Beenden wir das Chaos um die Scheinselbständigkeit in der IT

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Sehr geehrter Herr Heil,

Wir IT-Freiberufler und -Selbständige sind es leid. Die "Scheinselbständigkeit" treibt immer lächerlichere Blüten. Wegen der seit Jahren herrschenden Rechtsunsicherheit lassen sich Unternehmen und Personalvermittler immer merkwürdigere Maßnahmen einfallen, damit sie sich vor den Folgen schützen können:

  • Gedruckte Namensschilder müssen auf den Schreibtischen platziert werden 
  • Seitenlange Dokumente und Verträge, die nur auf die Vermeidung der Scheinselbständigkeit abzielen
  • Aufgekündigte Verträge trotz guter Zusammenarbeit, weil das Unternehmen sich nicht sicher ist, wie lange ein Freiberufler beschäftigt werden kann ohne "Ärger". Daraus resultierend müssen neue Experten gesucht und eingearbeitet werden => unnötige Kosten und verlorene Zeit
  • Pseudo Projektverträge mit Vermittlern, damit augenscheinlich das "Projekt" gewechselt hat
  • "Drücken" in die ANÜ welches völlig am Sinn und Zweck des Freiberufler Modells vorbei geht. Ein künstliches Konstrukt in das IT Freiberufler und Selbständige von Firmen gezwungen werden sollen, damit ihnen selbst keine Gefahr droht. 
  • Um das Problem zu verschieben wollen Firmen nicht direkt mit Freiberuflern zusammenarbeiten, sondern nur über Vermittler. Dies erhöht die Kosten des Projektes um bis zu 35%, weil Vermittler diese Situation ausnutzen und sich für das Tragen des "Risikos" entschädigen wollen
  • Bei Verlängerung von Verträgen muss mühsam die Tätigkeitsbeschreibung geändert werden, damit man auch ja andere Tätigkeiten nachweisen kann als die letzten 6 Monate. 
  • IT Projekte sind meistens Langläufer. Es kursieren unterschiedliche Auffassungen von wie lange man "gefahrlos" in einem Projekt sein kann. Je länger man dabei ist, um so größer die "Gefahr" für Unternehmen und Freiberufler. Dies ist auch für den Erfolg von Projekten eine Gefahr, da tief eingebunden Freiberufler gehen müssen. Die 5/6 Regelung ist nicht aussagekräftig, da IT Projekte Langläufer sind, die von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren andauern können.
  • Die Liste kann beliebig fortgesetzt werden und viele der Maßnahmen spielen vielleicht eigentlich gar keine Rolle. Aufgrund der Unsicherheit kommen aber immer mehr solcher Hürden und Zeitfresser hinzu. 

Das freiberufliche/selbständige Arbeiten in der IT ist ein Lebensmodell zu welchem wir uns freiwillig entschieden haben. Die unklare Lage macht es jedoch allen Beteiligten schwer es zu praktizieren. WIR sind Experten, durch UNSER Know-How helfen wir Unternehmen die Digitalisierung zu meistern und im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Wir tragen Risiken, die wir aber bewusst gewählt haben. Wir bilden uns ständig fort um am Ball zu bleiben und um unseren Kunden die bestmögliche Beratung zu geben und den besten Code zu liefern.

Beispiel, dass Unternehmen auf Experten wie uns angewiesen sind: Vodafone

Wie Sie sicherlich wissen sind IT-Experten gefragt, nicht nur in Deutschland. Wir haben zu wenige davon und zu viele unbesetzte Stellen und viele nicht angegangene Projekte aufgrund von mangelnden Ressourcen. Gießen Sie Öl in dieses Getriebe und nicht Sand. Fördern Sie den Fortschritt in dem Sie Klarheit schaffen und Wege bereiten und nicht mit Hürden und Bürokratie verbauen.

Unsere Forderung:

Wir, die Unterzeichner, fordern nicht nur endlich eine Klarstellung für unseren Berufsstand. Nein, wir fordern eine klare Anerkennung und Feststellung der IT-Freiberufler als vollwertige Selbständige - und nicht "Schein"-Selbständige. Ähnlich wie in diesem Entscheid: Urteil vom 31. März 2017 (Az. B 12 R 7/15 R) fordern wir vom Gesetzgeber harte, klare Regelungen unter Berücksichtigung von:

  • Mangelnde IT Fachkräfte am Markt
  • Selbstbestimmtes Arbeiten und Wahl des Lebens-/Arbeitsmodells
  • Höheres Einkommen als Festangestellte (s. Urteil)
  • Langlaufende Projekte

Sie sollten Mut und Risikobereitschaft fordern und fördern statt zu unterdrücken. Hürden einzubauen, damit man gezwungen ist in das Sozialsystem einzuzahlen ist zu kurz gedacht - gerade in der IT und Digitalisierung. Wir brauchen MEHR von uns statt weniger. Die Selbständigkeit, freiberufliche Lebensmodell ist das Modell der Zukunft und immer mehr Menschen wollen diesen Weg gehen. Nicht jeder ist dazu bestimmt, aber die, die ihn gehen wollen sollten gefördert werden. Wenn Sie Unterstützung brauchen bei der Definition der Kriterien stehen wir zu Verfügung. Fragen Sie Experten und diejenigen, die es betrifft.

Beispielsweise könnten ein Nachweis der Altersvorsorge ein Kriterium sein. Die Freiberuflerin / Der Freiberufler oder Selbständige soll ein Nachweis über getroffene Vorkehrungen für die Altersvorsorge liefern: 

  • Immobilie
  • Aktiendepot
  • private Renten-/Lebensversicherung
  • Rürup
  • ....

Diejenigen, die das nicht nachweisen können sind dann vielleicht eh besser als Angestellte tätig und liegen dem Staat im Alter nicht auf der Tasche ohne was einbezahlt zu haben.