Schützt das Naturschutzgebiet Oetternbach - Was tut sich 2019?

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Annette Heuwinkel-Otter
Annette Heuwinkel-Otter hat diese Petition unterschrieben.

Petitionsseite aktualisiert 24.01.2019: Das NSG Oetternbach in Detmold (Ostwestfalen-Lippe) ist durch drei neue Gewerbegebiete gefährdet (Foto). Das NSG ist als Kaltluftschneise eines der wichtigsten Klima- und immissionsökologischen Einzugsgebiete von Detmold (Bebauungsplan 23-06/I, S. 7). Die Stadt Detmold plante einen Abstand von nur 2 Meter zum NSG und verteilte Lärmkontingente, um den Bebauungsplan zu realisieren. Das Oberverwaltungsgericht Münster erklärte im März 2018 eine Klage für rechtens, aufgrund vielfacher Mängel im Bebauungsplan. Die Stadt Detmold will einen neuen Versuch starten und Experten hinzuziehen. Für weitere Gutachten sollen 70.000 Euro investiert werden. Die zweite Ackerfläche (Peterskamp), die als Gewerbebaustein II vorgesehen war, wird bei den Untersuchungen einbezogen. 

Flächenversiegelung schafft zunehmend Probleme für Mensch und Natur. Die "Wirtschaft wächst jedes Jahr um 14.000 Quadratmeter" (Lippische Landes-Zeitung,10.08.2016). Ackerflächen mit bester Bodenqualität, die dringend aufgrund des Klimawandels notwendig sind, sollen zerstört werden. Die Bürger wehren sich dagegen. Bitte helfen Sie, Ihrer Unterschrift kann viel bewegen!

Umweltgifte, Flächenversiegelung - Artensterben und Erkrankungszunahme
Jede dritte Tierart in Deutschland ist bedroht. Fast 28% der Wirbeltierarten (Süßwasserfische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere) sind in ihrem Bestand gefährdet (Artenschutzreport, Bundesamts für Naturschutz (BfN), Mai 2015). Insekten sind zu 75% ausgerottet (Krefelder Studie, 2018) Agrarvögel wie Kiebitz und Feldlerche geht es seit 20, 30 Jahren kontinuierlich schlechter. Diese und viele andere Vogelarten leben in dem Plangebiet.

Todesfälle und Erkrankungen nehmen zu durch Umweltverschmutzung (Feinstaub, Stickoxide, Lärm). Ausgerechnet in einem "ausgesprochenen jungen Stadtteil", viele Familien mit Kindern, der beständig wächst, plant die Stadt neue Straßen und Gewerbegebiete. Die Situation wird für die Bewohner unerträglich, die Lebensqualität sinkt, die Gesundheitsgefahren steigen. 

Ein "neues Mestre" als Eingangspforte zur Residenzstadt
Rund 25 Fußballfelder sollen zu Gewerbegebieten werden:
1. Der "Peterskamp" (Nienhagen) mit 9,6 ha
2. Die "Balbrede" (Jerxen-Orbke) mit 3,58 ha (Vorentwurf B)
3. Die "Oetternbrede" (Jerxen-Orbke) mit ca. 4,5 ha, hat die Stadt Detmold als weitere Gewerbefläche anvisiert. Insgesamt sind das 17,68 ha. Ein Fußballfeld ist 105 mal 68 Meter groß und hat damit eine Fläche von 0,714 Hektar.

Hinzu kommen bestehende, angrenzende Gewerbeflächen in Nienhagen mit einem ähnlichen Flächenausmaß und drei Windräder. Das heißt: beidseits entlang der Lageschen Str. (B239) entsteht ein riesiges Industriegebiet auf fruchtbarem Ackerland, welches wohlmöglich mit dem Gewerbegebiet der Stadt Lage zusammenwächst. In Jerxen, am Nordríng wird im Herbst 2019 die Poppenbrede als Gewerbegebiet erschlossen, (4,1 ha Plangebiet).
Engagierten Bürgern und Umweltschutzverbänden ist es zu verdanken, dass die Oetternbachregion und kleinere Flächen in dem Plangebiet an der Lageschen Straße als Naturschutzflächen ausgewiesen werden mussten. Kommt es zur Bebauung, grenzen die Industrieanlagen an die Naturschutzflächen bzw. umschließen diese. Das ist weder mit dem Arten- noch mit dem (Grund)-Wasserschutz vereinbar.

Naturschutzbund (NABU) widerspricht den Plänen der Stadt
Zwei Gutachten des NABU Kreisverband Lippe führen aus, dass dieses den Zielen und Grundsätzen der Landes- und Regionalplanung zum Schutz des Freiraums widerspricht (NABU-GUTACHTEN vom 2.04.2013 und 19.06.2016). Die Gutachten finden kaum Beachtung. Die Entscheidung für das geplante Gewerbegebiet stützt sich hingegen auf ein veraltetes Klimagutachten aus dem Jahr 1999.

