Unterstützen Sie die Erhaltung des Gymnasiums der Theodosius-Florentini-Schule (ehem. MBW)

0 haben unterschrieben. Nächstes Ziel: 2.500.


Am 03.12.2020 wurde die Schulfamilie ohne Vorwarnung darüber in Kenntnis gesetzt, dass der gymnasiale Zweig der Theodosius-Florentini-Schule in Gemünden nicht weitergeführt wird und die aktuelle fünfte bis einschließlich achte Klasse ihr Abitur nicht mehr an dieser Schule absolvieren kann. Dass die einzige kirchliche Schule im Landkreis nicht mehr vom Bistum Würzburg unterstützt wird, war für alle ein Schock. Durch die Schulschließung wird nicht nur das Tor zum Gymnasium geschlossen, sondern auch das Tor zwischen Kirche und Jugend, das immer weit geöffnet sein sollte - gerade in einer Zeit, in der leider viele Kirchenaustritte zu verzeichnen sind. 
Aus diesem Grund wendet sich die SmV im Namen aller SchülerInnen an das Bistum Würzburg. 

Der folgende Brief wird im Laufe dieser Woche  (51. Kalenderwoche) inklusive der Unterschriften an das Bistum Würzburg gesendet werden. 

Auf die obige Kurzfassung folgt der ausführliche Wortlaut: 

Sehr geehrter Herr Bischof Dr. Jung, sehr geehrter Herr Engel, sehr geehrte Bistumsmitglieder, 
auch wir Schülerinnen und Schüler wollen uns zur aktuellen Debatte um die Schulschließung des Gymnasiums der Theodosius-Florentini-Schule zu Wort melden. Es wurde viel diskutiert, von Elterninitiativen berichtet und von Schüler*innen, die Transparente basteln. Doch es geht um viel mehr. Es geht um Klassengemeinschaften – Freundschaften, die auseinandergerissen werden. Um Kinder und Jugendliche, die vor große Fragen und Probleme gestellt werden. Es geht nicht nur um Sparmaßnahmen und Kürzungen, sondern um den Eingriff in Schicksale und Leben. 
Dass der Zeitpunkt für solche Verkündungen denkbar ungünstig ist, haben Sie schon bedauert, doch trotzdem wurden wir in einer besinnlichen Zeit, die auf Nächstenliebe und Gerechtigkeit gründet, mit einer Entscheidung konfrontiert, welche die Schulfamilie vor enorme Herausforderungen stellt und viele Fragen aufwirft. Die Entscheidung, die Theodosius-Florentini-Schule nicht weiter zu unterstützen, kam für die Schulfamilie unerwartet und plötzlich. Ein Gefühl der Machtlosigkeit hat sich ausgebreitet, welches das menschliche Miteinander verändert hat.  

Uns ist bewusst, dass das Bistum zu keinerlei Finanzierung verpflichtet ist. Deshalb wollen wir lediglich appellieren, die Beweggründe für den Beginn der Finanzierung zu reflektieren - wieso haben Sie sich damals dazu entschlossen, das ehemalige MBW mitzufinanzieren? Wieso sind diese Gründe nun nichtig?  


"Ins Wasser fällt ein Stein, ganz heimlich, still und leise, und ist er noch so klein, er zieht doch weite Kreise.”1 Weiter heißt es “Wo Gottes große Liebe in einen Menschen fällt…”2, diese große Liebe, das Wort Gottes, welches durch die Kirchen weitergetragen werden soll, zieht Kreise, berührt Menschen, verändert sie. Doch an einem Punkt ist Schluss. Dann wird der Kreis unterbrochen, die Oberfläche kommt zum Stillstand. Genau da, wo ihre Entscheidung unsere Schule aus diesem Gefüge ausschließt und es ihr nicht mehr ermöglicht, vielen Schüler*innen christliche Werte wie Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Frieden und Akzeptanz zu vermitteln. Diese Werte werden an unserer Schule nicht nur gelehrt, sondern auch gelebt. Aktuelle und ehemalige Schüler*innen vertreten dieselbe Meinung, so auch die Landrätin Sabine Sitter, die berichtet, sie „habe hier viel über Grundwerte und christliche Werte gelernt“3. Werte, die von den jetzigen Schüler*innen in die Welt getragen und von den Ehemaligen an die eigenen Kinder weitergegeben werden, was das bestehende Interesse und die positive Verknüpfung mit der katholischen Kirche sichert. Nicht alle Menschen gehen noch regemäßig in die Kirche, doch in die Schule gehen sie jeden Tag und genau dort kann die Kirche sie noch erreichen.  

