Autismus muss ein eigenständiger sonderpädagogischer Förderschwerpunkt werden!

Autismus muss ein eigenständiger sonderpädagogischer Förderschwerpunkt werden!

0 haben unterschrieben. Nächstes Ziel: 25.000.
Bei 25.000 Unterschriften wird diese Petition zu einer der meist gezeichneten Petitionen auf Change.org!

@Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger

@Ministerin Karin Prien, Präsidentin der Kultusministerkonferenz

@Dr. Isabelle Sieh, Geschäftsstellenleiterin der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission (Beratungsgremium der Kultusministerkonferenz) 

#FörderschwerpunktAutismus

Autistische Schüler*innen fallen durch das systemische Raster. Ob sie die für sie adäquate Lernumgebung und Förderung erhalten, bleibt dem Zufall überlassen. 

In meiner aktiven Zeit als Lehrerin habe ich viele sehr engagierte Lehrer*innen kennengelernt, die mit hohem Einsatz und sensibler Haltung autistische Schüler*innen begleiten und unterstützen Das Schulsystem verlässt sich auf diese Lehrkräfte - und lässt sie alleine.

Aber ich habe leider mehrheitlich erleben müssen, dass die Autismus-Diagnose in Schulen und von Lehrkräften nicht anerkannt und den autistischen Schüler*innen die nötige Unterstützung verwehrt wird. Dies geschieht aus Unwissenheit über Autismus. Präsent sind vielmehr die vielen Klischees, nach denen der/die Schüler*in nicht autistisch sein könne.

Der funktionale Charakter des Verhaltens autistischer Schüler*innen wird nicht erkannt, sondern kritisiert, bemängelt, beklagt. Und viel zu oft werden die Schüler*innen als Menschen abgelehnt und verurteilt.

Mein Motto als Lehrerin und Schulleiterin war immer: Mut zur Verantwortung! Mit der Ablehnung oder Verneinung der Autismus-Diagnose und dem Verwehren der nötigen Unterstützung geben Schulen und Lehrkräfte ihre Verantwortung ab. Doch das können sie nicht. Die Verantwortung für eine adäquate Lernumgebung für autistische Schüler*innen liegt in den Schulen!

Damit komme ich wieder zum Anfang: Das System muss die nötigen Rahmenbedingungen schaffen, damit Schulen und Lehrkräfte ihrer Verantwortung gerecht werden können.

Aber: Es gibt keinen eigenen sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Autismus. Und das hat Folgen:

  • autistische Schüler*innen werden bei einem Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung einfach einem anderen Förderschwerpunkt zugeordnet, meist Lernen oder soziale und emotionale Entwicklung. Das wird ihren autistischen Bedarfen in keinster Weise gerecht.
  • Autismus kann nur an ganz wenigen Universitäten als Schwerpunkt im Rahmen eines Lehramtsstudiums gewählt werden. Selbst zukünftige Sonderpädagog*innen erhalten höchstens rudimentäres Wissen über Autismus. Autistische Menschen nehmen die Welt anders wahr, und sie lernen auch anders als nicht-autistische Menschen.
  • Es gibt keine Schulen mit einem Schwerpunkt Autismus. Allzu oft werden autistische Schüler*innen an Förderschulen Lernen oder emotionale und soziale Entwicklung verwiesen, obwohl ihre Schwierigkeiten ganz anders begründet sind und sie dort nicht die richtige Förderung erhalten.

Deshalb fordere ich: Autismus muss ein eigenständiger sonderpädagogischer Förderschwerpunkt werden.

Das impliziert darüber hinaus die Forderung nach

  • einem Schwerpunkt Autismus im Studium der Sonderpädagogik,
  • einem Schwerpunkt Autismus in den Lehramtsseminaren für Sonderpädagogik,
  • einer Förderschule mit dem Schwerpunkt Autismus, auch als Webschule,
  • einem verbindlichen Modul Autismus in den Ausbildungen aller zukünftigen Lehrer*innen,
  • ausreichender und qualifizierter Fortbildung für alle Lehrkräfte.

An der Konzeption und Entwicklung des Förderschwerpunkts Autismus und seines Studiengangs sind im Sinne von echter Inklusion autistische Menschen gleichberechtigt zu beteiligen. Nur so wird gewährleistet, dass eine autistische Pädagogik entwickelt wird, die eine Lernumgebung schafft, die den autistischen Kindern und Jugendlichen tatsächlich gerecht wird, so dass sie ihr Potenzial entfalten können.

Dann werden auch autistische Kinder und Jugendliche gleiche Chancen auf Bildung und Teilhabe haben.

Lassen Sie uns zusammen den Mut haben, Schule für die autistischen Schüler*innen zu verändern, um Chancengerechtigkeit herzustellen. Mut, aus Sicht nicht-autistischer Menschen ungewöhnliche und auch unkonventionelle Wege zu gehen. Mut, die autistischen Schüler*innen im System in den Mittelpunkt zu stellen. Mut, barrierefreies Lernen für jede*n - nicht nur autistische*n - Schüler*in zu ermöglichen. Mut, die vielen "Ja, aber..." zu überwinden.

Lassen Sie uns zusammen aus diesem Mut heraus eine adäquate Lernumgebung für autistische Schüler*innen solange fordern, bis Autismus als eigenständiger Förderschwerpunkt die notwendige Aufmerksamkeit erfährt, um Schulen und ihre Pädagogik entsprechend den autistischen Bedürfnissen anpassen zu können. Autistische Schüler*innen dürfen nicht länger durch das systemische Raster fallen, nur weil sie bislang nicht die nötige Beachtung finden!

Zu meiner Person: Zwanzig Jahre habe ich im nordrhein-westfälischen Schuldienst als Lehrerin, Fachberaterin, Moderatorin in der Lehrerfortbildung sowie in der Schulleitung gearbeitet. Mit 47 Jahren erhielt ich die Diagnose Asperger-Autistin.

Veröffentlichungen:

Stephanie Meer-Walter (2021): Schüler/innen im Autismus-Spektrum verstehen. Praxishilfe zu autistischen Besonderheiten in Schule und Unterricht. Weinheim Basel: Beltz.

Leo M. Kohl, Stephanie Meer-Walter, Franca Peinel (2020): Warum verstehen mich meine Lehrer nicht? Lehrerratgeber für Kinder im Autismus-Spektrum. 2. Auflage. Gera: Verlag Daniel Funk.

Mehr Informationen finden Sie hier: www.mit-meinem-ganzen-sein-autistisch.de

0 haben unterschrieben. Nächstes Ziel: 25.000.
Bei 25.000 Unterschriften wird diese Petition zu einer der meist gezeichneten Petitionen auf Change.org!