Schulen mit Hygienekonzept auch bei hohen Inzidenzen offen halten

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Entsprechend der Stellungnahmen der kinderärztlichen Verbände müssen Schulen auch bei hohen Inzidenzen für alle Schüler:innen offen gehalten werden.

Schulschließungen müssen das letzte Mittel sein und dürfen nur dann erfolgen wenn an der betroffenen Schule das Ausbruchsgeschehen nicht eingedämmt werden kann.

Schulen sind als sozialer Lebensraum systemrelevant für die Bildung und Teilhabe unserer Kinder und die Zukunft unseres Landes. Sie sind viel mehr als Orte der Verwahrung, damit Eltern arbeiten können. Sie leisten einen essentiellen Beitrag zur Bildung und zur sozialen Entwicklung der Kinder. Bildung und Schule sind ein Grundrecht. Dies ist auch im Paragraph 28 der UN-Kinderrechtskonvention verankert. Diese Grundrechte werden auch durch die Pandemie nicht aufgehoben, sind durch die fortgesetzte Schließung von Schulen allerdings inzwischen dauerhaft verletzt.

Der Report von WHO, ECDC und CDC (1) hält fest, dass die Entscheidung, Schulen zur Pandemiebekämpfung zu schließen, nur als letztes Mittel eingesetzt werden sollte. 

Kinderärzt:innen (2,3,4) und Kinderpsycholog:innen (5, 6) schlagen Alarm, auch der Kinderschutzbund warnt(7). Kindertherapeutische Angebote sind über Monate hinweg ausgebucht (8). Depressionen, Angststörungen, Zwänge, Essstörungen, Gewichtszunahme und Entwicklungsverzögerungen sind bei Kindern auf dem Vormarsch (9). Jugendämter befürchten einen Anstieg von unentdeckter Gewalt gegen Kinder (10). Familien sind längst an der Belastungsgrenze angelangt, Kinder und Jugendliche werden noch über Jahre hinweg mit den Schäden von Schulschließungen zu kämpfen haben. Neben den persönlichen Dramen sind auch die volkswirtschaftlichen Kosten nicht abzuschätzen.

Gleichzeitig zeigen immer mehr Studien, dass Schulen mit einem entsprechenden Schutzkonzept auch bei erhöhten Inzidenzzahlen geöffnet bleiben können (11, 12). Wir verweisen hierbei auf die ausführliche Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) zur Rolle von Schulen und Kindertagesstätten in der COVID-19 Pandemie (2), die zahlreiche dieser Studien aufführt. Schulen liegen bei der Analyse der Ausbruchsgeschehen durch das Robert-Koch-Institut deutlich hinter der Wohnumgebung, medizinischen Einrichtungen und dem Arbeitsplatz. Auch in Betreuungseinrichtungen und Seniorentagesstätten finden häufiger Ausbrüche statt.

Auch Nachbarländer wie Österreich, Schweiz, Frankreich oder Belgien zeigen, dass Schulen auch bei hohen Inzidenzen offen gehalten werden können. 

Als Begründung für andauernde Schließung von Schulen werden die Virusmutationen (VOC) genannt. Diese sind ansteckender, jedoch betrifft dies alle Altersklassen gleichermaßen (13). Die an Schulen empfohlenen Präventionsmaßnahmen sind in gleichem Maße  gegen die VOCs wirksam. Auch hierzu verweisen wir auf die medizinischen Fachgesellschaften, die feststellen dass es “nach aktuellem Datenstand unverhältnismäßig wäre, Schulen und Kitas aufgrund des vereinzelten Nachweises von VOC präventiv zu schließen oder geschlossen zu halten” (2).

Wir fordern daher:

  • Schulen müssen auch bei hohen Inzidenzen mit entsprechenden Hygienekonzepten für Schüler:innen aller Altersstufen offen gehalten werden. Wir verweisen hier auf die Stellungnahme der DGPI (14) sowie die S3-Leitlinie (15) für die notwendigen Hygienemaßnahmen und deren Wirksamkeit 
  • Schulschließungen müssen das letzte Mittel sein und dürfen nur dann erfolgen wenn an der betroffenen Schule das Ausbruchsgeschehen nicht eingedämmt werden kann.
  • Durch ein der Inzidenz und der Altersstufe der Kinder angepasstes Testkonzept (16) muss sichergestellt werden, dass Eintragungen des Virus an Schulen minimiert wird und das Ausbruchsgeschehen an Schulen klar eingegrenzt werden kann.

Erstunterzeichner:innen
Sandra Eder, Initiative Familien
Sabine Kohwagner, Initiative Familien
Dr. Tobias Oelbaum, Initiative Familien

Dr. Regina Schwindler, Kinderärztin, Lobby für Kinder
Dr. Alexander Ried, Allgemeinarzt, Lobby für Kinder

Christoph Huber für "Ostbayern sieht schwarz"
 

  1. ECDC - COVID-19 in children and the role of school settings in transmission - first update
  2. DGPI DGKH - Rolle von Schulen und Kindertagesstätten in der COVID-19 Pandemie
  3. Gemeinsamer Appell von Kinder- und Jugendärzt/inn/en und Lehrkräften: | DAKJ eV
  4. FAZ: Ärztepräsident Fischbach im Interview über falsche Prioritäten
  5. bvvp - vielfältige Belastungen bei Kindern und Jugendlichen
  6. Copsy Studie - Seelische Gesundheit und psychische Belastungen von Kindern und Jugendlichen in der ersten Welle der COVID-19-Pandemie
  7. Kinderschutzbund - Schulöffnung regional ermöglichen!
  8. Länderspiegel Lange Wartelisten in der Kinderpsychiatrie
  9. Kinder in der Corona-Krise Die Verlierer der Pandemie
  10. Häusliche Gewalt gegen Kinder im Lockdown
  11. Münchner Virenwächter-Studie zeigt nur zwei Corona-Neuinfektionen bei Kindergartenkindern und Grundschülern von Juni bis November 2020
  12. Sind Kita- und Grundschulschließungen obsolet? Forscher sagen ja
  13. Public Health England. Investigation of novel SARS-CoV-2 variant Variant of Concern
  14. Stellungnahme der DGPI und der DGKH: Kinder in der COVID-19 Pandemie (Stand 05.02.2021)
  15. Die S3-Leitlinie als Handlungsempfehlung für Schulen - BMBF
  16. DGKJ - Schnellteste für Kinder und Jugendliche? Testverfahren sinnvoll einsetzen