 Für uns ist nicht nachvollziehbar, wie die Kirche, deren Ziel das harmonische Miteinander zwischen Gott und den Menschen ist, solch eine schwerwiegende Entscheidung treffen kann. Ein wichtiges Instrument zur Vermittlung christlicher Grundwerte ist der Religionsunterricht. An den meisten staatlichen Schulen wird jedoch verstärkt der Ethikunterricht nachgefragt, auf welchen an der Florentini-Schule bewusst verzichtet wird. So ist es möglich, das katholische Denken und die christlichen Werte intensiver zu vermitteln und die Begeisterung der Jugendlichen für die Kirche zu erwecken und aufrecht zu erhalten. Dies ist gerade in einer Zeit wichtig, in der eine Vielzahl an Kirchenaustritten und somit ein Rückgang der wichtigen Kirchensteuer zu verzeichnen ist4. 
Um dem entgegenzuwirken ist es wichtig, in die Jugend zu investieren, die die Zukunft der Kirche ist. Darum ist es fatal, die einzige kirchliche Schule im Landkreis Main-Spessart zu schließen.  Mit einer Schulschließung lassen Sie nicht nur das Tor des Gymnasiums zufallen, sondern auch eine wichtige Tür, die Sie mit uns Kindern und Jugendlichen verbindet. 


Dies hat wenig mit den Prinzipien und Eigenschaften zu tun, die wir mit der Institution Kirche verbinden.  Wir empfinden die Kirche als eine Institution, die einen erheblichen Beitrag für unsere Gesellschaft und das Gemeinwohl leistet. Umso trauriger ist es für uns, dass in Ihrem Sparkurs zuerst an Bildungsstätten gespart wird, da die Kirchensteuern in erster Linie als „Dienst für Gott an den Menschen“5 eingesetzt werden sollte. Auch durch die Streichung der Gelder der Caritas (-3,5Mio€)6 wird diese These nicht widerlegt. Die Bildungsausgaben des Staates steigen7, im Gegensatz dazu steht das Bistum Würzburg, das Gelder „in einem ersten Schritt“8 im Bereich der Bildung kürzt, bei Einrichtungen, die das Gemeinwohl als Ziel haben. Uns ist bewusst, dass eine Schule ein Verlustgeschäft ist, da hier die Denker von MORGEN ausgebildet werden. Es sind keine Fabriken, die Gewinne verzeichnen oder Unternehmen, die Renditen ausschütten oder Häuser, bei denen man Miete verlangen kann. Es sind lediglich Gebäude, die Kinder beherbergen, die Träume und Fantasie besitzen. Die zu verantwortungsbewussten und weitdenkenden Erwachsenen ausgebildet werden sollen, um die Gesellschaft voran zu bringen.  


Das politische und soziale Handeln in der Gesellschaft wird unter anderem auch in dem angebotenen Sozialkundezweig gelehrt. Dieser ist ein Alleinstellungsmerkmal unserer Schule, da er im Landkreis Main Spessart einmalig ist9. In den letzten Jahren sind die Zahlen für diesen Zweig kontinuierlich gestiegen, da sich immer mehr Schüler*innen für eine sozialpraktische Grundbildung interessieren, die ihnen ein umfassendes politisches Wissen vermittelt und sie auf die politische Realität vorbereiten soll. Den Schüler*innen der Unterstufe ist es nicht mehr möglich, diesen Zweig zu wählen, da sie ihn in der näheren Umgebung nicht weiter belegen könnten. Das nächste sozialwissenschaftliche Gymnasium befindet sich in Aschaffenburg bzw. Würzburg, was bedeutet, dass Schüler*innen aus Gemünden und dem weiteren Einzugsgebiet der Schule eine Fahrzeit von mindestens 90 Minuten auf sich nehmen müssten, um ihre Zweigwahl fortzuführen.  


