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Hat Trinkgelage Vorrang vor Gedenken?

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10. Mai 1933: Nazis verbrannten Bücher

10. Mai 2018: Burschenschaften verdrängen Antifaschisten

Hat Trinkgelage Vorrang vor Gedenken?

Am 10. Mai 1933 passierte es mitten in Frankfurt: Von den Nazis fanatisierte Studenten der Frankfurter Universität, darunter auch Angehörige von studentischen Verbindungen und Burschenschaften, packten einen Leiterwagen voll mit Büchern, deren Autoren vom faschistischen Regime als „zersetzend“ angesehen wurden und verbrannten sie auf dem Frankfurter Römerberg unter dem hysterischen Gegröle ihrer Gesinnungsgenossen.

Wohin diese reichsweit durchgeführten Bücherverbrennungen führten, ist hinreichend bekannt. Deshalb erinnern seit Jahren Menschen durch eine Lesung am 10. Mai am Ort des Geschehens daran. Sie lesen aus Werken, deren Autor*innen auf dem Index der „Aktion gegen den undeutschen Geist“ des NS-Regimes standen. Diesmal legen wir besonderen Wert auf ein angemessenes Gedenken, da sich dieses Ereignis zum 85. Mal jährt. Nun fällt in diesem Jahr Himmelfahrt auf den 10. Mai. Studentische Verbindungen und Burschenschaften nutzen diesen Feiertag gerne zu einem Trinkgelage. Auch in diesem Jahr besteht die Verbindung „Straßburger KDStV Badenia im CV“ als Anmelder wieder darauf, ihren „Römerbergfrühschoppen“ eben da zu zelebrieren. Ob nun Burschenschaften oder VVN-BdA zuerst ihre Veranstaltung auf dem Römerberg angemeldet haben, scheint unerheblich angesichts der Frage, ob ein Trinkgelage Vorrang haben kann vor einer Lesung, die an die Bücherverbrennung vor 85 Jahren erinnert. Nachdem bisherige Einreden der VVN-BdA beim Ordnungsamt keine für das Gedenken positive Wirkung gezeigt haben, entschlossen wir uns, auf den nahegelegenen Paulsplatz auszuweichen. Wir bestehen zwar weiterhin darauf, die Lesung am Ort des Geschehens abzuhalten. Dies ist die Gedenkplatte, die auf dem Römerberg 2001 eingelassen wurde und an die Bücherverbrennung erinnert. Wir möchten jedoch eine rechtliche Auseinandersetzung mit ungewissem Ausgang nach Möglichkeit vermeiden. Die VVN-BdA erwartet allerdings vom Ordnungsamt, dass den Burschenschaften Auflagen erteilt werden für den Fall, dass die Behörde bei ihrer Bevorzugung des Trinkgelages bleibt.

Diese geforderten Auflagen lauten: Die Verbindungen werden einen respektvollen Abstand von zehn Meter um die Gedenkplatte halten; sie tragen dafür Sorge, dass die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung zu Ehren der verfemten Schriftsteller*innen ein Blumengesteck an der Gedenkplatte niederlegen können; sie werden die Lautstärke auf dem Römerberg so halten, dass die Gedenkveranstaltung nahe der Paulskirche nicht gestört wird. Die diesjährige Lesung anlässlich des Gedenkens an den 85. Jahrestag der Bücherverbrennung durch die Nazis wird bisher unterstützt von Gegen Vergessen – für Demokratie, Initiative Kirche von unten, Studienkreis zur Erforschung des Widerstands 1933-1945, Initiative 9. November, Haus am Dom, FV Gedenkstätte KZ-Katzbach/Adlerwerke, Club Voltaire e.V., Leben und Arbeiten in Gallus und Griesheim e.V. ( LAGG ), Naturfreunde, Vereinigung Demokratischer Juristinnen und Juristen (VDJ) Frankfurt/Rhein-Main.

 Die öffentliche Lesung beginnt um 11.00 Uhr und wird gegen 16.00 Uhr enden. Es werden Rezitationen, musikalische Beiträge und Redebeiträge dargeboten. Gegen 12.00 Uhr werden die Teilnehmer Gelegenheit haben, Blumen an der Gedenkplatte auf dem Römerberg niederzulegen. Musikalisch wird das Gedenken begleitet durch Roman Kuperschmidt und Band sowie Almut Schwab von Klezmers Techter. Soweit es die Zeit erlaubt, sind weitere Lesebeiträge aus Büchern der verfemten Autor*innen willkommen.

Wir bitten um Deine/Eure/Ihre Unterstützung, dass diese Gedenkveranstaltung zumindest störungsfrei auf dem Paulsplatz stattfinden kann, wenn sie schon vom Römerberg verdrängt werden sollte.

10. Mai 2018: Gedenken an den 85. Jahrestag der Bücherverbrennung 

Gedenken darf nicht durch Trinkgelage verdrängt werden 

Ich/Wir unterstütze/n die Forderung der VVN-BdA, dass die diesjährige Lesung im Gedenken an die Bücherverbrennung durch die Nazis vor 85 Jahren ungestört vom Trinkgelage der Burschenschaften und studentischen Verbindungen stattfinden kann. 

Ich/Wir kritisiere/n die Respektlosigkeit der Verbindung „Straßburger KDStV Badenia im CV“, die als Veranstalter darauf besteht, ihren „Römerbergfrühschoppen“ auf dem historischen Platz der Bücherverbrennung durchzuführen. 

Es ist nicht nachvollziehbar, dass das Ordnungsamt dem Trinkgelage Vorrang vor dem Gedenken einräumt. 

 

 

 



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