Petition geschlossen.

Sicherstellung der medizinischen Grund - und Notfallversorgung der Münchner Bevölkerung

Diese Petition hat 2.828 Unterschriften erreicht


Medizinische Notfallversorgung in München in Gefahr

Liebe Münchnerinnen und Münchner, liebe Bürgerinnen und Bürger des Münchner Umlands, liebe Patientinnen und Patienten,

am 28.2.2014 wurde vom noch amtierenden OB Christian Ude in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der Städtisches Klinikum München GmbH (StKM, bestehend aus den Kliniken Bogenhausen (KB), Neuperlach (KN), Harlaching (KH), Schwabing (KS), Hautklinik Thalkirchner Straße (KT)) zusammen mit der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) ein Sanierungskonzept für die städtischen Kliniken vorgestellt.

Wir lehnen dieses Konzept entschieden ab, da es im Falle seiner Umsetzung eine massive Einschränkung der medizinischen Grundversorgung der Münchnerinnen und Münchner nach sich ziehen wird.

1. Die Eckpunkte des BCG-Konzepts

Das Konzept sieht eine dramatische Verkleinerung der StKM mit Abbau von 800 Betten vor. Die Kliniken Schwabing und Harlaching, die mit den beiden größten Notaufnahmen Münchens mehr als ein Viertel aller Notfallpatienten versorgen, verlieren ihren Status als Maximalversorger mit Versorgungsauftrag. Ein Maximalversorger ist ein Krankenhaus, das mit vollem diagnostischem und personellem Profil ausgestattet ist und das jedweden Notfall im Hause versorgen kann und muss. Notfallpatienten dürfen von solchen Kliniken nicht abgewiesen werden.

Im  Gegenzug sollen die Kliniken Bogenhausen und Neuperlach geringe Bettenzugewinne verzeichnen (ca. 200) und z.T. Abteilungen aus KH und KS aufnehmen. Bestehen bleiben sollen in KH und KS sog. Polikliniken, mit einem Neurozentrum, Zentrum für Altersmedizin und seelische Gesundheit sowie Mutter-Kind-Zentren.

2. Schwächen und gravierende Risiken des Konzepts mit schwerwiegenden Folgen für die Bevölkerung

Das Konzept weist mehrere Schwachstellen und gravierende Risiken auf, wir können hier nur auf die wichtigsten eingehen:

a) Schwachstellen des Konzepts

Kolportiert wird eine medizinische Überversorgung der Landeshauptstadt München mit Krankenhausbetten. Es ist zwar richtig, dass wir ca. 40 Kliniken in München haben, diese werden allerdings zu einem Großteil von privaten Trägern betrieben.

Im Unterschied zur StKM betreiben Privatkliniken in den seltensten Fällen Notaufnahmen, wenn doch, besteht jedoch KEIN Versorgungsauftrag, d.h. Patienten können abgelehnt werden. Gleiches gilt für die Unikliniken, die einen Sonderstatus besitzen. Von einer Überversorgung im Notfallsektor kann somit keine Rede sein. Es ist vielmehr so, dass die StKM (zusammen mit den freien gemeinnützigen Krankenhäusern, z.B. Dritter Orden) den Hauptanteil der Notfallversorgung schultert, und dass bereits jetzt häufig, v.a. nachts, erhebliche Engpässe bei der Notfallversorgung schwerstkranker Patienten in München bestehen.

b) Schwerwiegende Folgen und gravierende Risiken für die Notfallversorgung von Kindern und Erwachsenen

Was bedeutet vor diesem Hintergrund ein Wegfall der Maximalversorgung in den Kliniken Harlaching und Schwabing? In Schwabing und Harlaching werden zusammen ca. 130 000 Notfälle pro Jahr behandelt (Stand 2013). Sollten diese Häuser in der vorgeschlagenen Form verkleinert werden, werden die Kapazitäten in Bogenhausen und Neuperlach (bei dann dreifacherhöhter Zahl an Notfallpatienten) nicht annähernd ausreichen, diese zusätzlichen Notfälle zu versorgen. Laut BCG-Konzept ist geplant, in den Kliniken Schwabing und Harlaching sog. Polikliniken mit (stationärer) Notfallversorgung einzurichten. Damit wird der Bevölkerung suggeriert, dass die Notfallversorgung weiterhin optimal gewährleistet ist und von den Veränderungen nicht betroffen ist. Dies ist jedoch nicht der Fall! Ohne entsprechende Infrastruktur im Hause und dem diagnostischen und therapeutischen Background verschiedener Fachabteilungen (z.B. Herzkatheterlabor zur Diagnostik und Therapie eines Herzinfarktes; Endoskopie zur Diagnostik und Therapie von Magen-Darm-Blutungen; interventionelle Radiologie zur Diagnostik und Therapie eines Schlaganfalls; Bauchchirurgie bei akuter Blinddarmentzündung; Unfallchirurgie zur Behandlung von Unfallopfern, Intensivstationen mit Beatmungsmöglichkeiten zur Therapie kritisch kranker Patienten) ist eine zeitnahe und effektive Notfallversorgung nicht zu gewährleisten - mit lebensbedrohlichen Konsequenzen. Diese Patienten müssten via Krankentransport in umliegende Häuser mit entsprechender Kapazität verlegt werden. Hierbei geht kostbare Zeit verloren – mit potentiell tödlichen Folgen. Zusätzlich ist in der StKM ausschließlich in den Klinika Harlaching und Schwabing eine Pädiatrie mit umfassender Notfallversorgung vorhanden. Genau diese Klinika sollen jedoch von einer schlagkräftigen, überregional verantwortlichen Notaufnahmeversorgung abgeschnitten werden! Wie soll so – vor dem Hintergrund des Umzugs der Haunerschen Kinderklinik nach Großhadern – eine ausreichende Abdeckung der Kindernotfallversorgung gewährleistet sein? Die Versorgung von Kindern ist in dem BCG-Konzept überhaupt nicht berücksichtigt, bei Umsetzung des Konzeptes können Kinder nicht mehr vollumfänglich versorgt werden! Wie soll die Notfallversorgung im Falle eines größeren medizinischen Notfalls (z.B. Schulbusunglück Innenstadt) gewährleistet sein? Wer trägt hierfür die Verantwortung?

