Bei Gewalt wegschauen als Goldstandard? - Nein danke!

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Ist Wegschauen der neue Goldstandard?

Gewalt ist keine Lösung, Wegschauen aber schon?

Du hast weggeschaut? Das hast Du gut gemacht!   --- ?

Welche Art von Gesellschaft möchten wir sein? Eine Wegschau-Gesellschaft? Oder eine Gesellschaft, in der Zivilcourage noch eine Tugend ist?

Der Fall - ein Kieler Krimi aus dem echten Leben


Ich möchte Euch hier die schockierende und unglaubliche Geschichte meiner Freundin erzählen.


Vorgeschichte

Meine Freundin hatte einen Unfall. Sie stellte sich im Klinikum in Schleswig-Holstein vor. Aus fachärztlicher Sicht war die Situation nicht kritisch. Der behandelnde neurologische Facharzt empfahl trotzdem die Nacht noch da zu bleiben, um ganz sicher zu gehen. Das ist nicht unüblich und so blieb meine Freundin zur Beobachtung über Nacht dort.


Am nächsten Morgen wollte sie - wie mit dem Facharzt besprochen - das Krankenhaus verlassen. Dienst hatte jetzt ein fachfremder junger unerfahrener Arzt in Ausbildung. Ein Anästhesist. Er entschied, ohne dies zu begründen, dass meine Freundin bleiben müsse. Dies wollte meine Freundin nicht. Sie wollte - in Begleitung ihres Freundes - nach Hause. Plötzlich behauptete der Arzt, sie sei in akuter Lebensgefahr. Eine Aufklärung, woher er dies plötzlich kommen solle, verweigerte der Arzt ausdrücklich.


Zusammen mit fünf weiteren Personen überfiel er daraufhin urplötzlich meine Freundin und schleppte sie über mehrere Meter zu ihrem Krankenbett und warf sie gewaltsam darauf. Anschließend fesselte man sie unter massiver Gewaltanwendung an beiden Händen, beiden Beinen und beiden Füßen. Der Freund meiner Freundin erhielt Hausverbot und musste die Station sofort verlassen. Vor der Stationstür musste er die verzweifelten Hilfeschreie meiner Freundin hilflos mit anhören.


Eine Aufklärung erfolgte über den ganzen Zeitraum nicht. Ein Facharzt besuchte meine Freundin auch nicht. Eine über die bloße Beobachtung hinausgehende medizinische Behandlung erfolgte ebenfalls nicht. Sie blieb - ohne Grund - trotzdem bis zum nächsten Morgen gefesselt. Sie war dem Arzt komplett hilflos ausgeliefert.


Als sie am nächsten Morgen aufwachte, kam der Arzt und sagte, sie könne jetzt gehen, die angebliche Lebensgefahr sei vorüber. Ohne Untersuchung oder sonst etwas.


Das alles war schon schlimm genug.


Die Täter - der Arzt und das Klinikum - haften mit Schmerzensgeld und Schadensersatz. Das Gericht sagte, der Arzt hätte meine Freundin wenigstens aufklären müssen. Und er hätte auch nach dem Eindruck des Gerichts "die Eskalation der Situation von Anfang an gesucht".

Auch die Staatsanwaltschaft stellte fest, dass der Arzt eine massive Freiheitsberaubung begangen hatte. Wir reden hier von einem Zeitraum von über 24 Stunden in gefesseltem Zustand.


Die Wegschau-Ärztin


Meine Freundin war leider vor vielen Jahren schon einmal Opfer von massiver Gewalt gewesen. Um dieses Erlebnis zu verarbeiten, war sie bereits ein Jahr in Psychotherapie bei einer Fachärztin für Psychotherapie und Allgemeinmedizin gewesen, die auch psychotraumatologisch und sozialmedizinisch ausgebildet ist. Diese Fachärztin rief der Arzt an. Ohne das Wissen oder Einverständnis meiner Freundin. Er erhielt schon am Telefon diverse durch die Schweigepflicht geschützte Informationen über meine Freundin. Die Therapeutin verriet ihm sämtliche Diagnosen, die sie in der Therapie gestellt hatte uvm, bloß, weil der Arzt danach fragte. Sie kam nicht auf die Idee, meine Freundin vorher mal zu fragen, ob sie diese Angaben überhaupt weitergeben wissen will.


Einige Zeit später kam diese Ärztin dann ins Klinikum,. Meine Freundin war bereits etwa 3 bis 4 Stunden gefesselt. Statt meiner Freundin Trost zu spenden oder ihr sonstwie seelischen Beistand zu spenden, meinte die Ärztin nur zu ihr, sie solle Verständnis für die Täter haben. Die Therapeutin meinte, der Arzt wirke auf sie völlig überfordert. Sicherlich wolle er sich doch nur vor einem Haftungsfall schützen für den möglichen Fall, dass vielleicht doch noch Komplikationen entstehen (dann hätte man meine Freundin gegen ihren Willen am Hirn operiert!). Sie bestätigte meiner Freundin, dass sie bei klarem Verstand sei und daher selbst über das ob und wie einer medizinischen Behandlung entscheiden dürfe. Sie wäre sich daher sicher, dass meiner Freundin gerade Unrecht geschehe und sie später vor Gericht Recht bekommen würde. Sie hätte jetzt aber Urlaub. Dann verließ sie meine Freundin.


