Uns wird der "Sohn" genommen, ihm droht trotz Ausbildungsvertrag die Abschiebung

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Momentan verstehe ich die Welt nicht mehr, obwohl ich wirklich ein sehr positiver Mensch bin. Ich kümmere mich sehr um den jungen Afghanen Karim, der in einer Flüchtlingsunterkunft in Landshut wohnt. Er geht bei uns ein uns aus wie ein Sohn und genauso ein Verhältnis haben wir auch zueinander. Er ist der fleißigste und hilfsbereiteste junge Mann und absolut integriert. 

Nun zu meinem, besser gesagt, Karims Problem: Er hat einen Ausbildungsvertrag als Maler, der auch von der Handwerkskammer genehmigt ist. Aber leider wurde dieser von der ZAB (Zentralen Ausländerbehörde) Deggendorf abgelehnt. Auch hätte er in diesem Malerbetrieb als Helfer oder in einer Schneiderei arbeiten können. Leider wurde auch dies nicht erlaubt, obwohl der Bearbeiter der ZAB vor drei Monaten gesagt hat, dass K. zu 99% arbeiten darf. Ganz in seiner Nähe werden händeringend Schülerlotsen gesucht. Leider darf er nicht mal als Schülerlotse mithelfen. Karims Rechtsanwältin hat mit einem Eilantrag eine Klage gegen die Ausbildungsablehnung eingereicht. Diese wurde vom Gericht abgelehnt, weil die ZAB eben auch abgelehnt hat. Nun hat er vielleicht noch 0,001% Chance, dass das Gericht irgendwann die Ausbildung doch noch genehmigt. Tja, die Ausbildung hat aber bereits am 03.09. begonnen. Karim kann es einfach nicht verstehen, warum er nicht arbeiten oder die Ausbildung machen darf. Er will dem Staat auf gar keinen Fall auf der Tasche liegen, war im Sozialamt und hat darum gebeten, dass diese ihm bitte kein Geld geben. Aber leider ist es so, dass Karim das Geld vom Sozialamt annehmen „muss“ und nichts arbeiten darf. Außerdem hat der Malerbetrieb Karim in seinen Arbeitsplan schon fest eingeplant. Er hatte dort ein fast dreiwöchiges Praktikum gemacht und der Chef hat ihm ein überaus gutes Praktikumszeugnis ausgestellt und dieses auch nach Deggendorf zur ZAB weitergeleitet. Der Maler hat mich damals angerufen und gesagt: „Da haben Sie mir einen Top-Mann geschickt“. Dieser Top-Mann sitzt jetzt auf seinem Bett und darf … hmm, recht wenig. Er ist normalerweise ein extrem positiver und lebensfroher, hilfsbereiter, netter Mensch. Aber ich und viele andere müssen es leider mitansehen, wie dieser liebe Mensch zugrunde geht. Wenn wir uns sehen (und das sind täglich viele Stunden, weil er ja nicht arbeiten darf), ist er mittlerweile immer traurig, weint sehr viel und kann es nicht verstehen, warum er nicht arbeiten darf wie es in anderen Bundesländern üblich ist. Hier in Niederbayern (vor allem für die, die zugehörig zur ZAB Deggendorf sind) ist es wirklich so, dass die Afghanen keine Arbeitserlaubnis bekommen bzw. die, die arbeiten dürfen, oftmals die Arbeitserlaubnis entzogen wird. Am 04.10.2018 hatte er seine zweite Anhörung in Regensburg, von der er gestern wegen einigen Übersetzungsfehlern einen Negativbescheid bekommen hat. Wir werden Berufung dagegen einlegen, haben aber eine sehr geringe Chance zu gewinnen. Wenn er dann wirklich nach Afghanistan zurück muss, wird er sich das Leben nehmen. Ich sehe jeden Tag, wie ihm mehr und mehr die Kraft ausgeht. Bald kann er nicht mehr. Er mag nicht mehr essen, ist lustlos und traurig, hat immer Angst und an Schlaf ist sowieso nicht zu denken. 

Ich verstehe es nicht, warum ein so arbeitswilliger, hilfsbereiter, netter, freundlicher Kerl hier in Bayern NICHTS darf. Wenn er die Ausbildung machen oder arbeiten dürfte, würde er dem Staat nicht auf der Tasche liegen, sein Gewissen wäre dadurch viel ruhiger, seinem Chef wäre geholfen, er wäre wieder Mensch. Aber das darf und soll er anscheinend nicht. 

