Corona-Einschränkungen: Kinder nicht vergessen

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Als Eltern sehen wir, wie unser Kita-Kind seine Freunde vermisst und unter den Einschränkungen leidet. Aber anderen geht es noch viel schlechter.

Wir wollen die Gefahren durch das neue Corona-Virus keineswegs verharmlosen. Die gravierenden Einschränkungen im Alltagsleben waren zur Eindämmung der Pandemie notwendig und sind für einige Wochen zu tolerieren. Jedoch fordern wir die Verantwortlichen dazu auf, die Folgen ihrer künftigen Entscheidungen sorgfältig abzuwägen und deren Auswirkungen genau zu prüfen. Insbesondere die Auswirkungen auf die Schwächsten der Gesellschaft.

Nicht nur Kranke und Alte sind eine Risikogruppe, sondern auch Kinder. Sie sind in besonderem Maße von den guten und schlechten Entscheidungen abhängig, die wir Erwachsenen für sie treffen. Die soziale Isolation, die Verhinderung von Kontakt zu anderen Kindern ist auf die Dauer keine gute Entscheidung für Kinder. Kinder lernen von anderen Kindern, Kinder lernen beim Spielen und Toben auf Spielplätzen. Isolation, Spielplatzsperrungen und Ausgangsbeschränkungen wirken sich bereits jetzt negativ auf ihre Entwicklung aus. Entwicklungsverzögerungen und Wesensveränderungen bei Kindern sind als Kollateralschaden des Corona-Schutzes nicht hinzunehmen.

Die Maßnahmen vertiefen die soziale Spaltung. Insbesondere Alleinerziehende haben Nachteile im Job zu befürchten. Viele ärmere Familien müssen derzeit auf engstem Raum Tag und Nacht zusammenleben. Eine Verstärkung familiärer Konflikte und häuslicher Gewalt ist gerade bei mangelnden Rückzugsmöglichkeiten wahrscheinlich. Dieser absehbaren Zunahme von Gewalt gegen Kinder muss entschlossen entgegengewirkt werden.

Eine hundertprozentige Vermeidung von Corona-Ansteckungen ist ohnehin kein realistisches Ziel der derzeitigen Maßnahmen. Daher muss – ob es uns gefällt oder nicht – stets eine Abwägung stattfinden, wie viel eine Maßnahme jeweils nützt und schadet. In dieser Abwägung fordern wir:

  • Die sofortige Wiedereröffnung aller Spielplätze bei reduzierter Nutzer*innenzahl (z.B. maximal fünf Kinder pro Spielplatz gleichzeitig, maximale Verweildauer eine Stunde, elterliche Aufsichts- und Aufklärungspflicht über Abstands- und Hygieneregeln)
  • Die sofortige Wiederaufnahme des Betriebs von Kindertagesstätten bei reduzierter Gruppengröße und festen Kontaktgruppen (Erzieher*innen, die selbst nicht der Risikogruppe angehören und keinen Kontakt zu Risikogruppen haben, könnten auf freiwilliger Basis und mit zusätzlicher finanzieller Entschädigung wenigstens einen Teil der Kinder betreuen); dabei soziale Priorisierung des Betreuungsangebots (Alleinerziehende, beengte Wohnverhältnisse usw.)
  • Die Ermöglichung selbstorganisierter Kleingruppenbetreuung mit gleichbleibenden Kontaktgruppen
  • Die Ermöglichung von Treffen mit Großeltern unter freiem Himmel und unter Abstandswahrung, nach eigenverantwortlicher Ermessensabwägung der jeweiligen Gefährdung (Alter, Vorerkrankungen)
  • Die sofortige Entwicklung didaktischer und informativer Materialien für alle Altersgruppen in allen in Deutschland relevanten Sprachen zu Verhaltensregeln und den Zielen der aktuellen Maßnahmen.

Trauen wir Eltern zu, verantwortungsbewusst gegenüber ihren Kindern UND deren Großeltern zu handeln. Trauen wir Kindern zu, wichtige Regeln zu verstehen und einzuhalten. Entlasten wir sozial schwache Familien von dem zusätzlichen Druck. Seien wir solidarisch – nicht nur mit Alten und Kranken, sondern auch mit unseren Kindern.