Durchschnittsabitur 2020 BW

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Unter aktuellen Bedingungen in die Schule zu gehen, um die Abiturprüfungen abzulegen, ist eine Zumutung.

Sehr geehrte Frau Dr. Eisenmann,
 
wie Sie sicherlich mitbekommen haben, gibt es aktuell eine Petition gegen das Abitur 2020. Diese spricht sich für ein Durchschnittsabitur aus und es haben schon über 146.900 Abiturienten/-innen (Stand: 18.04.2020) unterschrieben. Auch wir teilen mit vielen anderen diese Meinung und haben dafür konkrete Gründe.
 
- Aufgrund der aktuellen Situation ist es nicht möglich die volle Konzentration auf das Abitur zu legen, sei es daheim oder in der Schule. Überall besteht die Gefahr sich und andere anzustecken, dies löst bei vielen
  einen großen mentalen Druck aus. In vielen Haushalten leben Großeltern, die zur Risikogruppe gehören oder auch weitere Menschen mit Vorerkrankungen. Die Angst, andere und sich selbst zu gefährden, lenkt
  deutlich vom eigentlichen Thema "Abitur" ab.
  Wer übernimmt die Verantwortung, wenn sich während den Prüfungen auch nur ein einziger Schüler ansteckt?
 
- Außerdem lastet auf den Schülern ein enormer psychischer Druck, da sie komplett auf sich alleine gestellt sind. An vielen Schulen findet der Onlineunterricht nur unregelmäßig oder überhaupt nicht statt, das sorgt 
  für ein großes Ungleichgewicht in der Vorbereitung auf das Abitur. Viele haben nicht die Möglichkeit, die zur Verfügung gestellten Materialien auszudrucken und sich damit dann vorzubereiten (nicht jeder kann
  täglich 10 Blätter oder mehr ausdrucken). DIE DIGITALE INFRASTRUKTUR IST EIN DESASTER!
  Trotz dieser Gründe sollen wir in ein paar Wochen alle ein einheitliches Abitur schreiben. Wir haben nicht die Chance, alle auf die gleiche Vorbereitung zurückzugreifen und dies wäre unter normalen Umständen der
  Fall gewesen. Die Vergleichbarkeit ist nicht mehr gewährleistet.
 
- Angesichts der fehlenden Zeit konnte in vielen prüfungsrelevanten Fächern der Unterrichtsstoff nicht vollständig bearbeitet, geschweige denn wiederholt werden. Diese Themen wären abiturrelevant gewesen und
  können alleine nicht richtig bearbeitet werden.
 
- An vielen Schulen (z.B. berufliche Schulen) gibt es nicht nur Abiturklassen, die 2020 eine Prüfung schreiben, sondern auch Erzieherklassen, die wieder in die Schule müssen (auch diese machen 2020 ihren
  Abschluss). Es sammeln sich also doch, trotz aller Regeln, viele Menschen an einem Ort an.
 
- Auch uns ist bewusst, dass es Bundesländer gibt, in denen das Abitur schon geschrieben wurde und die Schüler es eventuell unfair finden, wenn es in Baden-Württemberg etc. abgesagt wird. Aber das Schuljahr hat
  dort auch viel früher angefangen und die Abiturienten hatten dort deutlich mehr Vorbereitungszeit und weniger Unterrichtsausfall.
 
- Die Jahrgänge vor uns waren keiner Pandemie ausgesetzt und mussten während der Prüfung keine Angst haben, sich eventuell mit einem, im allerschlimmsten Fall tödlichen, Virus anzustecken. Somit herrscht auch
  hier ein deutliches Ungleichgewicht in der Vorbereitung und Konzentration und es gibt wieder überhaupt keine Vergleichbarkeit, die jedoch immer wieder von Politikern gefordert wird.
  Unter solchen Umständen (Prüfungen mit Maske etc.) und mit so wenig bzw. fast keiner Vorbereitungszeit musste noch niemand die Prüfungen ablegen.

- Da es bisher noch nie Gegenargumente seitens der Regierung/ Politik gab, verstehen wir nicht, was gegen ein Durchschnittsabitur spricht. Wir sind der Meinung, dass es in dieser außergewöhnlichen Zeit auch
  außergewöhnliche Maßnahmen geben muss. Ein Durchschnittsabitur würde die Vergleichbarkeit wieder herstellen und wäre unserer Meinung nach nur fair. Wir haben über die letzten 1,5 Jahre regelmäßig Klausuren
  geschrieben, entsprechende Noten erhalten und unsere Leistungen erbracht. Wir möchten uns nicht vor einer Abiturprüfung "drücken", aber diese kann eben nur unter normalen Umständen und bei gleichen
  Voraussetzungen stattfinden! Und eben diese sind nicht gegeben.

- Was ist wenn man als Schüler selbst Risikopatient ist? Soll man dann einfach gar kein Abitur schreiben oder bekommt man eine Sonderbehandlung, was dann wiederum anderen gegenüber unfair ist?

Die Infektionszahlen steigen laut RKI wieder und wir sollen in die Schule, um Prüfungen abzulegen? Leider ein Beweis für unsere Zertifikatsgesellschaft... 

Wir riskieren unsere Gesundheit und die unserer Familie nicht, nur um ein absolut unfaires Abitur zu schreiben, welches sowieso nicht mehr mit anderen Jahrgängen vergleichbar ist? Auch unseren Abiball müssen wir ausfallen lassen... 

Wir fordern wie ca. 146.900! Abiturienten/-innen ein Durchschnittsabitur! Zumindest wäre ein Dialog mit den Schülern, Eltern und Lehrern mehr als angebracht!

Mit freundlichen Grüßen