Gegengutachten vom NABU ignoriert?
Das Oetternbachtal ist geprägt von wertvollem Erlen-Ufergehölz sowie Feuchtweiden- und -wiesen, besonders geeignet als Lebensraum für den Steinkauz. In dem nahegelegenen Dorf Heiden hat er einen der ganz wenigen Brutplätze in Lippe (NABU-GUTACHTEN vom 2.04.2013). Obwohl im Plangebiet 27 schützenswerte, d.h. vom Aussterben bedrohte Vogelarten (z.B. Feldlerche, Kiebitz, Mäusebussard, Stein- und Waldkauz, Schwarz -und Rotmilan), sechs schützenswerte Fledermausarten, 76 Schmetterlingsarten sowie im NSG Oetternbach schützenswerte Teichmolche und Erdkörten leben, werden ausgerechnet hier neue Gewerbeflächen anvisiert. Die Information dazu erhalten die Bürgern scheibchenweise. In der Beschlussvorlage für die Ausschusssitzung vom 20.04.2016 steht auf Seite 2: "… Dieses umfasst gleichzeitig auch die Erschließung der zukünftigen Gewerbeflächenbaustein II und III (Peterskamp/Oetternbrede). …" Das heißt die Bebauung mit Gewerbe wird weiter ausgedehnt, auch auf die "Oetternbrede" und damit direkt in das Wohngebiet von Jerxen-Orbke.

Umweltbundesamt warnt
Straßenlärm tagsüber bei einem Mittelungspegel über 55 dB (A) außerhalb des Hauses das psychische und soziale Wohlbefinden beeinträchtigt. Werte über 65 dB (A) tags und über 55 dB (A) nachts steigern das Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden und möglicherweise daran zu versterben.

Emissionsverstärkung - Schäden für Mensch und Tier einkalkuliert!
Die Lagesche Str. (B239) gehört zu den verkehrsstärksten Straßen in Lippe. Nach der Lärmkartierung fahren hier im Jahr 7 Mio. Kraftfahrzeuge (Kfz). Das heißt 19.178 Kraftfahrzeuge täglich. Ohne Sonntage gerechnet: 22.364 Kfz täglich. Die Dezibelwerte (dB (A) liegen tags zw. 50-75 dB (A) und nachts zw. 50 und 65 dB (ERGEBNISSE der LÄRMKATIERUNG, 2012). Die Höchstgrenzen der Lärmbelastung werden am Tag und in der Nacht überschritten. Die Lärmkartierung spart die Bereiche des Kindergartens und der Oetternbachschule aus. Mit Blick auf das Kindeswohl wäre hier eine Datenerhebung besonders wichtig.
Auf das geplante Gewerbegebiet Balbrede soll produzierendes Gewerbe (u.a. Industrieanlagen mit bis zu 70 dB Lärmemission) und ein Blockheizkraftwerk der Stadtwerke.
Auswirkungen: Mehrere neue Straßenzüge, mit Wendekreisen für Lastwagen sind geplant. Materialien und Produkte müssen an- und abtransportiert werden. Das Verkehrsaufkommen wird zunehmen, durch Einpendler und vor allem durch Lastwagen. Gebilligt wird, dass die hier lebenden Tiere, vertrieben oder tot gefahren werden und die Gesundheit der Anwohner durch zunehmende Lärm-, Licht- und CO2-Emissionen aufs Spiel gesetzt wird (gesteigertes Herzinfarktrisiko, s.o.). Das hat katastrophale Folgen für das NSG und die gesamte Region.

Flächenverbrauch ist nicht hinnehmbar
Die Gemarkung Jerxen-Orbke hat eine Gesamtfläche von 303,28 ha. Als Gewerbeflächen sind planungsrechtlich ca. 48,5 ha ausgewiesen. Hinzu kommen sollen drei Gewerbefläche an der Lageschen Straße mit 17,68 ha und die Poppenbrede am Nordring mit 2,52 ha versiegelter Fläche. Damit hat Jerxen-Orbke einen Flächenverbrauch für Gewerbe von 68,07 ha: Ein Viertel der Gesamtfläche von Jerxen-Orbke. Hinzu kommt der Flächenverbrauch für Wohnhäusern, Bürogebäude, Parkmöglichkeiten, öffentliche Gebäude (Kindergarten, Schule), Straßen, Wege und öffentliche Plätze.

Freiflächen zur Erholung von Mensch und Natur sind so gut wie nicht vorhanden. Es entstehen riesige ineinander übergehende Gewerbegebiete, die wohlmöglich mit den Gewerbeflächen der Stadt Lage zusammen wachsen.

Forderungen: Die Anwohner, die Bürgerinnen und Bürger aus dem Einzugsgebiet des geplanten Gewerbegebietes von Jerxen-Orbke, Nienhagen, Heiden, Niewald, Oettern-Bremke fordern, dass die Stadt Detmold ein aktuelles Klimagutachten vorlegt. Die "Balbrede" sowie "Oetternbrede" müssen Acker- und Freiflächen zum Artenschutz bleiben. Die Anwohner möchten Naherholungsmöglichkeiten vor Ort. Die geplante Straßenkreuzung Lagesche Str./Orbker Str. als zweiter großer Straßenknotenpunkt im Wohngebiet ist nicht akzeptierbar.