Darüberhinaus sind innerhalb der StKM nur das Klinikum Harlaching und Schwabing zertifizierte überregionale Traumazentren. Diese Zertifikate allerdings sind nicht auf die Kliniken Bogenhausen und Neuperlach übertragbar, wie es das Konzept von BCG vorsieht, da in diesen Häusern die Infrastruktur für Traumapatienten nicht vorhanden ist und diese auch nicht zeitnah zu erlangen ist.

Hinzu kommt die zu erwartende demographische Entwicklung der Stadt und der Bevölkerung: Für München ist in den nächsten Jahren eine stetig wachsende Bevölkerungszahl prognostiziert. Zusammen mit einer deutlich gestiegenen und weiter steigenden Lebenserwartung ist in den nächsten Jahrzehnten ein zunehmender Bedarf an Krankenhausbetten zu erwarten, um eine zeitnahe und menschenwürdige medizinische Grundversorgung der Münchner Bevölkerung zu gewährleisten.  Mit diesem Konzept wird es allerdings zu einer drastischen Unterversorgung kommen, insbesondere im Münchner Westen, Südwesten und dem Umland.

c) Abbau kostenintensiver aber medizinisch notwendiger Abteilungen

In den dann verbleibenden Standorten Bogenhausen und Neuperlach soll sich das Augenmerk auf „profitable“ Bereiche/Zentren richten, also auf prozedurenstarke und somit ökonomisch rentable Abteilungen wie die Kardiologie, Chirurgie etc.. Prozedurenarme und kostenintensive Abteilungen wie die Rheumatologie, Endokrinologie sowie die Abteilung für Neuropsychologie sollen geschlossen oder verkleinert werden. In der Neuropsychologie werden z.B. Patienten nach Schlaganfällen mit Lähmungen, Sprach- und Sehstörungen sehr intensiv betreut, um ihnen eine Wiedereingliederung in das alltägliche Leben zu ermöglichen. Selbstverständlich ist dies zeitaufwendiger und somit nicht lukrativ im Sinne des Krankenhausabrechnungssystems, wieviel Lebensqualität geschenkt und an Folgekosten gespart werden kann durch diese Therapien, wird in keinem Konzept berücksichtigt.

3. Die Folgen für das Personal

Zusätzlich ist in den zwei verbleibenden Häusern mit einer noch größeren Arbeitsbelastung des dortigen Personals zu rechnen sowie mit erheblichen Wartezeiten. Dies wird auch jeden Hausarzt betreffen, der immer an einer guten und rechtzeitigen Versorgung seiner Patienten interessiert ist.

4. Unsere Forderungen:

- Sicherstellung der Notfallversorgung im Münchner Norden und Süden: Ein Abbau der Notfallzentren Schwabing und Harlaching in der vorgesehenen Form ist nicht vertretbar und muss korrigiert werden!

- Transparenz! Veröffentlichung des Sanierungskonzeptes und der zugrunde liegenden Zahlen für eine echte Debatte unter Einbeziehung einer öffentlichen Diskussion

- Neubau eines modernen Großklinikums auf dem Gelände das Klinikum Harlaching, wo vorhandene Freiflächen und eine genehmigte Planung vorliegen sowie staatliche Fördergelder seit Jahren freigegeben sind und wo bei laufendem Betrieb ein Neubau erfolgen kann!

- Zusammenlegung verschiedener Abteilungen und Bettenabbau nur unter Berücksichtigung des medizinisch Nützlichen und Sinnvollen!

Der Stadtrat soll bereits Anfang Juni über die Umsetzung des Konzepts entscheiden. Diese Entscheidung hat weitreichende Konsequenzen für alle Münchnerinnen und Münchner sowie das Münchner Umland. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Konzept, das der Geheimhaltung unterliegt, soll verhindert werden, eine öffentliche Debatte gar nicht erst entbrennen!

Es wird jeden direkt oder indirekt betreffen, daher rufen wir Sie heute dazu auf, gegen dieses Konzept zu protestieren, bevor es zu spät ist und wir einen weiter zunehmend privatwirtschaftlich interessierten Gesundheitssektor haben, der sich auf Profite, aber nicht die Genesung der Patienten konzentriert.

Wohnortnahe Gesundheitsversorgung ist ein Grundrecht!



Heute: Initiative verlässt sich auf Sie

Initiative Klinikum Harlaching e.V. benötigt Ihre Hilfe zur Petition „An den Oberbürgermeister und den Stadtrat der Stadt München: Sicherstellung der medizinischen Grund - und Notfallversorgung der Münchner Bevölkerung”. Jetzt machen Sie Initiative und 2.827 Unterstützer/innen mit.