Wenn Sie wüssten, wie gern gesehen und beliebt Karim bei allen ist, würden Sie mich mit Sicherheit verstehen. Wenn er bei unserem täglichen Hundespaziergang nicht dabei ist, fragt jeder nach ihm. Bis vor ein paar Monaten fragten Sie, warum mein „Sonnenschein“ nicht dabei ist. Wenn Karim jetzt mal nicht mitgeht, haben alle Angst, dass er nicht mehr hier ist oder zu Unrecht in Abschiebehaft sitzt. Er hat mindestens 150 deutsche Leute, die ihn schätzen, eben weil er so positiv ist/war. Jeder einzelne wünscht sich, dass Karim die Ausbildung starten/arbeiten und in Deutschland bleiben darf. Alle würden ihn unterstützen und alles tun, damit er endlich ohne Angst leben darf. Denn Angst hatte er in Afghanistan genug. In den Medien heißt es zwar immer, Afghanistan ist sicher. Aber haben Sie schon mit Afghanen gesprochen und ihre „Geschichten“ angehört? 

K´s Geschichte in ganz ganz groben Zügen: Bei jedem Gang nach draußen war es nicht sicher, ob er wieder nach Hause kommt. Um seine Familie finanziell zu unterstützen, hat er bereits mit acht Jahren Geld mit dazuverdient, indem er in der Öffentlichkeit Autos putzte. Später arbeitete er bei seinem Vater als Schneider mit. Doch das Geld reichte nicht. Also ist er abends noch Taxi gefahren. Es war aber fast jeden Abend so, dass die Polizei ihn aufhielt und er einen Großteil seines verdienten Geldes der Polizei abgeben musste. Genauso war es auch, als er dann als Schneider in einer Militärakademie arbeitete. Er nähte für die Offiziere Uniformen und musste wiederum einen Großteil seines Verdienstes an den obersten Offizier abgeben. Jeden Tag wurde er mit einem Militärfahrzeug abgeholt und zur Arbeit hin- und wieder nach Hause gebracht. Diese Militärfahrzeuge waren aber oft Ziel eines Angriffs. Ebenso konnte man nie sicher sein, ob die Taliban jemanden kidnappt und dann Lösegeld von den Angehörigen verlangt. Falls kein Geld bezahlt werden kann, wird man umgebracht. Falls das Lösegeld bezahlt werden kann, kommen die Taliban wieder, um die nächste Geisel zu nehmen. In diesem Fall bleibt dann nur die Flucht in ein anderes Land, weil die Taliban innerhalb Afghanistan jeden ausfindig macht. Angst, Überlebensangst waren sein ständiger Begleiter in Afghanistan. (Hier ist Deutschland ebenso, weil er jeden Tag Angst hat, einfach von der Polizei in Handschellen abgeführt und abgeschoben zu werden, nur weil er Afghane ist). Er als ältester Sohn hat sich irgendwann entschieden zu fliehen, weil es in Afghanistan eben in keinster Weise sicher ist. 

Ich wünsche diesem wunderbaren Mann mit einem großem Herzen ein Leben ohne Angst und dass er endlich arbeiten oder die Ausbildung starten darf. Und falls in Afghanistan ein sicheres Leben möglich ist, würden mit Sicherheit 90 % der Asylbewerber zurück in ihr Heimatland wollen. Mit einer Ausbildung als Maler hätte Karim dann gute Möglichkeiten, zu helfen, das Land wieder aufzubauen.

Wenn Sie K. irgendwie helfen können oder wissen, wie ich und all seine Freunde ihm helfen können, bitte lassen Sie es mich wissen. Ich will nicht sehen, wie dieser liebenswerte Kerl kaputt geht. 

 

Es geht ihm wirklich von Tag zu Tag schlechter. Vor zwei Wochen stand er schon auf einer Brücke und war ganz knapp davor zu springen. Ohne Antidepressiva geht es nicht mehr. An ganz schlechten Tagen muss ich ihm sogar Valium geben. Für ihn ist es einfach unbegreiflich, dass er nichts darf. Sogar als Schülerlotse zu „arbeiten“ wurde ihm verboten. Das ist doch einfach nicht zu verstehen. Karim aber will nicht nur zum Essen und Schlafen hier in Deutschland sein. Er will arbeiten, seine Ausbildung machen. Mit Sicherheit würde er niemandem die Ausbildung/Arbeit wegnehmen. Seine Traumberufe sind die, die deutsche Jugendliche nicht machen wollen: Maler, Straßenarbeiter, Pflasterer, etwas zum „anpacken“:

BITTE helfen Sie ihm.

Ich habe Angst um diesen hilfsbereiten, arbeitswilligen jungen Mann. Er gehört zu 100% zu unserer Familie. Wenn er wirklich nach Afghanistan zurück muss, bin ich mir ganz sicher, dass er sich das Leben nimmt und unsere Familie würde den Sohn verlieren.



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