Petition update

Sie fliegen weiter ins Kriegsgebiet

Thomas Nowotny
83071 Stephanskirchen, Germany

Apr 18, 2018 — "Die nächste Abschiebung nach Afghanistan wird voraussichtlich am 24. April stattfinden, Abflugort ist uns noch nicht bekannt. Es gab aber zumindest in Bayern schon eine Verhaftung.

Aus gegebenem Anlass noch mal unser Appell: Versucht ...der Abschiebung möglichst vorzubeugen.

Es macht keinen Sinn, nicht zum Konsulat zu gehen oder eine Tazkira oder einen Pass nicht zu besorgen. Im Gegenteil.

Es ist wichtig, dass man wieder Kontakt zu einem Anwalt/einer Anwältin aufnimmt, die die Vertretung hatte.

Es ist wichtig herauszufinden, ob man einen Folgeantrag stellen kann, oder ob man über andere Wege (25a/25b, 18a oder Härtefallkommission) seinen Aufenthalt sichern kann.

Wer hier nichts macht, der läuft Gefahr, auf die Liste zu kommen."

Diese dringende Warnung des Bayerischen Flüchtlingsrat betrifft nur diese Personengruppe:

"Von Abschiebung bedroht sind demnach weiterhin alleinstehende junge Männer, deren Asylantrag rechtskräftig abgelehnt ist (mit Duldung oder Grenzübertrittsbescheinigung (GÜB), Identitätsbescheinigungen oder gar keinem Aufenthaltspapier, weil die Ausländerbehörde dies einbehalten hat) und die unter die o.g. Kategorien (Straftäter, Gefährder oder Identitätsverweigerer)
fallen könnten. Geduldete Afghanen, die sich in einer Ausbildung befinden, sollten eigentlich nicht gefährdet sein, aber hier ist trotzdem Vorsicht geboten."

Alle Infos hier: http://www.fluechtlingsrat-bayern.de/tl_files/Not%20safe/Warnhinweise%20Afghanistan.pdf

Immer mehr Menschen wollen sich das nicht bieten lassen!

Damit das sichtbarer wird als bisher, hat der Bayerische Flüchtlingsrat diesen Plan:

Banner gegen die Abschiebungen nach Afghanistan sollen den Protest vieler signalisieren. Über Spenden wollen wir den Preis für diejenigen, die die Kosten nicht allein stemmen können, reduzieren, damit das Banner an vielen Orten hängen kann.

https://www.betterplace.org/de/projects/61957?utm_campaign=user_share&utm_medium=ppp_sharing_modul&utm_source=Facebook

Am letzten Wochenende fand in Oslo eine große Kundgebung vor dem Parlament statt - viele zeigten die roten Drachen, das Symbol des europaweiten Aktionsbündnisses "Don't Send Afghans back"
https://www.facebook.com/groups/287056371797292/

Oslo schickt jede Woche Geflüchtete nach Kabul zurück - auch Familien. Auch Schwerkranke. Auch unbegleitete Minderjährige.
Das traut sich nicht mal Seehofer. Aber wie der folgende Bericht zeigt, schiebt Deutschland Familien nach Norwegen ab, die dann nach Afghanistan weiterdeportiert werden...

Der Bericht stammt von Abdul Gharfur (AMASO)
https://www.facebook.com/Afghanistan-Migrants-Advice-Support-Org-195295217167437/?hc_ref=ARStL0qcVYnso0UoObPjj7Z6-qDfKYDoHJYf_Xyvwv0BI2-zQiKJrWXhq60KxhoWYp8

Eine vierköpfige Familie wurde am 8. April 2018 von Norwegen nach Afghanistan abgeschoben. Die Familie war 2015 nach Norwegen gekommen, aber ihr Asylantrag wurde nach wenigen Monaten abgelehnt, bald danach auch ihre erste und zweite Klage dagegen. Aus Angst vor der Abschiebung flohen sie aus Norwegen und gingen nach Deutschland. In Deutschland hat der Ehemann mindestens zwei gescheiterte Selbstmordversuche unternommen, aber Deutschland hat sie nach der Dublin-Verordnung zurück nach Norwegen gebracht.

