Preis für lesbische Sichtbarkeit

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Der Bayerische Landtag möge die Staatsregierung auffordern, zur Anerkennung und Wertschätzung der Lebenswirklichkeit lesbischer Menschen einen Preis für lesbische Sichtbarkeit zu vergeben und diesen Preis mit 5000,- € zu dotieren.

In dem Beschluss des Bayerischen Landtags (Drucksache 18/9212) zur Verbesserung der Situation von LGBTIQ* in Bayern IV – Historische Aufarbeitung des Unrechts durch § 175 StGB - wurde die Staatsregierung dazu aufgefordert, „im Bund mit Nachdruck darauf hinzuwirken, dass zur Unterstützung der historischen Aufarbeitung der strafrechtlichen Verfolgung homosexueller Menschen und des späteren Umgangs mit den Opfern, ein Fachgutachten in Auftrag gegeben wird. In diesem Gutachten sollen die Rechts- und Lebenssituation homosexueller Männer und Frauen zwischen 1945 und den frühen siebziger Jahren aufgearbeitet und dargestellt werden. (…) Parallel zur strafrechtlichen Verfolgungsebene sollen insbesondere mit Blick auf lesbische Frauen gesellschaftliche Mechanismen und Erfahrungen von Ausgrenzung und Diskriminierung untersucht werden.“

Dass hier der Blick ausdrücklich auch auf die Lebenssituation von lesbischen Frauen gelenkt werden soll, ist aus unserer Sicht sehr zu begrüßen. In diesem Beschluss heißt es aber auch:

„Der Landtag wird allen Bestrebungen entschieden entgegentreten, Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Geschlechtsidentität zu verfolgen oder zu benachteiligen.“

Lesbische Frauen sind im besonderen Maße mit diskriminierenden und benachteiligenden Bedingungen konfrontiert. Die von der Grünen Landtagsfraktion in Auftrag gegebene Studie „Queeres Leben in Bayern“ der Hochschule Landshut stellte beispielsweise fest, dass lesbische Frauen signifikant häufiger Diskriminierung erfahren haben als schwule Männer. Viel zu oft wird lesbischen Frauen ihre Sexualität abgesprochen oder ihr Äußeres wird zur Zielscheibe für Hass und Beleidigungen. Doch lesbische Frauen sind in doppelter Hinsicht unsichtbar: In der Außenwahrnehmung prägen überwiegend schwule Vertreter das Bild der queeren Community und auch innerhalb der Frauenverbände sind lesbische Frauen oft unterrepräsentiert. Viele Lesben werden zudem als Frauen durch die im Vergleich zu Männern geringere Repräsentation und Beachtung unsichtbar gemacht und stoßen sehr oft beruflich im doppelten Sinne an die „gläserne Decke“, als Frau und als Lesbe.

Wie die Studie der Hochschule Landshut zeigt, ist es in Bayern traurige Realität, dass lesbische Frauen wegen ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Geschlechtsidentität diskriminiert oder benachteiligt werden. Wir sehen daher dringenden Handlungsbedarf, damit der oben zitierte Landtagsbeschluss nicht nur ein Lippenbekenntnis bleibt.

Sichtbarkeit und gesellschaftliche Anerkennung bedingen sich gegenseitig. Es braucht Vorbilder, die anderen Menschen Mut machen, sich zu engagieren und selbstbewusst als die Person aufzutreten, die sie sind. In Berlin wurde daher 2018 erstmals der Berliner Preis für Lesbische* Sichtbarkeit vergeben. Und seit 2020 wird auch in Hessen ein Preis für lesbische Sichtbarkeit vergeben.

Vor diesem Hintergrund wird ein jährlicher Preis für lesbische Sichtbarkeit in Bayern ein starkes Symbol setzen, um Unsichtbarkeit für Lesben wirksam zu bekämpfen und damit für gesellschaftliche Akzeptanz zu werben.

Für den Preis sollen Initiativen oder Gruppen, aber auch lesbische Personen, unabhängig des ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlechts, nominiert werden dürfen.