Für eine wirkliche Mitbestimmung der nächsten Generationen

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Wir haben Ende letzten Jahres den Klimagipfel in Kattowitz miterlebt, und viele haben da schon die Rede der 15jährigen Greta Thunberg gehört. Der Klimawandel ist nicht mehr zu verleugnen, wir alle müssen dringend etwas tun. 

Die Bewegung, die Greta seither ausgelöst hat, ist inzwischen überall in den Medien; Kinder und Jugendliche werden auf der einen Seite immer präsenter, auf der anderen Seite sind sie aber auch zunehmenden Angriffen und einem (so typischen) Nicht-Ernst-Genommen-Werden ausgesetzt.

Die, die der Klimawandel am meisten betrifft, werden jetzt zwar (zumindest freitags, bei fridays for future) gehört; die Fakten, die die Kinder und Jugendlichen immer wieder benennen, machen einige vielleicht betroffen - aber sie haben noch keinen wirklichen Einfluss.

WEIL IHRE STIMME POLITISCH NICHTS ZÄHLT!!

Greta sagt in Kattowitz: „Ihr habt uns in der Vergangenheit ignoriert, ihr werdet es wieder tun.“

Ich will, dass sich das ändert!

Ich fordere mit dieser Petition, unseren Kindern und Kindeskindern politische Mitentscheidung zu geben. Das, was auf dieser Erde vorgeht, betrifft vor allem sie. Und es gibt so viele dringende Probleme neben dem Klimawandel... Es ist immer wieder in aller Munde, dass wir die zukünftigen Generationen bedenken müssen - aber in der Politik spielen sie einfach keine Rolle.

Denn: Sie sind keine Wähler! Ihre Stimme entscheidet nicht über die nächsten Wahlen - und die Wahlen sind doch das, was unsere PolitikerINNen antreibt. 

Politik wird für die Wähler gemacht - und Kinder und Jugendliche sind keine Wähler.

Daher fordere ich ein WAHLRECHT FÜR KINDER UND JUGENDLICHE!
Ich will, dass diese einbezogen werden, dass ihre Stimmen wirklich gehört werden.

Kinder sind klug, Kinder verstehen Zusammenhänge, wenn man sie ihnen erklärt. 
Wir vergeuden zu viel Potential, wenn wir Kindern nicht zuhören, ihren Stimmen kein Gewicht geben.

Allen, die sagen, dass Kinder keine weitreichenden Entscheidungen treffen können, weil sie Zusammenhänge nicht verstehen, halte ich vier Dinge entgegen:

1. Die Kinder, die ich kenne, können sehr wohl Zusammenhänge bedenken und verstehen von der Lage der Welt eine ganze Menge.

2. Können das denn wirklich alle Erwachsenen? Wir sehen gerade politische Strömungen, die meiner Ansicht nach das komplette Gegenteil beweisen.

3. Kinder müssen die weitreichenden Konsequenzen unserer Entscheidungen tragen - und das selbst dann, wenn sie überhaupt keinen Einfluss auf diese Entscheidungen hatten.

4. Wenn Kinder politisch wirklich ernst genommen werden, wird es umwälzende Veränderungen in unserer gesamten Gesellschaft geben.
Dann müssen (frühkindliche) Erziehung und Bildung noch einmal ganz neu gedacht werden - unsere Kinder würden dann als wichtige Bürger betrachtet.
Das heißt auch, politische Bildung würde schon in den Kindergärten beginnen müssen. Man muss dann noch ein ganz anderes Gewicht darauf legen, dass Kinder Zusammenhänge wirklich verstehen und gut informiert werden.
Ein positiver Nebeneffekt: Das würde die Rolle der ErzieherINNen und PädagogINNen sehr fördern, die meiner Meinung nach in der Regel viel zu wenig unterstützt und (auch finanziell ) wertgeschätzt werden.

Es gibt drei Modelle, wie ein Wahlrecht für Kinder, das ab Geburt gelten sollte, umgesetzt werden kann. Für alle Modelle gilt, dass die Verfassung in Art. 38 geändert werden muss, und zwar durch eine schlichte Streichung des 1. Halbsatzes von Art. 38, Abs. 2, wann die Wahlberechtigung beginnt (also nicht erst ab 18 Jahren):

1. Sobald Kinder wählen wollen, müssen sie sich in ein Wählerverzeichnis eintragen lassen und dürfen ab dann an den Wahlen teilnehmen.

2. Bis zur Volljährigkeit üben die Eltern das Stimmrecht als gesetzliche Vertreter aus.

3. Die Eltern üben das Stimmrecht als gesetzliche Vertreter so lange aus, bis das Kind sich aktiv in ein Wählerverzeichnis eintragen lässt.

In den Jahren 2004, 2005 und 2009 gab es bereits Initiativen zur Einführung eines Wahlrechts ab Geburt  im Bundestag (in der Umsetzung durch das o. g. dritte Modell), die aber leider zu keiner abschließenden Einigung führten.

Mit dieser Petition fordere ich nun erneut den Bundestag auf, sich mit der Einführung eines Wahlrechts ab Geburt zu beschäftigen.

