Petitioning Bundesminister Dirk Niebel (FDP)

Bundesminister Dirk Niebel (FDP): Stoppen Sie den Kreislauf von Armut und Behinderung!

Seitdem ich die Geschichte der kleinen Hilda aus Peru hörte, muss ich oft an das neunjährige Mädchen denken. Hilda wurde aufgrund ihrer Behinderung weggesperrt. Als die CBM sie im Alter von sechs Jahren fand, hatte Hilda das Tageslicht noch nie gesehen. Sie konnte nicht laufen, nicht kommunizieren und war stark unterernährt. Dank der Hilfe der CBM besucht die Neujährige heute einen Kindergarten und wird schon bald zur Schule gehen. Ihr geht es gut – doch Millionen Menschen mit Behinderungen haben extrem schlechte Zukunftsperspektiven.

Weltweit haben eine Milliarde Menschen eine Behinderung, 80 Prozent von ihnen leben in Entwicklungsländern. Dort bilden Behinderung und Armut oftmals einen verhängnisvollen Kreislauf: Wer mit einer Behinderung lebt, hat schlechtere Bildungschancen, findet schwer Arbeit und wird sozial oft ausgegrenzt. Extreme Armut ist die häufige Folge. Gleichzeitig sind arme Menschen öfter von Behinderungen betroffen: Jeder fünfte Mensch, der in extremer Armut lebt, hat auch eine Behinderung. Ursachen dafür sind Mangelernährung in der Schwangerschaft oder Krankheiten und Verletzungen, die in Entwicklungsländern oft nicht behandelt werden.

Ohne Hilfe können sich die Betroffenen kaum aus diesem Kreislauf befreien. Daher brauchen sie Menschen an ihrer Seite, die sich gemeinsam mit ihnen dafür einsetzen, dass sie die gleichen Rechte und Chancen wie Menschen ohne Behinderungen erhalten. Dieses Ziel ist in weiter Ferne. Denn bei vielen politischen Beschlüssen zur internationalen Entwicklungszusammenarbeit werden Menschen mit Behinderungen schlicht vergessen.

Anlass unserer Petition ist die UN-Generalversammlung am 25. September 2013 in New York. Dort werden die 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen die globalen Entwicklungsziele ab 2015 verhandeln, um Armut und soziale Ungleichheit auf der ganzen Welt zu bekämpfen. Bislang wurden Menschen mit Behinderungen in den gemeinsamen Entwicklungszielen nicht berücksichtigt!

Wir fordern die Bundesregierung daher auf, sich dafür einzusetzen, dass bei der Formulierung der zukünftigen Entwicklungsziele Menschen mit Behinderungen explizit genannt werden. Dieser Forderung verleihen wir Nachdruck, indem wir im September die gesammelten Unterschriften an Dirk Niebel, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, übergeben. Damit endlich alle Menschen mit Behinderungen eine Zukunftsperspektive erhalten – genau wie die kleine Hilda.

Bitte schließen Sie sich unserer Forderung an und unterschreiben Sie diese Petition. Machen Sie mit uns gemeinsam den ersten Schritt, um den Kreislauf von Armut und Behinderung zu stoppen!

Am 3. September – drei Wochen vor der UN-Generalversammlung in New York – übergeben wir in Berlin alle Unterschriften an Bundesminister Dirk Niebel.

 

 

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Häufige Fragen:

Warum gibt es einen Kreislauf von Armut und Behinderung?

Armut und Behinderung bedingen einander. Einerseits sind Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern häufig von Armut betroffen. Sie haben keinen Zugang zu Bildung, Arbeit oder Gesundheitsdiensten. Die Folge: Sie können keinen Beruf ausüben, um sich und ihre Familie zu ernähren und verarmen. Andererseits führt Armut oft zu Behinderung: Die Ursachen dafür sind Mangelernährung in der Schwangerschaft oder Krankheiten und Verletzungen, die in Entwicklungsländern oft nicht behandelt werden können. So entsteht ein Kreislauf, aus dem sich die Betroffenen oft nicht alleine befreien können.

Menschen mit Behinderungen in der Entwicklungszusammenarbeit berücksichtigen – was heißt das konkret?

Das heißt, dass bei allen Maßnahmen zur Armutsbekämpfung die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen gezielt gefördert werden. Schulen werden barrierefrei gebaut, um Kindern im Rollstuhl den Schulbesuch zu ermöglichen. Öffentliche Anlagen wie Brunnen, Toiletten und auch Wahllokale sind ohne Stufen erreichbar. Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger, Lehrerinnen und Lehrer lernen in ihrer Ausbildung die Gebärdensprache. Auf diese Weise können Menschen mit Behinderungen endlich ihre Rechte und Chancen wahrnehmen und werden als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft akzeptiert.

Was bewirkt meine Unterschrift?

Mit Ihrer Unterschrift fordern Sie die Bundesregierung auf, sich auf dem UN-Gipfel in New York am 25. September für Menschen mit Behinderungen einzusetzen. Jede Unterschrift zählt! Wenn wir eine beeindruckende Zahl an Unterschriften sammeln, wird unser Anliegen ernst genommen und wir können die Haltung der Bundesregierung beeinflussen. Die starke Position Deutschlands in der europäischen Entwicklungspolitik kann wiederum bewirken, dass sich andere EU-Länder der Forderung anschließen. Ihre Stimme hat also Gewicht – bitte machen Sie mit!

Unsere Vorschläge und Forderungen im Einzelnen finden Sie hier: www.cbm.de

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Wenn Sie mehr zum Thema lesen möchten:

1. Positionspapier der International Disability Alliance und des International Disability and Development Consortium zu den Entwicklungszielen nach 2015 (Englisch) : www.internationaldisabilityalliance.org

2. Detaillierte Vorschläge und Forderungen der CBM zum den Entwicklungszielen nach 2015 www.cbm.de

 

Letter to
Bundesminister Dirk Niebel (FDP)
Stoppen Sie den Kreislauf von Armut und Behinderung!

Sehr geehrter Herr Niebel,

eine Milliarde Menschen haben eine Behinderung, 80 Prozent davon leben in Entwicklungsländern. Die Mehrheit dieser Menschen ist in einem Kreislauf von Armut und Behinderung gefangen. Die Entwicklungspolitik berücksichtigt diese Menschen nicht ausreichend.

Deshalb fordere ich Sie mit meiner Stimme dazu auf, Menschen mit Behinderungen in alle Maßnahmen der Entwicklungspolitik mit einzubeziehen. Beauftragen Sie den Vertreter der Bundesregierung, sich bei der UN-Generalversammlung am 25. September in New York dafür einzusetzen, dass Menschen mit Behinderungen in den Entwicklungszielen nach 2015 explizit berücksichtigt werden. Alle Ziele sollten inklusiv gestaltet sein mit spezifischen Indikatoren für Menschen mit Behinderungen.

Denn der Kampf gegen Armut und soziale Ungerechtigkeit kann nur dann Erfolg haben, wenn Menschen mit Behinderungen endlich die gleichen Rechte und Chancen wie Menschen ohne Behinderungen erhalten – weltweit!