Die Bezeichnung Mohr muss aus dem Namen aller Apotheken verschwinden!

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Bei 1.500 Unterschriften wird die Petition mit höherer Wahrscheinlichkeit von den lokalen Medien aufgegriffen!

Anmerkung: Im folgenden Text haben wir die Bezeichnungen Mohr mit M* und Neger mit N* dargestellt.        

Einige Menschen bestreiten die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit die Fremdbezeichnung M* aus dem Namen aller M*Apotheken zu entfernen. Sie postulieren, Worte könnten ohnehin nicht rassistisch sein, nur Menschen. Diese Aussage mag im ersten Moment für manch eine*n logisch erscheinen, übersieht aber die Macht der Sprache und die Wirkungskraft von Fremdbezeichnungen.  

Viele von diesen rassistischen Fremdbezeichnungen haben sich nachhaltig in die deutsche Gesellschaft eingeschrieben und sind bis heute gebräuchlich. Oft werden sie sogar mit dem Habitus gebraucht, es sei legitim oder “nicht so schlimm“, diese Wörter zu verwenden. So ist es auch bei den M*Apotheken bei denen oft vermerkt wird, dass der Begriff M* “veraltet“ sei. Gleichzeitig wird er aber im Namen der M*Apotheken aktuell verwendet und dadurch dauerhaft und ständig reproduziert. 

Fragt man nun M*Apotheker*innen, die sich weigern die Fremdbezeichnung M* aus dem Namen ihrer Apotheke zu entfernen nach dem Grund ihrer Weigerung, so erhält man Erklärungen über die angeblich positiven Absichten, die ursprünglich bei der Namensgebung der Apotheke eine Rolle gespielt haben sollen (Mauren, St. Mauritius). Eine Antwort nach dem Grund ihrer Weigerung ihre Apotheke umzubenennen liefern diese Erklärungen jedoch in keinem Fall. Diese rassistische Fremdbezeichnung nur aufgrund der angeblich “guten Absichten, die die Namensgeber*innen zu jener Zeit im Sinne hatten“ rückwirkend und für alle Zeit als unbedenklich zu erklären ist nur eine Rechtfertigung um nichts zu verändern und ein Versuch diese Fremdbezeichnung zu legitimieren.

Für einige scheint das Wort wahrscheinlich auch durch "populäre Figuren" wie den Sarotti-M* positiv besetzt. Dieser ist übrigens seit bereits über 10 Jahren goldfarben und ein Sarotti-Magier statt Sarotti-M*. Fakt ist, dass die Bezeichnung M* eine Fremdbezeichnung ist, die von den Betroffenen nicht selbst gewählt wurde, sondern ihnen von Europäern gegeben wurde.

Die Feststellung vieler Betroffener, dass dieser Begriff rassistisch ist, können insbesondere viele weiße Europäer nur schwer nachvollziehen, was historisch darin begründet liegt, dass es insbesondere Europäer waren, welche mit den Reisen von Kolumbus begannen, nicht nur Berge, Inseln und sogar ganze Kontinente nach sich zu benennen, sondern eben auch anderen Menschengruppen Namen zuzuweisen. Die Europäer selbst waren fast nie in der Situation, dass sie von außen unterworfen und ihnen fremdsprachige Bezeichnungen zugewiesen wurden, welche sich bis heute halten.

Viele dieser Fremdbezeichnungen mögen bis heute für viele weiße Deutsche traditionell, ja nahezu nostalgisch und romantisch belegt sein, wie z.B. der Begriff des Indianer (folgend mit I* dargestellt), weil wir als Kinder gerne Cowboy und I* gespielt haben. So kennen wir alle den stolzen Winnetou aus den Karl-May-Filmen die regelmäßig zu Weihnachten im Fernsehen ausgestrahlt wurden. Aber die Bezeichnung I* ist auch eine Fremdbezeichnung, die nur auf den Irrtum zurückgeht, dass Kolumbus in Indien angekommen sei und der Begriff wird von den indigenen Bewohner*innen Amerikas massiv abgelehnt. Denn abgesehen von negativen Assoziationen wie der vermeintlichen Primitivität und Blutrünstigkeit verkennt das Klischee des stolzen und naturverbundenen I* die reale Vielfalt der Sprachfamilien und Kulturen, welche allein in Nordamerika existierten und noch heute leben. Dieses stereotype Bild von der indigenen Bevölkerung friert sie in einem zeitlosen kindlichen Zustand ein aus dem sie sich nicht weiterentwickeln können und raubt ihnen so zugleich ihre Geschichte und ihre heutige Identität.

