Nein zur Verunglimpfung des albanischen Kulturguts!

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Hallo liebe Community, aufgrund dessen, weil eine Journalistin Namens Dafina E., welche für die Schweizer Zeitung «Blick» berichtet, in der jüngeren Vergangenheit mit unprofessioneller Berichterstattung dazu beigetragen hat, dass unser Kulturgut «der Kanun» geschmäht wurde und für die häusliche Gewalt gegenüber Frauen, gesondert bei uns Albanern verantwortlich gemacht wird, möchte ich eine Petition gegen ihre Berichterstattung starten. Ihr seid alle dazu eingeladen, mitzumachen. Hier geht es nicht um Verleugnung solcher Geschehnisse und auch nicht darum solche Geschehnisse unter den Teppich zu kehren. Es geht viel mehr darum, aufzuzeigen, dass dies kein albanisches Problem, sondern ein allgemeines Problem ist. Zudem geht es darum, dass unser Volk herabgesetzt wird und mit Gewalt gegen Frauen assoziiert wird, obwohl unser Kulturraum im allgemeinen dem patriarchischen Lebensstil abgeschworen hat und eher vom westlichen Lebensstil geprägt ist. Das es sowas bei uns gibt, streiten wir nicht ab, doch was wir abstreiten, ist dass es bei uns als Ehrentat und als selbstverständlich betrachtet wird. Zudem streiten wir ab, dass ein wichtiges Kulturgut aus der Antike «der Kanun» dafür verantwortlich ist, dass jemand in der Schweiz seine Ex-Lebensgefährtin ermordet. Diese Behauptung trifft nicht zu, da sich dieser Mann in der Vergangenheit stark islamisiert hatte. Der Kanun und der Islam harmonieren nicht, da der Kanun ein Werk aus der christlichen Vergangenheit ist.

Um der ganzen Sache noch ein Stück näher zu kommen, möchte ich einmal erläutern, dass es sich beim Kanun um eben nur ein wahrscheinlich aus der Antike stammendes Kulturgut handelt, welchem vielleicht nicht einmal 5 Prozent der albanischen Bevölkerung nachleben.

Und zwar ist der oder ein Kanun - im Albanischen Gebiet existierten mehrere - als Solches ein Versuch, Bräuche und Sitten festzuhalten und sie aufgrund von fremder Besatzung zu sichern. Wieso es den Kanun gibt, ist damit zu erklären, dass der Kanun eine Antwort der unzugänglichen albanischen Berge, auf die osmanische Besatzung war, welche trotz größter Bemühung und Investitionen auf den albanischen Hochlanden nie Macht ergreifen konnte. Neben der Scharia existierte parallel dazu in den nordalbanischen Bergen, der Kanun. Dort regelte Dieser das Zusammenleben von nordalbanischen Gemeinschaften oder Stämmen - auch «Fisë» genannt. Auf den Gebieten der albanischen Landschaften und Ebenen wurde Dieser, seit der antike mündlich überlieferte Kodex, vom Islamischen Gesetz «der Scharia» verdrängt. Auf den Ebenen folgte ab dem 17. Jahrhundert, fast 400 Jahre großflächige Abstinenz des Kanun, bis unter Enver Hoxha auch auf den Bergen das Leben nach dem Kanun noch zusätzlich erschwert wurde, da alle verfolgt wurden, die den Kanun befolgten. Im Endeffekt ist der Kanun zwar noch nicht komplett ausgestorben, doch stark marginalisiert worden. Heute existiert er nur noch sehr spärlich in verarmten Gegenden im bergischen Norden Albaniens. Im Kosovo, in Süd und Mittelalbanien, sowie großflächig im Norden Albaniens besitzen diese Regeln seit 400 Jahren keinen Einfluss mehr. Das bedeutet, dass es keine Kontinuität zum Kanun gibt. Der Kanun ist lange nichtmehr existent in den albanischen Köpfen. Er existiert nur noch als ein Erbe. Als ein kulturelles Hinterbleibsel.

Gewalt gegen Frauen im Kanun und die Bedeutung der Blutrache

Es ist in der Tat so, dass die Frau laut dem Kanun, innerhalb der Familie des Mannes, keine gesonderte Stellung besitzt oder besaß. Sie wird laut Kanun als Jemand geheiratet, welche nicht der Blutlinie des Mannes entspricht und aus diesem Grund, ihr Blut auch trotz der Heirat bei ihrer Familie lässt. Sie wird als eine Art «Shakull», auf Deutsch «Schlauch» bezeichnet. Ihre einzige Aufgabe ist es die Blutlinie des Mannes zu erweitern und Kinder zu gebären. Sie gilt jedoch auch als wichtiger Bestandteil der Ehre. Sie ist auch wie jede lebendige Person dafür zuständig die Ehre des Hauses zu wahren. Für Menschen aus dem 21. Jahrhundert ist dieses Bild verstörend, jedoch handelt es sich hierbei um ein uraltes Gesetz, hinter welchem auch ein Sinn steckte, der nicht unbedingt gezielte Unterdrückung lautete, insofern die Unterdrückung der Frau, je als ein Problem betrachtet wurde. Der eigentliche Zweck war es die Frau vor Blutracheakten zu schützen, falls die Familie des Mannes in Blutrache verfiel. Bekannt ist auch die Überreichung der Patrone am Hochzeitstag. Dies gilt als ein Symbol der Treue «Besë» des Vaters, der damit dem Bräutigam das Recht gab seine Tochter zu töten, wenn sie ihm seine Ehre nimmt. Wurde die Frau nicht mit dieser einen Kugel hingerichtet, welche bis in den Tod aufgehoben werden musste, fiel der Bräutigam und seine Familie in Blutrache, insofern es sich um eine nicht von der Blutlinie der Frau stammende Kugel handelte. Wenn die Frau ungehorsam zeigte oder das komplette Haus durchmischte, durfte sie geschlagen werden. Wenn das schlagen nicht zum gewünschten Ergebnis führte, durfte der Mann sie aus dem Haus entlassen, doch er musste sie ein Jahr ernähren. Zudem war es auch Legitim das gezahlte Tribut zurückzuverlangen. Diese Regel galt auch für die Mutter. Durchmischte sie das Haus, hatte der älteste Sohn, sofern der Vater nichtmehr lebte das Recht sie zu entlassen und aus der Familie zu verbannen. Doch sie musste ebenfalls bis zu einem Jahr ernährt werden. Da die albanischen Berge keine Gerichte kannten, aber in größeren Gemeinschaften lebten, erfolgten Regelungen wie die Blutrache, welche dazu dienten, das Miteinander zu erleichtern. Mord, Raub, Vergewaltigung und Ehrverletzung wurden mit der Blutrache geschlossen. Die Blutrache durfte praktisch überall verübt werden, ausser in der Kirche und auch nicht im fremden oder eigenen Haus. Sie konnte aber auch ohne Verrichtung geschlossen werden, wenn ein Vermittler die Versöhnung ermöglichte.

Wie man sieht, war der Kanun kein einfach niedergeschriebenes Neandertalergesetz. Er war kompliziert und deckte so gut wie jeden Lebensbereich und -umstand ab. Unterdrückung der Frau, Zwangsheiraten, welche Männer und Frauen betrafen, sowie Blutrache sind nur kleine Bestandteile des Kanuns.