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Anleitung zu Psychischer Gewalt darf nicht im Bücherregal stehen! #dasistkeineverführung

Diese Petition war mit 112 Unterstützer*innen erfolgreich!


Stell dir vor es gäbe ein Buch, das ganz genau beschreibt wie man eine toxische Beziehung aufbaut. Es gibt der*dem Täter*in eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie die begehrte Person manipuliert, isoliert und gegen ihren Willen gefügig gemacht werden kann; kurz gesagt: wie man psychische Gewalt ausübt. Dieses Buch existiert. Und das macht uns fassungslos - aber nicht sprachlos!

Worum gehts?

Dass es sich um eine Anleitung und nicht etwa um eine wissenschaftliche Betrachtung oder einen Präventionsratgeber handelt, beschreibt der Autor selbst in seinem Vorwort: "Der zweite Teil des Buches, »Die Gesetze der Verführung«, stellt 24 Manöver und Strategien vor, Gesetze, anhand derer Sie lernen können, wie man andere Menschen in seinen Bann bringt, ihren Widerstand bricht, den eigenen Aktionen Schwung und Durchschlagskraft verleiht und das Opfer zur Kapitulation treibt." (S. 15 in: Robert Greene: Die 24 Gesetze der Verführung. Kompaktausgabe. Erschienen im Carl Hanser Verlag München. Leseprobe inkl. dieses Zitats einsehbar über die Verlagsseite) Doch es kommt noch schlimmer.

Warum ist das Buch so problematisch?

TRIGGERWARNUNG! Bitte lies die folgenden Zitate nur, wenn du es dir psychisch zutraust!

Greene schreibt seine Leser*innen direkt an, fordert Sie also zum Handeln auf und verwendet dabei gewaltvolle Sprache, indem die Lesenden als "Jäger" und das begehrte Gegenüber als "Opfer" kategorisiert werden. Anbei einige Zitate aus dem Buch: "Ein verliebter Mensch reagiert emotional, ist gefügig und lässt sich leicht in die Irre führen" (S. 11). Macht scheint für den Autor das absolute Ziel einer Beziehung zu sein: "Verführer lassen sich Zeit, sie berücken und bezaubern und bedienen sich der Bande der Liebe, so dass der sexuelle Akt, wenn er daraufhin erfolgt, das Opfer nur weiter versklavt." (S. 12) Und wie wird dieser Zustand nun erreicht? Dafür gibt es einige sehr drastische Mittel, die wir nicht alle nennen können - und wollen! Doch um dir die Problematik dieses Buches vor Augen zu führen, folgen einige kleine Auszüge, in denen der Autor unter der Überschrift "Inhalt" einen Vorgeschmack darauf gibt, was in den einzelnen Kapiteln erklärt wird: "Schüren Sie Angst und Unzufriedenheit [...] Angespannte Disharmonie müssen Sie dem Geist Ihres Opfers einpflanzen.", "Isolieren Sie das Opfer - Eine isolierte Person ist schwach. Indem Sie Ihr Opfer nach und nach absondern, machen Sie es Ihren Einflüssen leichter zugänglich. Führen Sie es aus seinem vertrauten Milieu heraus, entfremden Sie es von Freunden, Familie, Heimat.", "Mischen Sie Lust und Schmerz - Der größte Fehler beim Verführen ist, zu nett zu sein. [...] Lassen Sie das Opfer sich unsicher und schuldig fühlen. Zetteln Sie einen Streit, gar eine Trennung an - wenn Sie nach der Versöhnung wieder zu Ihrer früheren Freundlichkeit zurückkehren, wird Ihr Opfer Ihnen auf Knien danken. Je abgrundtiefer die Qualen, umso himmelhöher die Freuden. Erzeugen Sie Angst, um die Erotik zu steigern."

TRIGGERWARNUNG ENDE!

Was können wir dagegen tun?

"Die 24 Gesetze der Verführung" wird in Deutschland von den Verlagen Hanser und dtv verlegt (auch in erneuerten Auflagen) und in großen Buchhandlungen wie Thalia und Hugendubel geführt. Wir wollen Aufmerksamkeit für das Thema psychische Gesundheit schaffen und die Verlage und Buchhandlungen im Idealfall dazu bringen, das Buch aus dem Programm zu nehmen - zumindest aber zum Nachdenken anregen. Es ist wichtig, dass dieses Buch nicht in falsche Hände gerät - am besten wäre es, es würde in niemandes Hände geraten. Jedes "Opfer", das wir dadurch schützen und dem wir eine solche Beziehung ersparen können, ist den Aufwand wert. Menschen, die diese Erfahrungen machen mussten, werden seelisch stark belastet und tragen oft ein Trauma davon.

Falls du dich in einer solchen Beziehung befindest: Dieses Verhältnis ist nicht normal! Sprich darüber mit Personen, die dir nahestehen (oder vor der Beziehung nahestanden) und/oder such dir professionelle Hilfe bei einer*einem Psychotherapeut*in. Direkt unterstützen kann auch das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" (wo sich Menschen aller Geschlechter melden können): 08000116016. Die Berater*innen sind auch auf Fälle psychischer Gewalt spezialisiert.

Was wurde bereits erreicht?

Durch den Protestaufruf über unseren Blog und Instagram haben wir bereits eine erste Reaktion der beiden Verlage erreicht. Beide wollen den Inhalt des Buches noch einmal gründlich prüfen. Da wir seither keine weitere Rückmeldung erhalten haben, bist jetzt du gefragt: Unterschreibe die Petition, um der Kritik weiterhin Nachdruck zu verleihen!

Mehr Infos

Weitere Informationen zur Protestaktion findest du auf dem Blog www.feministischeslesen.de und via Instagram bei @feministischeslesen. Die Recherchearbeit hat @schwestersuffragette geleistet und damit unsere Aufmerksamkeit geweckt. Wir danken ihr an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich für ihr Engagement und die wichtige Aufklärungsarbeit.



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