Durch die Schließung des Gymnasiums geht der Gesellschaft eine Schule verloren, die modernste Ausstattung besitzt und frisch renoviert (2010 - 2013) wurde. Sie bietet große, lichtdurchflutete Räume, ausgestattet mit Apple TVs, Beamern und iPads für jede Lehrkraft. Auch wenn die Realschule vermutlich weiter bestehen wird, werden diese neuen Geräte nicht im selben Umfang genutzt werden können. Das “nicht volle Ausschöpfen” dieser Räume und der Technik wäre im Hinblick auf Schulen, die noch nicht digitalisiert wurden und ärmlichste Ausstattungen besitzen, ein Desaster für die Bildung. Vor allem in Zeiten der Corona-Pandemie, bei der die Digitalisierungsdebatte neue Dimensionen erreicht hat. An unserer Schule war einwandfreies Homeschooling möglich, wovon andere Schulen nur träumen konnten, unter anderem aufgrund der Kommunikationsplattform Schulcloud.

 
Kennzeichnend für unsere Schule ist der familiäre Umgang und die besondere Beziehung der Lehrkräfte zu den Schüler*innen. Die Lehrer*innen sind immer für sie da und unterstützen, wo sie nur können. Wir Schülersprecher*innen können dies nur bestätigen, da wir auf zahlreichen Fortbildungen und Tagungen in der Kommunikation mit anderen Schulen unsere Schulfamilie und das Schulklima schätzen gelernt haben. Es ist nicht selbstverständlich, dass Lehrer*innen und Schüler*innen so respektvoll, freundlich, emphatisch und sensibel miteinander umgehen. Probleme, über die zahlreiche andere Schulen klagen, sind uns nicht bekannt. Dies soll keineswegs eine Beschönigung zu eigenen Zwecken sein, doch wenn Sie einige Tage an unserer Schule miterleben könnten, würden Sie feststellen, dass Vertrauen und Respekt großgeschrieben werden.  


Besonders traurig ist für uns, dass der neuen Leitung der Schule - insbesondere des Gymnasiums - nicht die Chance gegeben wird, ihr Können unter Beweis zu stellen. Die von uns sehr geschätzte vorherige Schulleitung wurde in diesem Jahr abgelöst von einem jungen Schulleitungs- und Verwaltungsteam. Dieser Wechsel war prädestiniert dafür, neuen Schwung zu bringen und die Neugierde der jetzigen Grundschüler zu wecken. Ebenso die Tatsache, dass der Anteil der jungen Lehrer*innen in den letzten Jahren gestiegen ist und zu einem harmonischen Gleichgewicht mir regem Austausch geführt hat, zwischen erfahrenen Lehrkräften und jungen Lehrer*innen mit neuen Methoden.  All diese Faktoren, die Umstrukturierung, sollten der Startschuss für ein anderes TFS-Leben sein. „Sollten” -, da viele Lehrer*innen sich nun um einen neuen Arbeitsplatz bemühen müssen und das Gleichgewicht in Schieflage geraten wird.  


