Petition update

Stellungnahme zum Antwortschreiben der Bildungsministerin

Bleranda, Janine, Yvonne, Kevin und Gerda-Maria

Jan 7, 2021 — 

Liebe Unterstützer:innen,
wir haben zu unserer großen Freude eine Reaktion aus dem Ministerium für Schule und Bildung (NRW) erhalten!
Wir waren leider enttäuscht, dass kaum auf unsere Forderungen eingegangen sondern darauf plädiert wurde, dass unsere geforderten Themen bereits im Kernlehrplan verankert sind. Die Schule ist ein wichtiger Ort, der sich fächerübergreifend gegen Rassismus einsetzen muss. In dem Antwortschreiben ist die Rede davon, dass die Gesellschaftswissenschaften auf die Entwicklung einer mündigen und sozialverantwortlichen Person und über den Kern weitere Beiträge zu fachübergreifenden Querschnittsaufgaben in Schule und Unterricht setzen. Wir fragen uns an dieser Stelle von welchen weiteren Beiträgen hier gesprochen wird. Uns ist bewusst, dass in Fächern wie Philosophie und Religion Themen wie Rassismus und Diskriminierungen jeder Art besprochen und dafür sensibilisiert werden kann. Auch in diesen Fächern kommt es aber auf die Lehrkraft und das Engagement an und inwiefern der gegenwärtige Rassismus in Deutschland thematisiert wird.
Des Weiteren wird die Gestaltungsfreiheit und Gestaltungspflicht der Fachkonferenzen angesprochen. „Die Kernlehrpläne in NRW sind zur Erreichung dieser übergeordneten fachlichen Ziele so angelegt, dass sie Inhaltsfelder mit inhaltlichen Schwerpunkten und daran konkretisierte Kompetenzen ausweisen. Diese sind als obligatorisch anzusehen, decken maximal Dreiviertel der zur Verfügung stehenden Unterrichtszeit ab und sind so angelegt, dass sie eine Umsetzung in schuleigene Vorgaben in der Gestaltungsfreiheit – und Gestaltungspflicht – der Fachkonferenzen sowie der pädagogischen Verantwortung der Lehrerinnen und Lehrer vor Ort ermöglichen.“ Somit ergibt sich also, dass konkretisierende Unterrichtsthemen nicht vom Bildungsministerium vorgegeben werden. Wieso sollten so wichtige Themen wie Anti-Rassismus und deutsche Kolonialgeschichte nicht verpflichtend sein? Es ist zu einfach sich darauf zu verlassen, dass einige Lehrkräfte eventuell etwas in den Unterricht einbauen. Wir fordern eine Pflicht diese Säulen fächerübergreifend einzuführen und die Kolonialzeit nicht weiter zu romantisieren, indem beispielsweise von „Entdeckung“ eines Landes gesprochen wird. Diese Länder und Kontinente gab es schon bevor sie kolonialisiert wurden.
In dem Antwortschreiben wird auf vereinzelte Lehrfelder im Curriculum hingewiesen, welche die Auswirkungen eines übersteigerten und zunehmend aggressiver werdenden Nationalismus aufweiset, der zunächst zu einem Wettstreit um die Verteilung von Kolonien und dann mit dem Ersten Weltkrieg in die „Urkatastrophe“ eines Jahrhunderts führte. Die Kolonialgeschichte wird an dieser Stelle nicht ausreichend thematisiert. Es ist schlicht die Rede davon, dass es Kolonien gab und man sich um die Verteilung dieser gestritten hat. Die Forderung, dass die deutsche Kolonialgeschichte aufgearbeitet und vor allem von Lehrkräften kritisch beleuchtet werden soll, wird an dieser Stelle leider ignoriert.
Über den Begriff Kolonialgeschichte wird geschwiegen und dieser taucht beispielsweise auch nicht im Lehrplan des Faches Geschichte für Realschulen in NRW auf. Wie kann dann davon die Rede sein, dass „die von Ihnen geforderten konkreten Themen bereits gegenwärtig als ein grundsätzliches Fundament bei der Erstellung sämtlicher Lehrpläne an allen allgemeinbildenden Schulformen und für alle Fächer verankert [sind].“ Hingegen wird in diesem Lehrplan als Sachkompetenz folgendes aufgezählt:

• Die Schülerinnen und Schüler erläutern Motive und Auswirkungen der europäischen Kolonialpolitik an EINEM Beispiel.

Ein Beispiel kann im Ansatz nicht die Bedeutung und die Brutalität von Kolonialgeschichte Nahe bringen. Darüber hinaus kann nicht immer nur von „europäischer Kolonialpolitik“ gesprochen werden. Dass es eine verheerende Deutsche Kolonialgeschichte mit gegenwärtigen Folgen gibt, muss beim Namen genannt werden. Abgesehen davon ist ein fächerübergreifendes Bewusstsein erforderlich, um rassismuskritisch zu bilden. Ausschließlich im Fach Geschichte darüber unterrichten ist nicht ausreichend.
Außerdem wird die Forderung der Zugänglichkeit von Antidiskriminierungstellen ebenfalls ignoriert. Schüler:innen, die täglich Rassismus und Diskriminierung erfahren, haben in der Schule keine Anlaufstelle und Safe Space, wo sie über Erlebtes sprechen können. Wir fordern eine Auseinandersetzung mit diesem Thema, denn seelische Erkrankung aufgrund von Rassismuserfahrung ist alltäglich und längst kein Geheimnis mehr. Schulen sind nicht nur für die Vermittlung von Wissen sondern auch für die Gesundheit ihrer Schüler:innen verantwortlich.

Die Umsetzung von rassismuskritischer Bildung kann nicht weiterhin in der Eigenverantwortung der Lehrkräfte liegen. Wir fordern die Pflicht dazu - egal in welcher Schulform. Die eurozentrische Perspektive ist tief verankert und sicherlich wird es schwierig da aufzuräumen, aber irgendwann muss damit angefangen werden. Es kann nicht so weitergehen, dass beispielsweise ein Helden-Narrativ entsteht, wenn man über die Kolonialisierung und Ausbeutung durch Kolonialherren unterrichtet. Mit dieser Forderung ist das NRW-Team nicht allein. Dazu kommen über 98.000 Unterstützer:innen der Petition „Anti-Rassismus und deutsche Kolonialgeschichte als Teil des Lehrplans an Schulen in NRW!“, die sich das für die Zukunft unserer Kinder wünschen.

Wir sehen hier Gesprächsbedarf und bitten um einen Termin, unsere Forderungen zu besprechen und die Petition zu überreichen.


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