COVID vs. Kindergesundheit

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Wir Eltern der Freien und Hansestadt Hamburg fordern, dass die Gesundheit der Kinder in der Zeit der Corona-Pandemie ernsthaft berücksichtigt wird.


Wir fordern, dass Sportplätze und Spielplätze wieder geöffnet werden.
Wir fordern, dass die Kitas wieder Kinder betreuen dürfen.
Wir fordern, dass Bildung und Sportangebote allen Kindern zugänglich sind.
Wir fordern, dass die Belastungsgrenzen von Eltern ernst genommen werden.


Wir wissen, dass die Politik viele Bereiche im Blick haben muss. Familien und Kinder werden derzeit jedoch kaum beachtet und viel zu wenig unterstützt.


Stattdessen fordert die Bundesregierung Geduld von den Familien. Home-Office findet parallel zu Home-Schooling und der Betreuung der Kleinkinder statt. Dazu kommen Existenzängste und eine enorme psychische Belastung der Eltern. Für einen Zeitraum von fünf Wochen war das unter großen Anstrengungen machbar, aber für einen längerfristigen Zeitraum können wir Familien dies nicht mehr leisten.


Psychische Last auf den schwächsten Schultern
Bei allen notwendigen Diskussionen zum Schutz der Risikogruppen wird die Gesundheit unserer Kinder und deren Zukunft vergessen. Die Spätfolgen bei den Kleinsten sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht greifbar. Sicher ist aber, dass Kinder in einer Umgebung aufwachsen müssen, in der ein soziales Miteinander – v.a. mit anderen Kindern – Raum hat.
Kinder brauchen Freund/innen und soziale Kontakte für ihre mentale Gesundheit. Gerade die Jüngeren unter ihnen haben noch keinen Bezug zu Videotelefonie etc. Sie denken, dass sie keine Freund/innen mehr haben. 
 
Die Isolation stellt für viele Kinder ein Trauma dar, welches zu psychischen Folgeerkrankungen führen kann. Nicht ohne Grund rufen Kinder- und Jugendpsychiater/innen dazu auf, schutzbedürftigen Kindern wieder Kinder- und Jugendhilfen zukommen zu lassen. Wer weiß, wie viele Kinder in den letzten Tagen und Wochen unter psychischer und physischer Gewalt leiden müssen – ohne eine Chance auf Hilfe von außen?


Gesundheitsförderung im Kleinsten gefordert
Kinder brauchen sehr viel Bewegung, um einerseits ihre psychomotorischen Fähigkeiten zu stärken, andererseits kein Übergewicht zu entwickeln. Aktuell sind 15% aller deutschen Kinder und Jugendlichen zu schwer für ihr Alter. Dieses Übergewicht kann später im Erwachsenenalter zu Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder kardiovaskulären Problemen führen, was wiederum hohe Kosten im Gesundheitssystem verursacht. Nicht jede/r, der/die in Hamburg lebt, hat das Glück, einen eigenen Garten zu besitzen, in dem die Kinder ohne Probleme toben können. Viele Familien wohnen mit mehr Familienmitgliedern als Räumen in kleinen Wohnungen.


Kinder brauchen Sonne, um Vitamin D bilden zu können, das sie für ihr Wachstum dringend benötigen. Bei einem Mangel kann es zu Krankheiten wie z.B. Rachitis kommen.


Geschäfte dürfen ab dem 20.04.20 nach und nach wieder öffnen, aber Spiel- und Sportplätze nicht? Auch Kitas bleiben für viele Kinder weiterhin geschlossen?


So kann es nicht weitergehen!


Kinder müssen Teil der „neuen Normalität“ sein
Gesamtgesellschaftlich gewöhnen wir uns gerade an den Gedanken einer „neuen Normalität“. Da der Zeitraum der Krise nicht absehbar ist, muss auch für Kitas und Grundschulen sowie für den Umgang mit Spiel- und Sportplätzen eine solche „neue Normalität“ kreativ und mit Ideenreichtum gestaltet werden. Wir fordern, dass – wie in so vielen anderen Bereichen – jetzt damit begonnen wird! 


Mit welcher Begründung sind Spiel- und Sportplätze anders als manche Geschäfte weiterhin gesperrt? Man kann auch an diesen Orten Abstand halten und dafür Sorge tragen, dass sich dort nicht zu viele Familien gleichzeitig aufhalten. In geschlossenen Räumen kann sich das Virus über die Aerosole gut verteilen. An der frischen Luft ist dies bei genügend Abstand eher unwahrscheinlich. Und ja, Kinder lernen schneller als viele denken: Auch kleinste Kinder haben schon jetzt gelernt, Abstandsregeln einzuhalten.


