Umbenennung der Berliner Pacelli-Allee in Golda-Meir-Allee

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Wir fordern die Umbenennung der Pacelli-Allee in Berlin-Dahlem in Golda-Meir-Allee.

In Berlin-Dahlem wurde bei Straßenbenennungen in den vergangenen über 100 Jahren nur einmal eine Frau geehrt.

Der wesentliche Grund liegt insdes im Handeln des bisher Geehrten, Eugenio Pacelli, Papst Pius XII., das durch die hier gezeigten Beispiele verdeutlicht wird:

  • Pacelli verbreitete über Jahrzehnte antisemitisch-frauenverachtende Bemerkungen.
  • Pius XII. schwieg in breiter Öffentlichkeit lange zu den Verbrechen an den polnischen Katholiken und den Morden am polnischen Klerus.
  • Unzählige deutsche katholische Priester wurden in Konzentrationslager verschleppt oder vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt, ohne dass diplomatische oder öffentliche Proteste des von Pacelli verantworteten Vatikans erfolgten.
  • Nach dem Krieg ermöglichte der Vatikan unter seiner Verantwortung unzähligen NS-Verbrechern die Flucht vor der Justiz, beispielsweise Adolf Eichmann und Josef Mengele.
  • Pacelli stellte Gnadengesuche u.a. für den NS-Täter Arthur Greiser und versprach den in den Nürnberger Prozessen verurteilten NS-Verbrechern Hilfe.

Viele Villen gerade in der heutigen Pacelli-Allee wurden durch antisemitisch-rassistische Taten der Nationalsozialisten ihren jüdischen Eigentümern entrissen – und oft auch ihr Leben. Wir halten es für unangemessen, dass ausgerechnet ein solcher Tatort nach jemandem benannt ist, unter dessen Verantwortung antisemitische Täter vor der Justiz geschützt wurden.

 

Nachdem Eugenio Pacelli über 71 Jahre lang durch eine nach ihm benannte Straße in Berlin-Dahlem geehrt wurde, ist es an der Zeit, einen Gegenentwurf zu realisieren. Statt eines antisemitischen Mannes regen wir die Benennung nach einer jüdischen Frau an.

 

Nach den aufgestellten Kriterien ist die ideale Kandidatin für die Umbenennung Golda Meir. Dafür gibt es gleich mehrere gute Gründe.

  • Als jüdisches Flüchtlingskind kam sie in ein fremdes Land und machte dort Karriere.
  • Schon in jungen Jahren wurde die linke Aktivistin Chefin einer Gewerkschaft.
  • Immer wieder versuchte sie durch Verhandlungen Krieg und Gewalt zu verhindern.
  • Als langjährige Arbeitsministerin Israels setzte sie sich für Arbeiterrechte aller israelischen Staatsbürger – Muslime und Juden – ein.
  • Als Außenministerin Israels suchte sie Verständigung auch mit verfeindeten Staaten, aber auch mit dem post-nationalsozialistischen Deutschland.
  • Golda Meir war die dritte Frau der Weltgeschichte, die frei gewählte Regierungschefin wurde - und die erste, die dies ohne familiäre Macht- und Finanzstrukturen erreichte.
  • Nur 15 Jahre nach dem Ende des Krieges lud sie den Berliner Regierenden Bürgermeister Willy Brandt nach Israel ein. Als Regierungschefin lud sie ihn 1973 als erstem amtierenden deutschen Bundeskanzler abermals ein und wurde so eine der Wegbereiterinnen der deutsch-israelischen Beziehungen.

Wir fordern daher die unverzügliche Umbenennung der Pacelliallee in Golda-Meir-Allee.

Dabei ist es ausdrücklich nicht unser Anliegen, Geehrten aus dem 19. oder frühen 20. Jahrhunderts vorzuwerfen, dass für sie Werte selbstverständlich waren, die heute ablehnenswert sind. Allerdings waren Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit oder das Schützen von Massenmördern auch damals alles andere als selbstverständlich.

Zahlreiche Historiker streiten sich seit Jahrzehnten über die Bewertung von Eugenio Pacelli. Die geselltschaftliche Debatte über das Handeln Pius mit Blick auf die Vernichtung der Juden ist zu oft von mehr Erbitterung, Glauben und Überzeugung, als von wissenschaftlichem Diskurs geprägt. Es ist daher weder unsere Absicht in den Auseinandersetzungen um den umstrittenen Papst und sein Verhältnis zur Vernichtung der Juden Partei für eine Seite zu ergreifen oder uns eine der Positionen zu eigen zu machen. Deshalb fokussieren wir ausdrücklich auf den oben genannten, außerhalb dieser Debatten liegenden Kern unserer Begründung.

Zudem werden auch die oft beschworenen baldigen neue Archivfunde unsere drei Punkte – frauenfeindliche Bemerkungen, Schweigen zur Ermordung katholischer Priester und Schutz von NS-Verbrechern – nicht ungeschehen machen können.

Berlin, den 21. August 2020

 

Ralf Balke       Julien Reitzenstein

www.no-pa.berlin