In Norwegen konvertierte die Mutter gegen die Einwände ihres Mannes zum Christentum. Sie sagte, ihr Ehemann habe sich verspottet und ständig gedroht, sie zu töten. Er hat sie oft misshandelt und geschlagen, als sie in Norwegen war. Sie ging zur Polizei und berichtete von seinen Drohungen, und sie befürchtete, ihr Mann würde sie töten, wenn sie nach Afghanistan zurückgeschickt würden. Die norwegischen Behörden nahmen ihre Behauptungen nicht ernst. Am 8. April wurde die Familie schließlich nach Afghanistan deportiert. Sobald sie am Kabuler Flughafen ankamen, fing ihr Ehemann an, sie in Anwesenheit der norwegischen Polizeieskorte, der afghanischen Flughafenpolizei und Behörden zu schlagen. Sie wurde so schlimm geschlagen, dass sie am ganzen Körper blaue Flecken hat. Sie bekam Schläge auf ihren Kopf. Ihr Ehemann sagte ihr, dass niemand sie retten würde und verfluchte sie dafür, dass sie vor allen zum Christentum konvertierte. Die norwegische Polizei musste eingreifen und die Mutter und zwei ihrer Kinder nach Dubai bringen, um sie nach zwei Tagen nach Kabul zurückzuschicken. Sie sind derzeit vom Ehemann getrennt und werden an einem separaten Ort im selben Hotel gehalten. Aber die Frau fürchtet um ihr Leben.

Sie sagte mir: "Ich bin im Iran geboren und aufgewachsen und kenne kaum jemanden oder jemanden in Afghanistan. Als mein Mann mich am Flughafen schlug, lachte die afghanische Polizei über mich und beschimpfte mich, weil ich für sie eine Ungläubige war und meine Religion vom Islam zum Christentum verändert hatte. "

Sie fügte hinzu: "Ich habe das Video gesehen, wie Farkhunda in Kabul gelyncht wurde (2015 wurde Farkhunda des Verbrennens von Koranversen beschuldigt und von einem Mob mitten in der Stadt Kabul gelyncht) und fürchte jeden Moment um mein Leben. Alle Angestellten im Hotel wissen von meinem Glauben, und es wird nicht lange dauern, bis mehr Leute davon erfahren und ein Mullah ein Dekret ausstellt, um mich zu töten. Ich weiß nicht, wohin ich gehen soll, wenn meine Zeit im Hotel beendet ist. Was wird mit mir passieren?"


Wo wir gerade beim organisierten Wahnsinn sind: Irgendwo in Bayern hatte ein anerkannter afghanischer Flüchtling (auch die gibt es!) alle Papiere zusammen für den Nachzug seiner Familie - seiner Ehefrau und seiner vier Kinder im Alter von 5 bis 13 Jahren. Es fehlte nur noch das OK des Ausländeramtes.
Am 13.4. sagt die Bearbeiterin im Ausländeramt, vier Kinder sind einfach zu viel, der anerkannte Flüchtling aus Afghanistan soll nur seine Ehefrau nachkommen lassen.
Menschenfeindlich und rechtswidrig, aber angeordnet von ihrer Chefin.

Beim Familiennachzug gibt es ja alle Arten von Versuchen deutscher Behörden, internationales Recht auszuhebeln - aber dieses Vorgehen verstößt auch gegen deutsche Gesetze. Ich wünsche der Familie, dass sie ganz bald ihr Recht bekommt.

Unterdessen ist die Sicherheitslage in Afghanistan weiterhin katastrophal. Der neueste Bericht der EASO liegt jetzt auch auf Deutsch vor: https://www.proasyl.de/wp-content/uploads/2015/12/EASO_Afghanistan_Deutsch_Dez2017.pdf

Eine Kurzzusammenfassung gibt es bei Thomas Ruttig:
https://thruttig.wordpress.com/2018/04/16/easo-bericht-2017-zu-afghanistan-jetzt-auf-deutsch/

„Die Menschenrechte enden an keiner Grenze dieser Welt.
Wir solidarisieren uns mit allen Menschen,
die vor Krieg, Verfolgung und Armut in unserem Land Zuflucht suchen,
und wenden uns gegen jede Ausgrenzung.“

Das ist die einzige richtige Antwort auf das unsägliche Pamphlet mit dem schlichten Namen „Erklärung 2018“, das von deutschen Geistesgrößen wie Vera Lengsfeld und Thilo Sarrazin ins Netz gestellt wurde (s. https://www.freitag.de/autoren/maja-wiens/die-erklaerung-2018-braucht-eine-antwort).

Hier kann jedeR unterschreiben, falls noch nicht geschehen:
https://antwort2018.hirnkost.de/petition-unterschreiben/


Absolut unterstützenswert ist auch die Petition der Augsburger Schülervertretung:

https://www.change.org/p/stadtrat-augsburg-augsburg-gegen-abschiebungen

Bitte unterschreibt und teilt auch diese Petition!


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