Ein paar ergänzende Überlegungen:

Ich höre immer wieder unsichere, aber auch kritische oder besorgte Stimmen, die davon sprechen, dass Kinder durch dieses Anliegen ungeschützt und z. B. der Manipulation von Lobbyisten willkürlich ausgeliefert wären.

Ich finde natürlich auch, dass Kinder Schutz brauchen. Und ich würde auch nicht mit Grönemeyer mitgehen und "Kinder an die Macht rufen" - denn ich bin überzeugt, dass wir ein gewähltes Parlament brauchen und nicht jeder über alles abstimmen sollte.

Hierzu daher ein paar zusätzliche Gedanken von mir, die bei solchen Diskussionen - pder auch bei eigener Unsicherheit, wie man zu diesem Anliegen insgesamt steht - hilfreich sein könnten:

1. In Schule und Kindergarten - und dort sollte ein Hauptteil der Information stattfinden - sind Kinder bereits gut geschützt; da darf nicht "jeder rein" und die Kinder mit eigenen Inhalten bombardieren. Und gerade die Lehrpläne und Inhalte dessen, was mit Kita-Kindern gesprochen wird, sollte meiner Meinung nach politisch klarer werden. Dafür muss die Politik sorgen - mit guten Ausbildungen für LehrerINNen und ErzieherINNen, und mit der Auseinandersetzung, was diese denn eigentlich vermitteln sollen. 

2. Kinder haben schon sehr gute Informationsquellen; es gibt z. B. hervorragende Bücher, Hörspiele, Kindernachrichten und Wissenssendungen und -formate, und auch in der Schule und im Kindergarten werden viele Dinge besprochen. 
Wenn TV-Sendungen auf den öffentlich-rechtlichen Kanälen oder bei Streaming-Diensten stattfinden, sind sie ausserdem ganz vor Werbung - die ich als eine der wesentlichen Manipulationen unsere Gesellschaft schlechthin ansehe - geschützt.
Natürlich gibt es auch viele Kinder, die zu viele Dingen ausgesetzt sind, die sie nicht einordnen können und sollten - aber diese Kinder sind jetzt schon ungeschützt! Gerade Werbung beeinflusst und manipuliert diese Kinder jetzt schon, viel zu viel - und formt sie außerdem bereits in diese unsere (häufig viel zu unkritische) Konsumgesellschaft hinein. Würde es einen politischen Diskurs geben, in dem das ernster genommen würde, könnte der Schutz sehr viel besser ausfallen.

3. Ich finde den Ansatz falsch, Kinder schützen zu wollen, und dann, mit 18 und quasi unvermittelt, stehen sie dann davor, eben doch mitentscheiden zu wollen/zu sollen/zu können. Ich denke, dass das ein Prozess ist, den unsere Kinder viel zu wenig lernen (eben, weil sie wissen, dass das, was sie denken und wollen, im Grunde nichts zählt), der schon sehr früh beginnen sollte, um wirklich mündige Staatsbürger zu erziehen.

4. Mit Punkt 3 hängt zusammen, dass ich immer wieder höre, dass viele junge Erwachsene mit 18 (bzw. oft schon noch früher, mit 15, 16) schon Politik-müde sind.
Ich glaube, das hängt damit zusammen, dass sie schon zu oft die Erfahrung gemacht haben, dass ihre Gedanken und Dinge, die sie auf bestimmte Weise gern entscheiden würden (z. B. das Klima zu schützen, weniger Plastik zu benutzen, mit Mitmenschen gut umzugehen) eben nicht ernst genommen werden. Und gerade das ist für mich kein Schutz der Kinder, sondern eine massive Frustration.
Immer wieder sieht man - auch auf der Strasse, bei Demonstrationen, in Diskussionsrunden, in Kursen an den Schulen - Kinder, die klare Meinungen zu bestimmten Themen (häufig Tier- und Umweltschutz) haben, die diese auch äußern und diskutieren können - aber sie ernsten allenfalls ein „das ist ja süß/toll/niedlich“, aber keine ernsthafte Auseinandersetzung.
Dass das über die Jahre ein immer größere Frustration und die Frage wächst, wozu man sich eigentlich noch einsetzen sollte, kann ich sehr gut nachvollziehen.
Ich glaube, dass sich das radikal ändern würde, wenn Kinder durch ihr Wahlrecht Gehör finden und wirklich ernstgenommen werden würden.

Zu meiner Person: Ich bin Katharina W., Ärztin, Psychotherapeutin mit einem Schwerpunkt in der Arbeit mit Familien mit Babys und Kleinkindern, und Mutter von zwei Kindern, die mit ihren 10 und 8 Jahren sehr politisch interessiert sind und gern auch schon wählen würden.

 Literatur:

Dr. Lore Maria Peschel Gutzeit „Wer wählen kann, entscheidet mit - Das Wahlrecht als politisches Grundrecht“, Frühe Kindheit 06/13, Dokumentation der Jahrestagung der Deutschen Liga für das Kind