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#AbortionInCrisis - Sicherer Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen auch in der Corona-Krise

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#AbortionInCrisis – Sicherer Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen auch in der Corona-Krise

Wir sind Mitglieder des feministischen Kollektivs Stimmrecht gegen Unrecht, welches sich seit 2018 für Abtreibungsrechte in Deutschland einsetzt. In unserer Agenda vereinen wir online und offline Protest, um so den Bogen zwischen einer jungen Generation und der Politik zu schlagen. In öffentlichen Kampagnen und Gesprächen mit verschiedenen Bundesministerien fordern wir seit unserer Gründung einen gesicherten Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen – ein Anliegen, das in der jetzigen Krise noch akuter geworden ist.
Deshalb fordern wir die Politik auf, den sicheren und niederschwelligen Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen auch in der Corona-Krise zu gewährleisten!

Denn wer ungewollt schwanger ist, kann nicht warten, bis die Pandemie vorüber ist. Der Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen ist in Deutschland schon ohne Pandemie schwierig, aufgrund der aktuellen Krise ist der Zugang akut gefährdet.
#AbortionInCrisis

Wir fordern den sicheren Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen durch vier konkrete Maßnahmen:

1. Schwangerschaftsabbrüche müssen als notwendige medizinische Leistungen im Sinne der Pandemiebestimmungen für medizinische Einrichtungen anerkannt werden!

2. Die Beratungspflicht und die Wartezeit müssen ab sofort und für den kommenden Zeitraum ausgesetzt werden. Falls das nicht möglich ist, muss eine anerkannte Beratung über Video oder Telefon für alle zugänglich gemacht werden. Zu unterscheiden von einer Beratungspflicht ist das Beratungsrecht, das immer und kontaktlos gewährleistet sein muss

3. Eine niederschwellige und ausgeweitete Kostenübernahme von Schwangerschaftsabbrüchen, indem: 
- kontaktlose und unbürokratische Lösungen geschaffen werden (z.B. Online-Anträge für Kostenübernahme bei den Krankenkassen)
- bei Kostenübernahme für einkommensschwache Personen die aktuelle Lage berücksichtigt wird, z.B. bevorstehender Verlust des Einkommens

4. Der sogenannte Home-Use von medikamentösen Schwangerschaftsabbrüchen mit telemedizinischer Begleitung muss geprüft und offiziell erlaubt werden (nach den Richtlinien der WHO). 

Unsere Forderungen stehen nicht im luftleeren Raum, sondern sind eingebettet in aktuelle Umstände, welche ein sofortiges Handeln unumgänglich machen (vgl. pro familia 07.04.2020). Schwangerschaftsabbrüche sind ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Grundversorgung. Sie müssen auch in Krisensituationen zugänglich sein. Auch in der aktuellen Corona-Krise wird es zu ungewollten Schwangerschaften kommen, vermutlich sogar zu mehr als sonst.
Gleichzeitig werden in einigen Regionen (wie z.B. den Bundesstaaten Texas und Ohio) Schwangerschaftsabbrüche nun komplett verboten – soweit darf es in Deutschland auf keinen Fall kommen!

Viele der Pflichtberatungsstellen sind hier bereits geschlossen oder nur eingeschränkt geöffnet und für schwangere Personen, die sich in Isolation oder Quarantäne befinden, nicht zugänglich. Dasselbe gilt für Praxen und Kliniken, in denen die Eingriffe durchgeführt werden. Schon vor der Corona-Krise gab es in Teilen Deutschlands einen Mangel an Einrichtungen, in denen Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen werden. Das Problem wird noch verstärkt, wenn Praxen wegen Erkrankung oder Quarantäne von medizinischem Personal schließen müssen, oder wenn Krankenhäuser die Eingriffe wie andere Operationen verschieben (vgl. DIE LINKE Bayern 01.04.2020). Schwangerschaftsabbrüche sind an bestimmte Fristen gebunden, die durch die aktuelle Lage und die genannten Probleme nicht eingehalten werden können (vgl. Doctors for Choice Germany 22.03.2020). 

Außerdem steigen in Krisensituationen die Fälle von sexualisierter Gewalt gegen Frauen und andere marginalisierte Geschlechter durch ihre Partner oder andere Mitglieder ihres Haushalts weiter an. Durch die gebotene häusliche Isolation sind Betroffene häufiger als sonst den Tätern ausgesetzt (vgl. Deutscher Frauenrat 30.03.2020). Somit werden hier die Fälle von ungewollten Schwangerschaften unumgänglich steigen. Durch massenweise steigende Arbeitslosigkeit und plötzliche Einkommenseinbuße durch die Corona-Krise ist es vielen nun erschwert, die Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch selbst zu übernehmen. Die Kostenübernahme durch die Krankenkassen ist an strenge Voraussetzungen gebunden, die nicht jede Person, die tatsächlich finanzielle Hilfe benötigt, nachweisen kann (vgl. taz, 26.03.2020) Der Verlust des Einkommens führt außerdem genauso wie Lieferengpässe dazu, dass derzeit weniger Menschen sicheren Zugang zu Verhütungsmitteln haben. Auch das wird zu einem Anstieg ungewollter Schwangerschaften führen. Abgesehen von diesen verschärfenden Faktoren kann es immer, auch bei korrekter Verhütung, zu ungewollten Schwangerschaften kommen.

Die Politik fordert bereits an vielen Stellen unbürokratische Lösungen – lasst uns das auch auf Schwangerschaftsabbrüche übertragen! Nutzt euer Stimmrecht gegen Unrecht! Denn jeder Mensch hat ein Recht auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung. Auch oder gerade in Zeiten einer globalen Krise.

#AbortionInCrisis