An die neue Bundesregierung: Verabschieden Sie ein wirksames Insektenschutzgesetz!

An die neue Bundesregierung: Verabschieden Sie ein wirksames Insektenschutzgesetz!

0 haben unterschrieben. Nächstes Ziel: 1.000.
Bei 1.000 Unterschriften wird die Petition mit höherer Wahrscheinlichkeit in den Empfehlungen gelistet!
Global Nature Fund (GNF) hat diese Petition an Bundeskanzler Scholz und gestartet.

Als internationale Stiftung für Natur- und Umweltschutz setzen wir uns beim Global Nature Fund (GNF) für den Schutz von Käfern, Schmetterlingen, Bienen und anderen Insekten ein. Was sich auf unseren Wiesen und Feldern, in Wäldern und Städten abspielt, macht uns große Sorgen:

Drei Viertel der Menge an Fluginsekten sind in den letzten 30 Jahren in Deutschland verlorengegangen! Und auch um die Artenvielfalt steht es schlecht: 17 Prozent unserer Schmetterlinge sind in ihrem Bestand gefährdet oder bereits ausgestorben, bei den Wildbienen ist es mehr als die Hälfte. Schuld ist vor allem die intensive Landwirtschaft mit ungebremstem Pestizideinsatz und ausgeräumten Flächen. Damit schneiden sich Landwirtschaft und Lebensmittelsektor ins eigene Fleisch: Die allermeisten Nahrungs­mittelpflanzen sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Ohne Bestäuber keine Lebensmittel.

Aber nicht nur Ökosysteme und Artenvielfalt sind bedroht – langfristig geht es auch um unsere Ernährungssicherheit. Im Sommer 2021 hat die Große Koalition ein Insektenschutzpaket verabschiedet. Leider wurden die ursprünglich ambitionierten Ziele aufgeweicht und Interessen aus Wirtschaft und Politik geopfert. Deshalb richten wir den dringlichen Appell an die neue Bundesregierung: Werden Sie einer ökologischen Politik gerecht, die unsere ökonomischen Lebensgrundlagen sichert – und schützen Sie die Insekten!

Die neue Ampelkoalition tritt an, um Ökologie und Ökonomie in unserem Land zukunftsfähig zu gestalten. Herr Scholz, Frau Lemke, Herr Özdemir – hier ist Ihre Gelegenheit: Stellen Sie die Ampel auf Grün für ein verbessertes Insektenschutzgesetz, das diesen Namen wirklich verdient, indem es …

1. das Glyphosat-Aus rasch umsetzt

Das Pflanzenvernichtungsmittel Glyphosat wurde von der Internationalen Krebsforschungsagentur, einer Behörde der Weltgesundheitsagentur WHO, als „wahrscheinlich krebserregend“ für Menschen eingestuft. Studien legen auch nahe, dass es das Immunsystem von Bestäubern wie Bienen massiv schädigt und sie schneller sterben lässt. Ein EU-weites Verbot von Glyphosat ist überfällig. Es wird seit Jahren von einer agrarchemischen Industrie verhindert, die v.a. ihren Profit im Blick hat. Das schwache Insektenschutzpaket der alten Großen Koalition tut so, als sei der Glyphosatausstieg ab 2024 in Deutschland beschlossen. Über eine Zusatzformulierung in der Pflanzenschutzanwendungs-Verordnung könnte dieser Termin aber verschoben werden, wenn die EU (darunter Deutschland als bislang treibende Kraft) die Zulassung verlängert. Unsere Forderung an die Ampel-Parteien: Machen Sie Schluss mit dem Eiertanz um das Pflanzengift und verbieten Sie Glyphosat, um den Verlust der Insektenvielfalt aufzuhalten.

2. eine umfassende Definition von biodiversitätsschädigenden Pestiziden vornimmt

Eine Bienenschutzverordnung, in der selbst hochgiftige Neonicotinoide als „nicht bienengefährlich“ eingestuft werden, bietet keinen angemessenen Insektenschutz. Genauso wichtig wie die Reduktion der eingesetzten Menge ist eine Reduktion der schädlichen Auswirkungen von Pestiziden. Das erreicht man am einfachsten, indem besonders kritische Wirkstoffe und Mittel verboten bzw. deren Anwendungen stark eingeschränkt werden. Als fachliche Grundlage für die Identifizierung dieser Giftstoffe muss die Liste der hochgefährlichen Pestizide von PAN (Pesticide Action Network) genutzt werden.