Das Thema Kita-Öffnung scheint komplizierter; vor allem wenn man bedenkt, dass die Anzahl der Kinder pro Gruppe schon vor der Pandemie viel zu hoch war.
Aber man könnte z.B. ein Rotationsprinzip einführen: Je nach Größe der Kita und Räume, könnten pro Tag eine gewisse Anzahl an Kindern betreut werden. Jeder Familie könnten dann ein, zwei oder drei Tage pro Woche zustehen. So könnten die Eltern, die arbeiten müssen, an diesen Tagen entlastet werden. Bisher kam die Notbetreuung nur Familien zugute, die zwei Elternteile in systemrelevanten Berufen nachweisen konnten. Bei nur einem Teil muss das Kind, oder die Kinder, zu Hause betreut werden, selbst wenn beide Eltern arbeiten müssen. Aber Home-Office mit einem oder mehreren Kleinkindern ist faktisch nicht möglich!
Laut Sozialgesetzbuch haben Kinder seit 2013 einen gesetzlichen Anspruch auf einen Kindergartenplatz.


Schule ist nicht nur Lern-, sondern Lebensort
Auch die Schulpflicht inklusive einer zugänglichen Bildung für alle Schüler/innen scheint seit Beginn der Pandemie keine Rolle mehr zu spielen. Es ist zwar gut, dass die ersten Schüler/innen demnächst nach und nach wieder zur Schule gehen dürfen. Allerdings liegt der Fokus auf dem Leistungsaspekt. Soziale Aspekte scheinen keine Rolle zu spielen. Dabei ist das unserer Meinung nach mindestens genauso wichtig! 


Die Entscheidung im Umgang mit der Wiederöffnung der Schulen für manche Klassenstufen bereitet uns mit Blick auf eine Bildungsgerechtigkeit, nämlich gleiche Bildungschancen für alle Kinder, Sorgen. Wir kritisieren, dass die Viertklässler eher zur Schule gehen sollen, als die Drittklässler. Denn bereits in der dritten Klasse wird entschieden, auf welche Schule ein Schüler/eine Schülerin zukünftig gehen wird. Erst- und Zweitklässler verfügen meist noch nicht über die Fähigkeiten, sich Wissen selbstständig zu erarbeiten. Es gibt Familien, die keinen Anschluss zum Internet haben, kein Laptop, kein Tablet, nichts, um in Kontakt mit Lehrer/innen und Mitschüler/innen zu treten. Auch in Hamburg hängt die Bildung leider sehr vom sozialen Status ab. Um dies zu durchbrechen, brauchen Kinder die Möglichkeit, in den Schulen lernen zu dürfen.


Krise fordert Kreativität
Sie wollen beginnen, Bücherhallen etc. zu öffnen. Prüfen Sie vor diesem Hintergrund genau, ob auch der Unterricht für alle wieder stattfinden kann. Vielleicht kann man beginnen, Turnhallen als Klassenräume zu nutzen, den Unterricht in zwei Schichten stattfinden zu lassen, bei gutem Wetter draußen zu unterrichten, die Mensen als Unterrichtsräume zu nutzen, Nachmittagsbetreuer/innen mit in die Vormittagsbetreuung zu nehmen, damit eine geteilte Klasse immer eine Ansprechperson hat. Vielleicht gibt es in der Nähe der Schulen noch andere Institutionen, die ihre Räume zurzeit nicht nutzen, da alle Mitarbeiter im Home-Office sind. 


Dies sind nur einige mögliche Vorschläge, die Ihnen zeigen, wie ein kreativer Umgang im Sinne von Kindern und Eltern möglich wäre.
Wir sehen eine sofortige Veränderung der jetzigen Situation als dringend notwendig an. Es darf nicht sein, dass die Gruppe von Menschen, die nicht für sich selbst sprechen kann, weiterhin isoliert wird, vor allem, da es sich anscheinend um eine unbefristete Zeit handeln wird. 


Unsere Kinder sind wichtig!
Unsere Kinder können nicht für sich sprechen!
Unsere Kinder haben Rechte!
Unsere Kinder sind die Zukunft von morgen!