Die Reaktionen der Schüler*innen auf die drohende Schließung waren herzzerreißend und bewegend. Man sah Fünftklässler*innen, vor denen sich ein Abgrund auftat, nachdem sie sich gerade in die Schulfamilie eingelebt hatten, das Gebäude erkundet und neue Freunde gefunden hatten. Die Ungewissheit, was mit ihnen passieren würde, aber auch die Verständnislosigkeit waren zum Greifen nahe. Doch nicht nur in den fünften Klassen flossen Tränen. Auch schon länger bestehende Klassengemeinschaften sollen auseinandergerissen werden und sich auf die umliegenden Schulen verteilen.  
Die richtige Entscheidung für eine weiterführende Schule zu treffen, ist nie einfach, doch nicht alle Fakten zu kennen und sich kurz darauf wieder der Entscheidungsfindung aussetzen zu müssen, ist schlichtweg unfair. Nicht nur die gymnasialen Klassen, auch die Realschüler*innen werden zum Teil vor dieses Problem gestellt, da beispielsweise ein Drittel unserer jetzigen Realschüler*innen der siebten Klasse gymnasialfähig sind10. Viele Eltern berichten, dass die Entscheidung bei ihnen trotzdem auf die Realschule fällt, weil es jederzeit die Möglichkeit zu einem nahezu nahtlosen Wechsel gibt. Da beide Schularten unter einem Dach vereint sind, wäre es nicht nötig, sich an ein anderes Gebäude mit fremden Lehrkräften und Schüler*innen gewöhnen zu müssen. Dieser Aspekt sollte Ihnen als Kirche für den Menschen, für das Individuum, am Herzen liegen, da enge Freundschaften, die sich im Laufe der Zeit gebildet haben, nicht durch einen Schulwechsel auseinandergerissen werden und junge Schülerinnen und Schüler sich von ihrer Kirche nicht im Stich gelassen fühlen sollten. 


Das Engagement der Schülerschaft ist groß und jeder leistet, was er kann. Die Schülerinnen und Schüler hängen an ihren Lehrer*innen, die immer für sie da sind und an dem Gebäude, das zu einem zweiten zu Hause geworden ist. Angesichts der bevorstehenden “Bedrohung” rückt die Schulfamilie enger zusammen als bisher.  Es wird viel diskutiert - klassenübergreifend. Abiturientinnen setzen sich für den Verbleib der Kleineren ein. Weil es um das Individuum geht und um die Existenz der Schule. Um einen Ort, an den man zurückkehren kann, wenn man älter geworden ist und die Sehnsucht nach der Vergangenheit einen übermannt. Weil Schülerinnen und Schüler nicht wollen, dass ihre Vergangenheit gelöscht wird und Menschen getrennt werden, die dort zu Freunden wurden. Dieses große Miteinander wird von Engagement und Solidarität geprägt. 


“Jeder leistet von dem, was er hat. Der eine hat Geld, er gebe den Armen, ein anderer hat die Gabe des Rates, er sei den Nächsten ein guter Führer. Schwerlich lässt sich jemand finden, der nichts hat, womit er andern helfen könnte. Das letzte, nicht geringste, liegt im Spruch des Apostels: ‘Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.’”11 
Möge jeder das finden, mit dem er dem anderen helfen kann. Ein besinnliches Weihnachtsfest! 
Die SMV im Namen der gesamten Schülerschaft 

Quellen:
1,2 : http://liederschatz-bayern.de/html/lied.php?song=17
3: https://www.main-echo.de/regional/kreis-main-spessart/schwerer-schlag-fuer-schueler-und-eltern-art-7186485
4: https://statistik.bistum-wuerzburg.de/
5: Haushaltsflyer der Diözese Würzburg 2020
6: https://www.br.de/nachrichten/bayern/bistum-wuerzburg-caritas-vertreter-gegen-millionen-sparmassnahmen,SHowzYz
7: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Bildungsfinanzen-Ausbildungsfoerderung/_inhalt.html
8: https://www.meincharivari.de/charivari-lokalnachrichten/?artikel=66766
9: https://gymnasium-lohr.de/index.php?option=com_content&view=article&id=9&Itemid=112
http://www.flg-gemuenden.de/schulprofil/
https://www.bng-online.de
https://www.jsg-karlstadt.de/wir-%C3%BCber-uns
10: Jahresbericht 2018/2019 der Theodosius-Florentini-Schule, S.9
11: Aurelius Augustinus (354-430), Bischof von Hippo in Nordafrika, Philosoph, Kirchenvater, Heiliger