3. Gewässerrandstreifen umfassend schützt

Im Aktionsprogramm Insektenschutz war eine bundeseinheitliche Regelung für den Schutz von Gewässer­randstreifen vorgesehen: An Gewässern sollten im Abstand von zehn Metern keine Pflanzenschutz- und Düngemittel ausgebracht werden dürfen. Das ist eine äußerst wichtige Maßnahme, um Gewässer, die für die Artenvielfalt von Insekten besonders wichtig sind, von Giften frei zu halten. Das aktuelle Insektenschutzgesetz sieht fatalerweise Länderöffnungsklauseln vor. Diese Schlupflöcher ermöglichen es Bundesländern, selbst zu entscheiden und den Schutz von Randstreifen abzuschwächen – deshalb müssen sie geschlossen werden.

4. Lichtverschmutzung bekämpft

Insekten werden von künstlichem Licht verwirrt und kommen dadurch zu Tode. Statt besonders insekten­gefährliche Lichtquellen zu regulieren, beispielsweise „Himmelsstrahler“ oder Insekten-Lichtfallen, schafft das Insektenschutzgesetz der alten Bundesregierung eine Ermächtigungsgrundlage, die Verbote nur in Aussicht stellt, statt sie rasch zu beschließen und umzusetzen.

5. Insektenschutz nachhaltig in die Fläche bringt

Insektenschutz ergibt nur dann Sinn, wenn er großflächig wirksam wird. Auf vielen landwirtschaftlichen Anbauflächen und im Obst-, Gemüse-, Wein- und Ackerbau darf weiter gespritzt werden. Der NABU hat ausgerechnet, dass das aktuelle Insektenschutzgesetz nur 0,5 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche betrifft! Und selbst in Naturschutzgebieten, Nationalparks und anderen Schutzzonen sieht es – anders als geplant – kein umfassendes Verbot von Herbiziden und Insektiziden vor, die schlecht für die Biologische Vielfalt sind.

6. Effektive Förderprogramme einrichtet

Landwirte und Landwirtinnen dürfen mit zusätzlichen Kosten und möglichen Ertragseinbußen nicht alleine gelassen werden. Allerdings dürfen öffentliche Gelder nur noch für eine naturverträgliche Herstellung von Lebensmitteln fließen. Mehr denn je braucht es jetzt eine staatliche Steuerung, die öffentliche Fördergelder für die Landwirtschaft viel stärker als bisher an die Erbringung von Umweltleistungen und Insektenschutz knüpft. Dabei ist es besonders wichtig, dass in Zukunft Förderprogramme nicht nur einen finanziellen Ausgleich für Ertragseinbußen oder zusätzliche Arbeit beinhalten, sondern auch eine finanzielle Anreizkomponente für die Betriebe.

An die neue Bundesregierung: Setzen Sie rasch ein verbessertes Insektenschutzgesetz um! Nur so kann eine umfassende ökologische Veränderung der Landwirtschaft gelingen.

An die Menschen, die unsere Petition lesen: Bitte unterstützt unsere Forderungen mit eurer Stimme! Wenn wir jetzt Druck machen, haben wir eine Chance auf eine Land- und Lebensmittelwirtschaft, die gemeinsam mit Bürger*innen in Deutschland eine ökologisch bewusstere Zukunft gestaltet, Biologische Vielfalt und unsere Ernährung sichert. Herzlichen Dank!

Euer Team des Global Nature Fund

P.S.: Als gemeinnützige Stiftung ist der Global Nature Fund auf Spendengelder angewiesen, um wirksam für eine nachhaltige Gesetzgebung zum Schutz von Insekten, Biodiversität und Ernährungssicherheit eintreten zu können. Die Menschen, die dort jeden Tag ihr Bestes für den Erhalt einer lebendigen, lebenswerten Natur und Umwelt geben, sind euch für eure Unterstützung sehr dankbar: www.globalnature.org/de/spende

0 haben unterschrieben. Nächstes Ziel: 1.000.
Bei 1.000 Unterschriften wird die Petition mit höherer Wahrscheinlichkeit in den Empfehlungen gelistet!