All das bestreitet die Ärztin nicht mal!

Sie hätte dem Arzt mitteilen können, dass meine Freundin ihrer fachärztlichen Meinung nach bei klarem Verstand ist und somit selbst entscheiden darf. Der Arzt hätte spätestens dann nicht mehr anders gekonnt, als meine Freundin sofort zu entlassen.
Sie hätte den Arzt zB auch bitten können, die Fesseln zu lockern. Ihr war klar, dass durch die Fesselung die seelischen Folgen der Tat noch schlimmer sein würden.

 


Petitionsgrund


Jeder muss helfen, wenn er Unfälle, Gewalt oder Unglücksfällen sieht und Hilfe zumutbar ist. Jeder muss in solchen Situationen wenigstens die Polizei oder den Krankenwagen rufen. Sonst macht man sich wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar.

Nicht so die Therapeutin. Sie kann dem Opfer erst Vorwürfe machen. Und dann kann sie das Opfer links liegen lassen und seelenruhig in den Urlaub fahren.


Das Landgericht Kiel hat nämlich nun ein Urteil gesprochen, in dem es dieser Ärztin attestiert hat, dass sie wegschauen durfte und das auch optimales Vorgehen ist.

Sie bekam attestiert: "Das hast Du gut gemacht!"

Unglaublich? Aber wahr!

Meine Freundin hat kein Vertrauen mehr zu Ärzten oder Therapeuten. Genau den Menschen, die ihr helfen könnten, das schreckliche Trauma zu bewältigen. Sie ist mit ihrem Schmerz und ihrem Leid allein. Ohne Aussicht auf Hilfe von außen. Wieder einmal.


Was meine Petition soll

Ich möchte sowohl den Richtern, die es in Ordnung fanden, dass eine Zeugin von Gewalt - eine Ärztin - nicht geholfen hat, obwohl es ihr ohne großen Aufwand möglich war, vor Augen führen, dass wir Wegschauen verachten, es nicht als richtig oder gar Recht empfinden. 

Und ich möchte, dass diese Ärztin, die vom Gericht attestiert bekommen hat, dass Wegschauen völlig ok, ja sogar Goldstandard, war, versteht, dass sie - trotz des unglaublichen Urteils - hätte helfen müssen und auch in Zukunft auch helfen soll und muss - als Mensch und ganz besonders als Angehörige eines Heilberufes!

Wie geht es weiter?

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Die Instanz ist aber abgeschlossen und somit kann das Urteil nicht mehr abgeändert werden. Die Richter  haben abschließend entschieden.

Die Berufung läuft.


Wenn Richter in Gerichtsurteilen "im Namen des Volkes" Wegschauen als Goldstandard betrachten und in der Urteilsbegründung dem Täter auch noch unverhohlen attestieren

"Das hast Du gut gemacht!"

- welche Botschaft wird dann erst an die Haupttäter gesendet?

Ein deutlicheres Zeichen gegen Zivilcourage und für das Wegsehen kann man nicht setzen !


Teilen wir dem Landgericht Kiel mit, was wir von solcher Empathielosigkeit und menschlicher Kälte gegenüber dem Opfer halten! Dass das keine Rechtsprechung "im Namen des Volkes" ist!

Teilen wir dieser Ärztin mit, dass Wegschauen und sich aus der Verantwortung für eigenes Unterlassen stehlen, nicht die Lösung sind!

 


Der hippokratische Eid - das aktuelle Genfer Gelöbnis - gilt es für diese Ärztin etwa nicht?


 "Als Mitglied des medizinischen Berufsstandes:
Gelobe ich feierlich, mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen;
Die Gesundheit und das Wohlbefinden meines Patienten wird oberstes Gebot meines Handelns sein;
Ich werde die Autonomie und Würde meines Patienten respektieren;
[...]
Ich werde die Ehre und die edle Überlieferung des ärztlichen Berufes fördern;
[...]
Ich werde mein medizinisches Wissen nicht dazu verwenden, Menschenrechte und bürgerliche Freiheiten zu verletzen, selbst unter Bedrohung;
Dies alles verspreche ich feierlich und frei auf meine Ehre."

 


Wie könnt ihr helfen?

Schritt 1: Petition zeichnen, per Mail bestätigen (Achtung! Geht manchmal per Handy nicht!)
Schritt 2: Freunde und Bekannte auf die Petition aufmerksam machen
Schritt 3: Druckt einfach diesen Text aus und an die Adressaten senden:

Präsidentin des Landgerichts Kiel
Ulrike Hillmann
Schützenwall 31 - 35
24114 Kiel

Oder mailt es an die Pressestelle:

pressestelle@lg-kiel.landsh.de

sowie an die Justizministerin

Dr. Sabine Sütterlin-Waack
Lorentzendamm 35
24103 Kiel

Pressestelle: oliver.breuer@jumi.landsh.de

Bei Fragen oder für Vordrucke wendet Euch auch gern an mich!



Heute: Sonja verlässt sich auf Sie

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