristische Fakultät im Bundesgebiet bietet verschiedene Schwerpunkte an. Studierende können sich umfassend informieren und legen selbst fest, welchen Schwerpunkt sie schließlich wählen möchten. Mit der Wahl kann den verschiedenen Interessen der Studierenden – von Arbeitsrecht und Gesellschaftsrecht, Grundlagen des Rechts, Umweltrecht bis hin zur Kriminologie – Rechnung getragen werden. Der Schwerpunkt wird später im Examenszeugnis gesondert ausgezeichnet und ist somit auch für potenzielle Arbeitgeber*innen als solcher erkennbar. Die Honorierung der SPB-Prüfung in der Gesamtnote des Examens von aktuell 30 % bietet einen wichtigen Studienanreiz für Jurastudierende. Ein Großteil der juristischen Fakultäten räumt dem SPB einen Umfang von 16 bis 20 SWS ein und nimmt individuelle Interessen der Studierenden ernst. Unterschiede zwischen den Fakultäten könnten hierbei durch einen gesetzlichen Mindestumfang reduziert werden, um dem SPB bundesweit die gleiche Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Eine Reduktion des Studienumfangs im SPB würde Studierenden im Ergebnis weniger Zeit für ihr individuelles Interessenfeld einräumen und damit auch eine mögliche erste berufliche Spezialisierung erschweren. Im späteren Berufsleben müssen sich Jurist*innen meist ohnehin auf bestimmte Rechtsgebiete spezialisieren, wobei der SPB die einzige Chance im Studium für eine erste Orientierung bietet, ohne zugleich eine unwiderrufliche Entscheidung für die Zukunft darzustellen. Der Pflichtstoff würde bei einer Entwertung des SPB noch mehr als ohnehin schon das Studium dominieren und die individuelle Freiheit der Studierenden deutlich sinken.

Die Wissenschaft ist entscheidender Bestandteil der juristischen Ausbildung. Ein rechtswissenschaftliches Studium an einer Universität darf sich nicht allein auf die Rechtskunde beschränken, sondern muss umfassender, kritischer und grundlegender ansetzen. Auch Reflexion und kritisches Hinterfragen des Gelernten muss ein obligatorischer Bestandteil des Studiums sein. Nur im SPB ist es möglich sich vertieft wissenschaftlich mit einem speziellen Themenbereich auseinanderzusetzen. Der SPB muss daher als Kern der Wissenschaftlichkeit im Studium in vollem Umfang erhalten werden. Auch die veränderten Studienbedingungen mit kleineren Seminargruppen führen zu einem breiten und kritischen Diskurs mit Professor*innen. In diesem Format werden Studierende, die sich in großen Vorlesungen mit bis zu 500 Zuhörenden zurückhalten, ermutigt Fragen zu stellen. Wir müssen die Wissenschaftlichkeit im Jurastudium erhalten. Ohne einen umfassenden SPB scheint dies kaum möglich. Es besteht durchaus Reformbedarf im Jurastudium, allerdings trägt eine Entwertung des SPB nicht zu einer progressiven Entwicklung bei.



Heute: Bundesverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften e.V. verlässt sich auf Sie

Bundesverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften e.V. benötigt Ihre Hilfe zur Petition „Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz: Erhaltet den Schwerpunkt als bedeutenden Teil der juristischen Ausbildung in Deutschland”. Jetzt machen Sie Bundesverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften e.V. und 1.209 Unterstützer/innen mit.