Und ähnlich ist es mit dem M* und seinem verpönteren Begriffscousin dem N*. Gern wird gefragt: Warum sollen wir sie nicht mehr so nennen? Aber zum N* bzw. zum M* haben die Europäer sie erst gemacht, als sie eine gigantische Vielfalt von Menschen unterschiedlicher Sprachen, Religionen und Kulturen in eine Kategorie zusammenwarfen, deren einzige Gemeinsamkeit war, dass ihre Haut dunkler war als die ihrige. Und als N* und M* haben die Europäer sie auch zu Millionen versklavt, "rassenbiologisch" ihre scheinbare Minderwertigkeit “bewiesen“, ihre Unterdrückung religiös begründet und sie auf den Plantagen zu Tode arbeiten lassen. Daran mag Deutschland weniger beteiligt gewesen sein als Spanien oder Großbritannien, dennoch waren auch deutsche Händler, Soldaten, Seemänner und Forscher im Kolonialismus aktiv. Deutschland bzw. genauer gesagt Kurbrandenburg betrieb Sklavenhandel und in deutschen Kolonien wurde die indigene Bevölkerung systematisch durch Zwangsverträge enteignet. Als diese sich bewaffneten, um sich dagegen zu wehren, wurde ihre Heimat verwüstet sowie ganze indigene Familien in lebensfeindliche Wüsten vertrieben oder in Vorläufer der Konzentrationslager gesperrt und getötet. Ein Genozid unglaublichen Ausmaßes!

All dies geschah mit der Begründung, dass es ja nur Wilde, Hottentotten oder N* waren, mit denen ein zivilisiertes Auskommen oder gar ein Zusammenleben unmöglich sei. Das Wort M* erscheint dagegen fast harmlos und es lässt eher an die Kammerm* denken, die besonders im 18. Jahrhundert an europäischen Höfen als Diener beliebt waren. Oft waren sie in orientalistische Gewänder gekleidet, die nichts mit ihrer Herkunft zu tun hatten und aufgrund der damaligen Begeisterung für “orientalische“ und “türkische“ Moden gewählt wurden. Diese Kleidung kann man immer noch im mittlerweile goldfarbenen Sarotti-Magier erkennen. Dabei wird meist vergessen, dass diese Kammerm* aufgrund ihres "exotischen" Aussehens vor Gästen zur Schau gestellt wurden und oft Sklavenkinder waren, die von den europäischen Fürsten gekauft wurden. Die meisten von ihnen blieben ihr Leben lang Kuriositäten und ihre Geschichten sind für uns verloren. Kann ein Mensch sich vorstellen, wie demütigend dies für diese Menschen gewesen sein muss?   

Im Vergleich zum N* wirkt der M* also in der historischen Betrachtung beinahe friedlich und gilt wie der I* als eher “positiv“ besetzt. In allen Fällen sind diese Stereotype von Menschen anderer Hautfarbe jedoch nur zwei Seiten einer Medaille: Auf der einen der gefährliche Wilde, also der skalpierende I*, der kannibalistische Insulaner, oder eben der lüsterne, primitive und faule N*. Auf der anderen Seite der edle Wilde, also der stolze Winnetou, die harmonisch lebenden Einwohner Tahitis oder der folgsame Hofm*. Somit sind alle diese Stereotype rassistisch, denn sie reduzieren die bezeichneten Personen auf wenige ihnen zugewiesene und angedichtete Eigenschaften nur aufgrund ihrer Herkunft und ihrer Hautfarbe. Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts wurden diese rassistischen Vorstellungen dann von Autoren wie Georges Luis Buffon oder Arthur de Gobineau, aber auch Carl von Linné und Immanuel Kant verwissenschaftlicht und die Betroffenen als eigene, von den Europäern unabhängige und unterlegende Rasse definiert, der diese Eigenschaften angeboren sind. Dies war die Geburtsstunde des modernen Rassismus. 

Menschen die an dieser Bezeichnung festhalten und sich dabei auf “Tradition“ berufen, oder vorgeben diese Apotheken hätten sich mit dieser Bezeichnung einen “guten Namen“ gemacht, denen möchten wir entgegnen: "Brecht mit dieser entsetzlichen Tradition und verschafft euch einen guten Namen eben genau, weil ihr euch von dieser rassistischen Bezeichnung befreit!" 

Rassistische Denkweisen und Weltanschauungen manifestieren sich durch Bezeichnungen und im Sprachgebrauch schlagen sich Werte und Hierarchien einer Gesellschaft nieder. Durch Sprache in Wort und Schrift, aber auch durch bildliche Darstellungen (z.B. Firmenlogos), werden diese verfestigt und getragen.

Wir fordern den Deutschen Apothekerverband als Interessenvertretung seiner angeschlossenen Apotheken auf sich der Forderung dieser Petition anzuschließen und diese als Empfehlung an seine angeschlossen Apotheken weiter zu geben. 

Unser Ansinnen ist es nicht Geschichte auszulöschen, sondern Geschichte sichtbar zu machen. Nur durch diese Sichtbarmachung ist es möglich zu erkennen und zu begreifen, wie notwendig es ist die Fremdbezeichnung M* aus dem Namen aller M*Apotheken zu entfernen. 

Lesen Sie dazu bitte auch die folgenden Beiträge: 

Rassistische Fremdbezeichnungen - eine schlechte Tradition

Warum es wichtig ist über Markenpolitik und Bildsprache nachzudenken

Doppelmoral

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Und falls Sie Argumente haben die Ihrer Meinung nach gegen eine Umbenennung sprechen, dann lesen Sie bitte unsere GegenArgumente