Forderung lückenlose Aufklärung an tunesische Regierung wegen Mord an der deutschen Studentin Ahlem Dalhoumi

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In der Nacht von Freitag, den 22.08.2014 auf Samstag, den 23.08.2014, wurden auf dem Heimweg auf einem Feldweg in der tunesischen Stadt Kasserine die beiden jungen Frauen, Ahlem und Ons Dalhoumi, von der Polizei erschossen, 2 weitere Insassen verletzt. Insgesamt waren sie zu siebt in einem Golf IV unterwegs nach Hause.

Plötzlich sprangen Personen aus dem Gebüsch und Sondes (Schwester von Ahlem und Cousine von Ons) erschreckte sich und gab ein wenig Gas.

Daraufhin eröffneten die Männer das Feuer und nahmen das Fahrzeug von hinten unter Beschuss. Wie sich später herausgestellt hat, waren es Polizisten.

Sondes hielt beim 1. Schuss an, beim 2. Schuss sagte Ahlem: „Ich bin getroffen!“. Daraufhin stieg Sondes aus dem Fahrzeug, um zu ihrer Schwester zu gelangen. Jedoch war Ahlem bereits tot. Die Polizisten schossen weiter. Einer dieser Schüsse traf Ons Dalhoumi.

Die Polizisten näherten sich dem Fahrzeug, doch statt zu helfen, sind sie davon gefahren. Somit wurde von der Polizei keine Erste Hilfe geleistet oder die Opfer ins Krankenhaus gebracht.

Auf dem Weg ins Krankenhaus passierten sie eine Polizeisperre, an der sie unnötiger Weise angehalten wurden, wichtige Zeit für Ons verloren ging und fuhren dann weiter. Auch hier wurde keine Erste Hilfe geleistet!

Im Krankenhaus angekommen war lediglich ein Pfleger aber kein Arzt aufzufinden. Ons starb im Krankenhaus an ihrer Schussverletzung.

Die erste Pressemitteilung des tunesischen Innenministeriums war, dass das Auto zu schnell gefahren sei und nicht angehalten habe. Daher wurden die tödlichen Schüsse von hinten auf das Auto eröffnet.

Ahlem und Ons waren weitere Opfer der Willkür der tunesischen Polizei, welches scheinbar an der Tagesordnung steht.

Seit dem Tod von Ahlem und Ons sind noch weitere 4 junge Menschen von der Polizei hingerichtet worden. In der Regel werden diese Fälle bei Einheimischen als Unfall dargestellt und der Fall ist somit erledigt.

Dem Umstand geschuldet, dass Ahlem eine Deutsche war, scheint etwas zu sein, womit die tunesischen Behörden nicht gerechnet haben. Denn dadurch wurde die Aufmerksamkeit der deutschen Botschaft in Tunis geweckt.

Bis heute werden laut Aussage des tunesischen Innenministeriums Ermittlungen gemacht, welche bis dato keine Ergebnisse vorweisen – soll heißen, dass diese Polizisten noch auf freiem Fuß sind.

Trotz des Nachdrucks der deutschen Behörden ist das Engagement der tunesischen Behörden mehr als fraglich, da keinerlei Beweise gesichert worden sind, keine der Überlebenden befragt wurden. Dies geschah auf Nachdruck der Familie, da einer der Überlebenden Deutsche ist. Die verletzte Yasmin (Auszubildende, in Deutschland geboren und lebend) musste nach Deutschland abreisen, um die Kugelsplitter, welche in ihrer Schulter stecken, zu entfernen. Einem anderen Überlebenden (Amin, 18 Jahre) wurden die Splitter in einer tunesischen Privatklinik entfernt und diese „Beweisstücke“ einfach weggeschmissen (O-Ton Arzt: „Willst du die Splitter haben oder soll ich sie wegschmeißen?“).

Kurioser Weise wird der Feldweg, auf dem sich die Tat ereignete, vier Tage später angefangen zu reparieren. Bis Dato wurde der Ort nicht als Tatort gesichert. 

Des Weiteren wurde der zu dem Zeitpunkt ermittelnde Staatsanwalt der Stadt Kasserine zum 15.09.2014 versetzt und durch einen neuen unbekannten Staatsanwalt ersetzt, welcher sich komplett in den Fall einarbeiten muss. Auch hier ist bis heute keine Klage erhoben worden.

 

Forderung der Familie

 

Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,

hiermit möchten wir, die Angehörigen der getöteten jungen Frauen, Ahlem und Ons Dalhoumi, eine offizielle Erklärung abgeben.

Wir fordernd Sie auf, dass die Medienberichte wahrheitsgemäß wiedergegeben werden und zwar, dass die beiden Frauen unschuldig waren, keine Straßensperre eingerichtet war und auch keine Aufforderung zum Anhalten erfolgte.

Wir fordern, dass in dieser Angelegenheit eine Aufklärung und eine Untersuchung stattfinden und dass alle Beteiligten und Verantwortlichen notfalls bis hin zum Innenminister zur Rechenschaft gezogen werden, auch wenn dies bedeutet, dass diese in Untersuchungshaft müssen.

An dieser Stelle geht es uns um die Gerechtigkeit und darum, dass die Menschen in Tunesien wieder Vertrauen an die Behörden/Regierung haben können und sollen. Mit solchen Darstellungen, wie sie es über die Medien dargestellt haben, erreichen Sie das Gegenteil und vermitteln nicht nur in Tunesien, sondern in der ganzen Welt, den Eindruck, dass in Tunesien das Recht zu Leben nicht gilt und die Tötung von unschuldigen Menschen durch Polizisten reine Willkür ist.

Wir erinnern Sie daran, dass Tunesien seit dem 12.11.1956 Mitglied der Vereinten Nationen ist und somit u.a auch der „Charta der Vereinten Nationen“ zu folgen ist.

Einen Menschen von hinten zu erschießen ist menschenunwürdig und eine Regierung, welche versucht hier keine Aufklärung zu gewährleisten bzw. scheinbar versucht, diese Art von Verbrechen gar zu vertuschen und nicht die Wahrheit sagt, handelt nicht nach den Grundsätzen der Menschenrechte und sendet genau diese Botschaft an alle. 

In Ihrem Interesse sollten Sie nicht nur in diesem Fall sondern grundsätzlich Aufklärungsarbeit leisten und nicht nur uns, sondern allen zeigen, dass auch Sie an Gerechtigkeit, Werte und an die Grundrechte eines jeden Menschen glauben…

 

… Denn wir glauben daran.

 

In tiefster Trauer und größter Hoffnung

Familie Dalhoumi